Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Studie untersucht Konzentrationsfähigkeit

Lesen, Rechnen und Schreiben unter Fluglärm

Ulrich Thiessen / 06.07.2013, 12:45 Uhr
Potsdam (MOZ) Im Herbst soll mit einer Studie begonnen werden, die die Auswirkungen von Lärm auf Kinder rund um den Flughafen Schönefeld untersucht. Für die Grünen und die Anwohner der Region reicht das nicht aus. Sie fordern eine breitere Erfassung von gesundheitlichen Risiken.

Das brandenburgische Gesundheitsministerium sucht nach acht Schulen und dort nach jeweils zwei Klassen der Jahrgangstufen zwei und drei. Zwei der Schulen sollen schon heute in den Flugschneisen von Schönefeld (alt) liegen, wo der Lärmpegel von 55 Dezibel tagsüber überschritten wird.

Untersucht werden außerdem Kinder an zwei Grundschulen, die heute diesen Wert nicht erreichen, aber deren Standorte nach Eröffnung des neuen Großflughafens BER von Fluglärm betroffen sein werden. Für den Vergleich werden vier Schulen der Region um Schönfeld herangezogen, in denen der Lärmpegel niedriger als 45 Dezibel ausfällt.

Ziel der Vergleiche ist es laut Ministerium, die Auswirkung von Lärm auf die Lese-, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen der Kinder zu erfassen. Zusätzlich sollen die sprachlichen Leistungen untersucht werden. Fragebögen für Eltern und Lehrer zu Lärmbelästigungen runden das Monitoring ab. Die Studie wird über drei Jahre gehen und soll insgesamt eine Millionen Euro kosten. Als Ziel formuliert das Gesundheitsministerium, gegebenenfalls "effiziente Maßnahmen zu Verhinderung beziehungsweise Minimierung" von Lärmwirkungen auf Kinder ergreifen zu können.

Ortwin Baier, Bürgermeister von Blankenfelde-Mahlow, einer der am meisten unter Fluglärm leidenden Kommunen, ist mit dem angekündigten Gesundheitsmonitoring nicht zufrieden. Er verlangt eine ganzheitliche Untersuchung der Flughafenanrainer. Ein Bienenmonitoring habe stattgefunden, eine Untersuchung der Pflanzenwelt, nur beim Menschen gebe man sich mit Teilaspekten ab, kritisiert der Bürgermeister und vermutet Spargründe dahinter.

Dabei hatte seine Gemeinde 2008 zusammen mit dem Landkreis Teltow-Fläming bereits 150000 Euro aufgebracht, um eine Vorstudie für ein Gesundheitsmonitoring zu erstellen. Dabei waren ebenfalls Eltern und Lehrer befragt und ein Test für Schüler erarbeitet worden. Darüber hinaus gab es einen Aufruf, dass sich Bürger auf Blutdruckerkrankungen untersuchen lassen sollen.

Laut Baier hätten die Flughafenbetreiber (Bund, Berlin und Brandenburg) auf dieser Pilotstudie aufbauend zwei bis drei Millionen Euro in die Hand nehmen sollen, um sie repräsentativ umzusetzen. Das ist jedoch nicht erfolgt. Bund und Länder verweisen auf eine Lärmstudie in Frankfurt am Main. Die nun vom brandenburgische Gesundheitsministerium angepeilte Schüleruntersuchung soll die Frankfurter Ergebnisse ergänzen. Dort wird über Jahre hinweg der Zusammenhang Lärm und Lebensqualität sowie Lärm und Gesundheit unter die Lupe genommen.

Für Ursula Nonnemacher, Landtagsabgeordnete der Grünen, reicht das Engagement nicht aus. Auch hierzulande müssten die Herz-Kreislauf-Erkrankungen in die Untersuchungen einfließen. Die Ärztin aus Falkensee fordert, dass die bei den Kassen dazu gespeicherten Daten auch für Brandenburg ausgewertet werden und mit der Entwicklung ab der Eröffnung des Flughafens beobachtet werden.

Dass die Schülerstudie an acht märkischen Grundschulen überhaupt jetzt in Gang kommt, ist der Verzögerung beim Start des Flughafens zu verdanken. Obwohl der Landtag 2011 das Monitoring gefordert hatte, war es zum geplanten Start im Juni 2012 noch nicht vorbereitet.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG