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Brandenburger Bruttogehälter liegen durchschnittlich fast 500 Euro unter Westniveau

Nur 23 Prozent im Tariflohn: Löhne im Osten weiter niedrig

Arbeitsminister Baaske: Weniger Geld im Osten:
Arbeitsminister Baaske: Weniger Geld im Osten: © Foto: dpa
Mathias Hausding / 30.07.2013, 18:51 Uhr
Potsdam (mat) Auch fast ein Vierteljahrhundert nach der Wende werden die Menschen im Osten Deutschlands im Durchschnitt deutlich schlechter bezahlt als die Bürger im Westen der Republik. Das ist das Ergebnis einer am Dienstag von Brandenburgs Arbeitsminister Günter Baaske (SPD) vorgestellten Studie.

Im Durchschnitt verdient demnach ein brandenburgischer Arbeitnehmer 1960 Euro brutto im Monat. Im Westen sind es 2430 Euro. Die Quote der Lohnangleichung liegt damit für die Mark bei 81 Prozent. "Berücksichtigt man die längeren Arbeitszeiten im Osten, dann werden hier sogar nur 76 Prozent des Westniveaus gezahlt", sagte Baaske. Dies sei im Wettbewerb um Fachkräfte viel zu wenig. "Denn am Ende entscheidet das Portemonnaie darüber, wo sich junge, gut ausgebildete Menschen niederlassen."

Als Hauptursache dafür, dass Brandenburg zuletzt den Abstand nicht einmal verringern konnte, führte der Minister an, dass viele kleine Betriebe im Land nicht tarifgebunden sind. "Dieser Zustand muss verändert werden." Nur 23 Prozent der Unternehmen zahlten Tariflohn. Damit erreiche die Tarifbindung gut die Hälfte der Beschäftigten. Entschieden wies Baaske den Erklärungsversuch zurück, Brandenburger Bürger würden so wenig verdienen, weil die hiesigen Betriebe weniger produktiv als die im Westen seien. "Das ist einfach falsch", betonte er. Das Malern eines Zimmers koste in Potsdam 800 und in Hamburg 1200 Euro. "Das hat nichts mit unterschiedlicher Arbeitsproduktivität zu tun", ist Baaske überzeugt. Auch ein flächendeckender Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde würde nach Auffassung des Ministers viele Brandenburger auf ein ganz anderes Niveau heben.

Basis für die Studie "Betriebspanel 2012" ist eine repräsentative Umfrage unter 992 Betrieben. Unternehmen in Brandenburg haben demnach 2012 rund 41 000 Fachkräfte eingestellt und damit 5000 mehr als 2011. Gestiegen ist jedoch auch die Zahl der Minijobber. Mittlerweile sind laut Studie 38 Prozent aller Beschäftigten auf Basis von Teilzeit- und Leiharbeit tätig - das sind zwei Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor.

Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg dagegen hatte für 2012 einen durchschnittlichen Bruttomonatsverdienst für die Mark von 2453 Euro ermittelt - allerdings einschließlich Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Wie 2011 konnten laut Baaske im vergangenen Jahr erneut etwa 13 000 freie Stellen nicht besetzt werden, weil geeignete Bewerber fehlten. Betroffen waren vor allem das Gastgewerbe und die Bauwirtschaft. Mit Sorge sieht Baaske die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt. 56 Prozent der 66 000 Betriebe hätten die Berechtigung auszubilden, nur 38 Prozent würden dies tun. "Vier Prozent weniger als 2011 - das finde ich fatal", klagte Baaske. Es fehle hier die richtige Antwort auf die Fragen der Zukunft, des demografischen Wandels und des wachsenden Fachkräftemangels. (Kommentar)

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Wossi 31.07.2013 - 15:12:27

Jammervolk

Ihr wolltet doch Reisen und die Milka im Regal. Habt ihr in euren Schulen im Unterricht nicht aufgepasst?

Leser 31.07.2013 - 12:06:30

Es ist eine Schande,

niedrigerer Lohn für gleiche Arbeit und das mehr als 20 Jahre nach der Wende. Trifft ja auch für die Renten zu. Rentner im Osten bekommen ja auch weniger als im Westen. Wann erfolgt endlich die Angleichung? Die Kosten wurden von den Konzernen schon angeglichen. Strom, Gas, Telefon, Lebensmittel bezahlen wir dasselbe wie die Westler, nur haben wir weniger Einkünfte. Welch eine Gerechtigkeit, Frau Merkel!

Observer 31.07.2013 - 08:59:01

Wartet mal auf die Politik...

So lange die Arbeitnehmer warten, dass die Politik die Löhne regelt, wir sich nichts ändern, erst recht nicht zum Guten. Tarifverträge werden durch Gewerkschaften ausgehandelt, nicht durch Politiker. Und wenn die Arbeitnehmer in den Betrieben sich nicht in Gewerkschaften organisieren und in Tarifverhandlungen gehen, sich auch mal trauen, was in aller Welt üblich ist: STREIKEN, wenn es nicht zu einem vernünftigen Ergebnis kommt, wird sich nichts ändern. Natürlich wollen das die Bosse nicht, natürlich drohen sie, aber irgendwann muss doch der letzte schnallen, dass man nichts geschenkt bekommt. Deutschland hat auf der Welt so ziemlich die niedrigste Streikquote. Nordkorea ist wohl noch niedriger... Wartet weiter auf andere, und wundert Euch, dass für ehrliche Arbeit nichts rum kommt...

Karolin Wagner 31.07.2013 - 08:37:01

Platzeck

In seiner Rücktrittskolumne an sich selbst, lobte Platzeck noch sein und das Werk seines Ziehvaters Stolpe, die Arbeitslosigkeit dauerhaft unter 10% gesenkt zu haben. Seine Tränen der Verzückung , wohl über seine so erfolgreiche Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik herausgepresst, kann nur die Presselandschaft teilen. Große Teile der Billiglöhne, auch wenn im Interesse seiner,der Platzeckschen-Statistik seines Lebenswerkes, in Arbeit befindlich, sehen das anders.

Friedrich 30.07.2013 - 23:46:30

peinlich

Solche überraschenden Ergebnisse ausgerechnet von einem SPD Arbeitslosenminister, dessen s.g. Arbeiterpartei doch hauptsächlich für die Umsetzung von H4 verantwortlich ist unter ihrem damaligen Gasableser Putins, welcher noch 7,5Mrd. Forderungen aus DDR-Zeiten an Rußland erlassen hat. Kennen diese Gewählten gar keine Scham.

Steuerzahler 30.07.2013 - 22:51:15

Hartz4 trotz Vollzeitjob.. Arbeitgeber sollten überprüft werden

Tariflohn, dass ich nicht lache. Die meisten Unternehmen unterliegen doch überhaupt keinem Tarif und selbst wenn, dann halten sie sich nicht dran. O-Ton bei einem meiner Vorstellungsgespräche: "Papperlapapp der Tarif interessiert mich nicht, ich zahle all meinen Angestellten 7,85 Euro die Stunde und Sie können sich beim Hartz Amt Aufstockung holen." Es gibt in meinem Bekanntenkreis einige Leute- junge wie ältere- die gehen 40 Stunden die Woche hart arbeiten, und müssen noch zum Amt um ihren kargen Lohn aufstocken zu lassen. Wenn es sich um einen kleinen Handwerksbetrieb handelt, der ums Überleben ringt und seine paar Angestellten nicht entlassen will, ist es m.E. noch nachvollziehbar, dass der Lohn niedrig ist und durch Vater Staat aufgestockt wird... ABER: Ich kenne Firmen die stehen blendend da. Die Firma läuft, steigert den Umsatz kontinuierlich, die Auftragslage boomt seit Jahren und der Boss zahlt den Angestellten Hungerlöhne von 8 Euro die Stunde und weniger. Da stellt sich mir als Steuerzahler die Frage: Wieso werden AG deren Angestellte bei Vollzeitarbeit noch mit Hartz 4 aufstocken müssen nicht überprüft ob die wirtschaftliche Lage der Firma ein Eingreifen durch den Staat rechtfertigt? Ich weiß nicht wieso unsere Regierung nicht selber auf so eine Idee kommt. Da zahlen bestsituierte AG ihren Angestellten absolute Dumpinglöhne, weil sie wissen, dass der Staat den Angestellten "was dazugibt". Das wiederum kommt von den Steuerzahlern, der Allgemeinheit, und auch von Firmen die weniger gut dastehen. Man gewinnt zunehmend den Eindruck, dass immer mehr AG auf der "Aufstockerwelle" reiten.

informierter Bürger 30.07.2013 - 19:43:53

Warum der Mindestlohn 18,50 Euro betragen müsste

Kürzlich hat auch die »Neue Zürcher Zeitung« in die Diskussion um den Mindestlohn in Deutschland eingegriffen. Sie wirft SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, dem 8.50 Euro vorschweben, vor, er lebe in einem »ökonomischen Nirvana«. Von wegen »ökonomisches Nirvana«: Was zur Deckung des Mindestbedarfs an privaten und öffentlichen Gütern nötig ist… Was ist nun richtig? 6,10, 8,50 Euro oder vielleicht doch eher die rund 20 Franken (rund 16,50 Euro), die in der Schweiz gefordert werden? Um das zu entscheiden, muss man erst einmal die Begriffe definieren. Wir verstehen unter dem Mindestlohn den Stundenlohn, den man braucht, um den eigenen Mindestbedarf an privaten und öffentlichen Gütern aus eigener Kraft (also ohne Hilfe vom Staat und von Verwandten) zu decken. http://www.neues-deutschland.de/artikel/828728.warum-der-mindestlohn-18-50-euro-betragen-muesste.html Entscheidend ist dabei, wie viele Arbeitsstunden ein Mindestlöhner realistischerweise am Markt »ergattern« kann… Insgesamt braucht es also einen Mindestlohn von 18,50 Euro, um einen deutschen Normalbürger mit einem Minimum an privaten und öffentlichen Gütern zu versorgen… Bewegen wir uns damit nicht im »ökonomischen Nirvana«? Nun, die 18,50 Euro entsprechen in etwa dem Stundenlohn einer Putzfrau in der Schweiz, wo die Arbeitsproduktivität etwa 20 Prozent tiefer liegt als in Deutschland. Der im Vergleich zu den geforderten 8,50 Euro überraschend hohe Mindestlohn kommt dadurch zustande, dass wir auch den Mindestlöhnern die Fortpflanzung erlauben, dass wir sie an der Finanzierung der öffentlichen Ausgaben beteiligen und dass wir mit marktkonformen Arbeitspensen rechnen. Unsere Berechnungen besagen, dass ein karges Leben nach Hartz IV selbst mit einem Mindestlohn von 8,50 Euro im Normalfall nur mit massiven staatlichen Subventionen finanziert werden kann. Die z.Z gezahlten 76 Prozent des Westniveaus gegenüber dem Osten geht 2013 schon mal gar nicht. Alles Errungenschaften unserer Landesregierung, zum Nachteil seiner Bürger, unter dem Ministerpräsidenten Matthias Platzeck.

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