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Der Rosinenbomber: Die fliegende Legende ist zurück

Andreas Wendt / 30.07.2013, 19:33 Uhr
Schönefeld/Berlin (MOZ) Berlin hat seinen Rosinenbomber wieder. Nach dem Absturz vor drei Jahren hat der Förderverein zur Rettung des Rosinenbombers eine baugleiche Maschine im englischen Coventry ausfindet gemacht und am Dienstag nach Deutschland überführt. Beide Flugzeuge werden nun miteinander verschmolzen.

Die Augen vor Gerda Schütt leuchten, als die grün-weiß lackierte Propellermaschine mit dem so typischen sonoren Brummen vor das alte Schönefelder Flughafenterminal rollt. Dieses Brummen kennt die 84-Jährige. "So etwas vergisst man sein ganzes Leben nicht", sagt sie und kann es gar nicht fassen, dass Berlin wieder einen Rosinenbomber hat. Dabei hat die Seniorin aus Tempelhof nach dem Absturz der fliegenden Legende selbst mit dazu beigetragen. Zwischen 500 und 600 Euro habe sie dem Förderverein gespendet, damit Berlin sein Wahrzeichen wieder über der Stadt kreisen lassen kann.

Vor zwölf Jahren hatte die Firma Air Service Berlin den Rosinenbomber, das Symbol der Berliner Luftbrücke 1948/49, zurück in die Hauptstadt geholt. "Wenn die Amis uns nicht gerettet hätten, wären wir verhungert", erinnert sich Gerda Schütt an die schweren Nachkriegsjahre. Sie Flugzeuge vom Typ DC-3 versorgten die eingekesselten Berliner im Minutentakt mit Kohle, Kartoffeln, Lebensmitteln und Süßem wie Rosinen. Deshalb ist für den stellvertretenden britischen Botschafter Andrew Noble, der Rosinenbomber weit mehr als eine Touristenattraktion. "Ein Drittel aller Einsätze wurden von Großbritannien aus geflogen, obwohl bei uns zuhause die Lebensmittel bis 1954 rationiert waren", sagt Noble, der schon Anfang der 1980er-Jahre im geteilten Berlin lebte, die deutsche Hauptstadt aber in drei Wochen Richtung London wieder verlassen wird.

Dass nach der missglückten Notlandung im Juni 2010, bei der das Flugzeug schwer beschädigt worden ist, in England ein weiterer, flugfähiger Oldtimer ausfindig gemacht werden konnte, beflügelt vor allem den Förderverein sowie zahlreiche Sponsoren und Spender. Die für den Kauf der Maschine nötigen 210000 US-Dollar waren allein aus Spenden- und Sponsorengeldern zusammengekommen. Die Firma Steiff kreierte eigens ein Teddybär in Rosinenbomber-Uniform, von dem bereits mehr als 500 Exemplare auch über das Berliner "Kaufhaus des Westens" verkauft worden sind.

Gut vier Stunden benötigte die englische Besatzung, die im November 1944 an die US Air Force ausgelieferte DC-3 nach Berlin zu überführen - vor 54 Jahren war diese Maschine an der Luftbrücke beteiligt und seit 1981 im Besitz der Air Atlantique. "Sie ist etwas schneller als unsere alte", sagt Steffen Wardin, Vorstandsmitglied des Fördervereins. Aber das wundert ihn auch nicht, denn die Douglas sei das beste Pferd im Stall der Briten gewesen - und es sei den Engländern selbst angesichts von 210 000 US-Dollar schwer gefallen, sich von dem Flugzeug zu trennen.

Frank Hellberg, Präsident des Fördervereins, ist glücklich über den ersten Etappensieg. Das eigentliche Ziel aber ist, beide Maschinen miteinander zu verheiraten und Berlins neuen, alten Rosinenbomber wieder an den Himmel zu bringen. Dazu werden noch einmal 300 000 Euro benötigt. Der Umbau erfolgt in einer Flugzeugwerft im sächsischen Kamenz. Da es sich beim Bomber aus Coventry um eine Frachtmaschine handelt, die in Europa als Passagierjet zugelassen werden soll, müssen Teile beider Rosinenbomber miteinander verschmolzen werden. Gerda Schütt kann es kaum erwarten: "Wenn ich eingeladen werde, fliege ich natürlich mit!" (Mit Adleraugen)

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fran 30.07.2013 - 23:59:39

Tolle Maschine?

Sind das die Maschinen die die deutsche Zivilbevölkerung im zweiten Weltkrieg in den Tod befördert haben? Eine wahrhafte Legende für West-Berlin und ganz Deutschland. Nein ein solches Flugzeug wurde als Sanitätsflugzeug eingesetzt.

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