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IHK fühlt sich für Stimmenfang missbraucht / SPD-Politiker lässt Film nach Protesten stark kürzen

Landrat Schmidt hat Ärger mit Wahlwerbespot

© Foto: Michael Märker
Mathias Hausding / 18.09.2013, 09:26 Uhr - Aktualisiert 19.09.2013, 11:01
Seelow (MOZ) Seit 2005 ist Gernot Schmidt Landrat im Kreis Märkisch-Oderland. Am kommenden Sonntag, zeitgleich mit der Bundestagswahl, will sich der 51 Jahre alte SPD-Politiker für weitere acht Jahre im Amt bestätigen lassen. Deshalb rührt er derzeit zwischen Strausberg und Seelow kräftig die Werbetrommel. Doch mit einem Wahlwerbespot, der im Lokalfernsehen und im Internet zu sehen war, ist er über das Ziel hinaus geschossen. Am Dienstag protestierte die IHK Ostbrandenburg gegen den fünfminütigen Film und verlangte Änderungen, die Schmidt daraufhin auch umgehend veranlasste.

Der kritisierte Beitrag hat nur ein Thema - die mutmaßlichen Qualitäten des Kandidaten Schmidt. Vorgetragen werden die Lobeshymnen allerdings nicht von Privatpersonen, sondern Menschen, die eigentlich zur Partei-Neutralität verpflichtet sind. So schwärmen drei Chefärzte des Krankenhauses Märkisch-Oderland in den höchsten Tönen von Schmidt. "Dem Landrat verdanken wir es, dass unser kommunales Krankenhaus in den letzten Jahren eine so hervorragende Entwicklung genommen hat", heißt es da unter anderem. Ein Wahlaufruf also für den eigenen Chef - Landrat Schmidt ist Vorsitzender des Krankenhaus-Aufsichtsrats.

Auch Gudrun Thiessenhusen, Leiterin des Oberstufenzentrums Märkisch-Oderland, springt für Schmidt in die Bresche. Ebenso der Präsident der IHK Ostbrandenburg und Geschäftsführer der EWE AG in Brandenburg, Ulrich Müller. "Ich wünschte mir, dass viele Politiker so pragmatisch sind wie er", sagt Müller im Wahlwerbespot über Schmidt.

Am Dienstag distanzierte sich die IHK von dem Film. "Wir wurden nicht darüber informiert, dass jenes Interview mit unserem Präsidenten für Wahlwerbung genutzt wird", sagte IHK-Sprecher Thilo Kunze. Hat also das Filmteam die Protagonisten im Unklaren darüber gelassen, wofür ihre Statements verwendet werden? Zu dieser Frage wollte Stephan Rätzel, Chef des Senders Strausberg TV, der die Aufnahmen gemacht hat, keinen Kommentar abgeben. Das Innenministerium sieht indes keinen Verstoß. "Nach derzeitigem Erkenntnisstand fehlt es für ein Tätigwerden der obersten Kommunalaufsicht an tatsächlichen Anhaltspunkten für das Vorliegen eines entsprechenden Rechtsverstoßes", sagte ein Sprecher.

Schmidts Konkurrenten bei der Landratswahl sind in jedem Fall verärgert. "Selbstherrlichkeit" wirft Linke-Kandidat Bernd Sachse dem Landrat vor. "Auch Beschäftigte des Kreises sind ganz offensichtlich während der Arbeitszeit eingebunden wurden." Schmidt selbst gibt sich zerknirscht. "Ich sehe den Fehler ein und habe die kritisierten Passagen aus dem Film entfernen lassen", sagt er.

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Hagen Stein 20.09.2013 - 22:49:49

Wer hat denn daran gedreht?

Es ist überhaupt kein materieller Schaden entstanden, hier soll einfach nur noch rechtzeitig "eine Leiche in den Keller" lanciert werden - ist doch durchschaubar! Moral??? Wo gibt es die in der Politik??? Das Wahlvolk soll sich das Maul zerreißen und abgelenkt sein von den anderen Pleiten in Brandenburg, auch der jetzigen Regierung, wie BER, Altanschließer, Lausitz-Abbaggerung, Lausitz-Ring, Immobilien usw. Doch wer kommt für diese gleich miese Masche in Frage? Brauchen die in der Regel farblosen Mitbewerber solche Schützenhilfe, wenn sie schon nicht selbst in der Lage sind sich zu empfehlen? Hat denn einer von den Mitbewerbern die für diesen Dienstposten erforderliche Qualifikation einer deutschen Verwaltungsfachschule? Ich bin sicher nicht der gute Freund vom Landrat, aber da weiß ich was der Kreis MOL von ihm hat, nämlich einen der sich den "Talg von den Nieren" für den Kreis schindet und Furz und Feuerstein auf kurzem Dienstweg kennt, hemdsärmelig und dennoch bürgernah. Dagegen zeigen die anderen drei Kollegen beängstigende Blässe. Da ist mir der denkwürdige Wahlspott, weil er materiell schadlos ist, und die Aussicht einen eingearbeiteten Landrat und damit auch Kontinuität zu behalten viel wichtiger. Denkt mal nach wer uns die Leimrute mit der öffentlichen Aufregung gelegt haben könnte, soweit steht die Person nicht weg die den Stein warf....

Isch kandidiere! 20.09.2013 - 22:12:50

Von Kaffee und Landräten

Ich lehne auch jeden spendierten Kaffee grundsätzlich ab, werde ich jetzt Landrat? Immerhin könnte ich meinen Wählern versprechen, dass es bei mir keine lex Landrat gibt, sondern bestehende Gesetze korrekt eingehalten werden. Dafür wäre ich etwas seltener auf Pressefotos zu sehen, als der bisherige Amtsinhaber, bei dem man glauben könnte, dass er als Foto-Model für Zwischengrößen sein Geld verdient.

Traktoris Egon 20.09.2013 - 21:19:04

Dumm gelaufen, aber eine Marginalie betr. GS

Der Werbespot ist ja nicht entscheident für den Weltfrieden bzw. Kompetenz, Ergebnisse, Programm des Landrates. War sicher ´ne gute Idee, handwerklich sollten zumindest Pressesprecher o.ä. den Blick auf sowas haben, hier teile ich zum Teil die Kritik hinsichtlich der Auswahl an den Leuten, die im Filmchen zu Wort gekommen sind. Herr Schmidt hätte sicher auch Dutzende Befürworter der "normalen" Bevölkerung zu Wort kommen lassen können, ich Trekkerfahrer hätte auch mein Statement abgegeben. Was zeigt und die Debatte? Die Konkurrenz (Mitbewerber) hatte bis dato betr. inhaltlicher Auseinandersetzung nur blass ausgesehen, nun hat sie eine vermeintliche Steilvorlage, für mich sind dies die armen Würstchen. Entscheidend für mich als Privatperson ist, was kommt raus, wenn jemand arbeitet bzw. sich engagiert. Die Bilanz des Herrn Schmidt ist ein Vielfaches höher als die der Masse seiner Amtsbrüder in Brandenburg, selbst spendierten Kaffee hat er stets abgelehnt. Ein für mich viel höherer Wert, skandalfreie acht Jahre, fairer Umgang mit Leuten von Hartz IV bis zum Unternehmer, eine Sprache, direkt und die jeder versteht und geräuschloser Netzwerker für den Berlinnahnen und auch den Berlinfernen Raum. Ich fahre weiter Trekker und Herr Schmidt sollte weiter den Hut in MOL aufhaben.

Meyer 19.09.2013 - 09:07:27

selten so gelacht

Also wenn die Gegner des Landrates so einfältig sind wie Ihre Kommentare, brauch er sich keine Sorgen machen

lacher am rande 19.09.2013 - 09:03:27

Noch ein Zusatz

Wenn man fast zeitgleich die Werbespots von Gernot Schmidt bei "YouTube" findet, dann ist sein Auftritt ein wirklich echter "Lacher". Und diesen Herren soll man wieder wählen?????????? Ne, Leute, damit ist für mich der Gernot Schmidt eine politisch untragbare Person geworden. Wer den jetzt noch wählt, begeht Selbstjustiz, Selbstbestrafung, was auch unter Strafe steht. Überlegt euch jetzt wirklich, ob es noch Sinn macht zur Wahlurne zu gehen.

lacher am rande 19.09.2013 - 08:47:58

@MOZ

Immer schön die Löschtaste gedrückt halten. Wenn sich schon der Herr Gernot Schmidt über einen Werbespot selber unmöglich macht, muß es doch erlaubt sein da noch ein Sahnehäubchen drauf zu setzen.

Lacher am rande 19.09.2013 - 08:03:26

Wie man sich doch selber zum Affen machen kann

Vielleicht gehen mal die Politiker in die Lehre (Leere) von Herrn Schmidt. Der Mensch soll ja vom Affen abstammen. Damit wäre dann die Entwicklungstheorie von Darwin wiederlegt.............vom Niederen zum Höheren. Danke Herr Gernot Schmidt.

Leser 19.09.2013 - 07:29:54

@ Sherlock & Hoppe

Weiterbildung: http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunalaufsicht

lupo 19.09.2013 - 07:24:33

@ Helmut

Wenn dem Herrn Schmidt tatsächlich eine "Unbedenklichkeitsbescheinigung" durch die Kommunalaufsicht des Potsdamer Innenministerium ausgestellt wurde, dann wundert das auch nicht. Schließlich stellt seine Partei mit den gewendeten SEDlern die Regierung. Und die wollen mit allen Mitteln an der Macht bleiben. Vielleicht kann der Wähler hier in MOL aber auch dem Landrat am Sonntag mal sein "Verfallsdatum" bescheinigen? Über 20 Jahre immer nur SPD ist nicht nur stinklangweilig, sondern auf Dauer auch tödlich für die politische Sensibilität der Bürger. Außerdem macht es die politischen Akteure nicht nur träge, sondern auch selbstherrlich. Und so wundert es auch nicht, wenn in MOL hinter den SPD Kulissen ein Geflecht von Parteibuchträgern besteht, die außerhalb des Parlamentarismus die Strippen ziehen. - Übrigens, ist Ihnen schon aufgefallen, dass Sie hier der Einzige sind der für den Herrn Schmidt wirbt?

Sherlock 19.09.2013 - 00:16:33

lesen bildet ...

dann fange doch mal an es zu lernen lieber Helmut nicht aufgeben, irgendwann klappt es schon

Helmut 18.09.2013 - 23:03:52

Lesen bildet liebe CDU Fans

und das an "Horst Hoppe" ich denke weniger das dem Landrat aus MOL die Kommunalaufsicht des Innenministeriums in Potsdam unterstellt ist. Aber genau das ist das Problem wer die Fakten nicht kennt sollte nicht los schreien.

Peter 18.09.2013 - 22:55:26

Test

Löschtest

Horst Hoppe 18.09.2013 - 22:53:57

@Helmut:

Die Kommunalaufsicht hat die Unbedenklichkeit festgestellt? Lustig, denn die untersteht auch Landrat Schmidt, da sie Teil seines Landratsamtes ist. Vor Gericht würde man sowas ein parteiisches Gutachten nennen, da es nicht unabhängig ist. Schmidt hat auch in der Vergangenheit keine Probleme damit gehabt, sich von den ihm unterstehenden Verwaltungsapparat Sachen so zurechtbiegen zu lassen, daß es ihm paßte. Schmidts Vorteile liegen nicht etwa in seinen Fähigkeiten oder der Güte seiner Arbeit, sondern darin, daß viele Brandenburger zu bequem sind, sich tiefgründiger mit solchen Personalien auseinanderzusetzen und der Einfachheit halber am liebsten an dem festhalten, was schon da ist. Der neue Landrat wird auch der alte sein und er wird dann noch ein wenig selbstgefälliger daherkommen und auf keinem Zeitungsfoto fehlen.

Karl Eduard von Schnitzel 18.09.2013 - 20:44:29

Ein gutes Produkt braucht keine Werbung

Ein SPD Landrat wohl eher. Da hat wohl jemand Angst vor der Wahl.

Karl Eduard von Schnitzel 18.09.2013 - 20:37:51

Ein gutes Produkt braucht keine Werbung

Ein SPD Landrat wohl eher. Da hat wohl jemand Angst vor einer Wahl.

Helmut 18.09.2013 - 19:40:28

CDU Blödsinn

Auf so etwas kann nur die CDU kommen, es mag ja ungeschickt sein,aber verboten ist es nicht, wie ja nun auch von der Kommunalaufsicht bestätigt wurde. Was wollen die Herren eigentlich,selber nichts vorweisen können und nun die anderen schlecht machen. Wenn die genannten das nun als Privatperson äußern dürfen Sie auch das aus Prinzip nicht für den Landrat oder wie?

Leser 18.09.2013 - 14:16:50

Oh Schreck!

Ist denn keiner der Interviewpartner zu den Aussagen vor laufender Kamera gezwungen oder genötigt worden? War das Lob für den Landrat am Ende ehrlich gemeint? Stehen die kommunalen Einrichtungen wirklich so gut da? Verdienen die Kliniken am Ende sogar Geld? Wie kann ein Landrat solche Informationen nur in einen Wahlwerbespot packen? Für mich bleibt da nur eine Schlußfolgerung - am Sonntag Schmidt wählen! (-:

knut 18.09.2013 - 12:55:11

Wahlkampf mit unlauteren Mitteln

Damit dürfte sich wohl der Landrat im Vorfeld der Wahlen einen Bärendienst erwiesen haben. Allerdings zeigt dieser Fall auch auf, welcher SPD-Filz hier vorhanden ist. Bleibt zu hoffen, dass die Wählerinnen und Wähler das am Wahlsonntag auch entsprechend honorieren.

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