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Am Scharmützelsee kämpfen Sauna-Meister aus 18 Nationen um den Weltmeistertitel

Aufguss mit Showeinlage

Sauna-Aufguss-WM bei Satama in Wendisch Rietz: Robb Kaiser mit seinem spektakulären Aufguss
Sauna-Aufguss-WM bei Satama in Wendisch Rietz: Robb Kaiser mit seinem spektakulären Aufguss © Foto: moz
Maria Neuendorff / 21.09.2013, 08:04 Uhr - Aktualisiert 21.09.2013, 18:03
Wendisch-Rietz (MOZ) Dass der Gang in die Sauna nicht nur gesund, sondern auch aufregend sein kann, beweist die Aufguss-WM am Scharmützelsee. Im Satama-Park zeigen bis Sonntag die besten Sauna-Animateure ihre Shows und kämpfen um den Weltmeistertitel.

 

Immer, wenn der Gong ertönt, zieht die Schar in weißem Frottee in das große Sauna-Theater. 160 Männer und Frauen lassen Bademäntel und Handtücher fallen und versammeln sich auf den Holzbänken um den großen offenen Ofen. Das Licht wird gedämmt, bis nur noch die Ofen-Ränder lila leuchten. Eine langhaarige Schönheit im blauen Kleid wiegt sich anmutig im Takt zur Geigenmusik, lässt zwei Handtücher kreisen, die in immer neuen Farben leuchten.

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Sauna-WM in Wendisch-Rietz

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Mal wie ein Adler, mal schmetterlingsgleich kreist Lone Ussing Elmström, Aufgussmeisterin aus Dänemark, um den mit Steinen gefüllten Ofen. Eine Performance, ähnlich dramatisch wie die Kür beim Eiskunstlaufen. Theatralisch schüttet Elmström Wasser auf die Teufelsglut und zaubert Türme aus Crushed-Ice auf die Steine. Maximal fünf Liter Wasser stehen ihr dafür zur Verfügung. Die Temperatur steigt stetig.

Gemeinsam schwitzen: Sauna-WM in Wendisch-Rietz
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"Denken Sie daran, dass nur gesund ist, was Ihnen gut tut", hat vor der Show die Ansagerin gemahnt. Das Verlassen des Raumes ist jederzeit erlaubt, das Wiedereintreten während der Aufguss-Show, die nicht länger als 15 Minuten dauern darf, dagegen nicht. Doch es bleiben alle sitzen, bis die Traumzauberfee, ihr langes Haar klebt inzwischen am verschwitzten Körper, den Dolch aus dem Schatzkästchen holt und den Meeresgott ersticht. Dann sinkt sie selbst nieder. Applaus brandet auf. Für eine Zugabe aber haben weder die Künstlerin noch die Zuschauer die Puste. Durch vier Türen der Arena strömen die Nackten zu den Duschen in den Garten und lassen neuen Sauerstoff in die Arena.

Draußen vor den Türen des Resorts in der ruhigen Strandstraße von Wendisch Rietz bei Bad Saarow deutet nichts darauf hin, dass hier vier Tage lang 34 Aufgussmeister und 17 Teams aus 18 Nationen um den Weltmeistertitel wetteifern. Wer als Außenstehender die Welt des Sauna-Theaters betreten will, muss 69 Euro für den Tag entrichten. Schmale Gänge führen auf die unerwartet große Anlage mit römischem Dampfbad, Märchensauna und sibirischer Banja. Im Pool auf der mit Birken gesäumten Wiese tummeln sich nackte Aufguss-Künstler aus Tschechien, Österreich, Italien, Kanada, Kolumbien und Kenia gemeinsam mit normalen Gästen. Drumherum nur Menschen in weißen Bademänteln, ob im Restaurant, auf den vielen Liegen oder an der Open-Air-Bar.

Auch die Chefin des Hauses ist den ganzen Tag in Frottee gehüllt. Mit der WM hat sich Susanne Du Chesne einen Traum erfüllt. 1,2 Millionen Euro hat das Sauna-Theater gekostet. "Es ist erst vor kurzem fertig geworden, das ist jetzt quasi die Feuertaufe", sagt die 42-Jährige. Da solch riesige Sauna-Anlagen weltweit sehr selten sind, sei es nicht schwer gewesen, damit die WM nach Oder-Spree zu holen, die in den vergangenen zwei Jahren in Südtirol ausgetragen wurde.

Um teilzunehmen, hat Rob Keyzar pro Woche dreimal trainiert. "Meistens trocken" sagt der 48-jährige Computerfachmann aus Holland. Für ihn ist das Show-Aufgießen Zweitjob und Sport zugleich. "Früher habe ich Handball gespielt, nun schwitze ich eben auf diese Weise." Für seine Rolle als Lumberjack-Man schlüpft er auch bei 90 Grad ins rotweißkarierte Baumwollhemd. Doch aus der Kettensäge, die er zu Beginn seiner Show noch bedrohlich vor dem Publikum schwingt, tröpfelt am Ende nur harmloses Wasser. Der Aufguss-Gag zu Monty-Python-Musik kommt bei Publikum und Jury gut an. Sie können Punkte auf einer Skala von eins bis zehn vergeben. "Bewertet werden die Wedeltechnik, die Verteilung der Hitze, die Kombination von bis zu drei Düften und die Dramaturgie der Show", erklärt Susanne Du Chesne. Die Jurymitglieder wechseln sich ab, 16 Saunagänge am Tag seien auch für den härtesten Wellness-Fan nicht zu schaffen. Sie selbst hat sich heute zehn Shows angesehen. "Das geht nur mit viel Traubenzucker, Apfelschorle und nicht zu viel Aperol."

Das eine oder andere Bier steht trotzdem schon nachmittags auf den Tischen im Restaurant, in das die Shows per Kamera übertragen werden. Der Lumberjack-Man hat, nachdem er poetisch die Aura des Nordlichts beschworen hat, inzwischen Partymusik auflegen lassen. Die Techniker im Backstage-Bereich setzen ihn mit Licht und Ton in Szene.

Dass sie einmal derartig aufrüsten würden, hätte Susanne Du Chesne nicht gedacht, als sie vor zwölf Jahren den Sauna-Park eröffnete. "Mein Mann hatte einen harten Job bei einem Lebensmittelkonzern und ich in der Immobilienbranche." Ein Freund habe sie damals überzeugt, mit ihm gemeinsam eine kleine Wellness-Landschaft am Scharmützelsee zu bauen. "Das Ergebnis war zwar wunderschön, aber keiner kam, irgendwie hatten wir das Marketing vergessen", erinnert sich die Immobilienkauffrau. Doch sie hielten durch, machten Werbung, erweiterten die Öffnungszeiten, bauten immer wieder an. Heute ist aus der Sauna mit vier Angestellten ein Resort & Spa mit zehn Saunen, 14 Behandlungsbecken und 150 Betten geworden.

Auch viele der inzwischen 100 Mitarbeiter betätigen sich gerne als Wedel-Champs und Show-Aufgießer. Farid Atai, der als Servicekraft im Restaurant arbeitet, hat seinen Auftritt schon hinter sich. "In meiner Show spielte ich den Prinz von Persien, der sich auf eine gefährliche Reise begibt", berichtet der 25-Jährige stolz. Dazu lief der gebürtige Afghane sogar über glühende Kohlen. Sehr zur Aufregung seiner Chefin: "Die Show war so gut, dass ich noch eine Stunde danach Herzklopfen hatte."

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