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Bauernpräsident will "Kranich-Managementplan"

Wer weit fliegt, braucht auch etwas zu fressen. Viele Bauern klagen über die Schäden durch Kraniche.
Wer weit fliegt, braucht auch etwas zu fressen. Viele Bauern klagen über die Schäden durch Kraniche. © Foto: dpa
Gudrun Janicke / 20.10.2013, 09:50 Uhr
Potsdam (DPA) Der imposante Anblick der rastenden Kraniche verzückt Naturliebhaber. Den enormen Appetit der Vögel beäugen hingegen Brandenburger Landwirte kritisch. Sie fürchten um Erträge.

Kraniche machen derzeit auf dem Zug in den Süden Station in Brandenburg. Etwa 300 000 der geschützten Vögel werden erwartet. Sie wollen sich ausruhen, aber auch ausgiebig futtern - am liebsten Mais oder Getreide. Bei einigen Bauern - auch in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern - liegen die Nerven blank. Der Präsident des Brandenburger Landesbauernverbandes Udo Folgart brachte sogar das Wort "Abschuss" mit ins Spiel und erntete dafür Kritik. "Erste Maßnahme sollte ein Managementplan sein", sagte Folgart in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Frage: Herr Folgart, zunächst die Frage: Was haben Sie als Landwirt und Landesbauernverbandschef gegen Kraniche? Warum stören Sie die Vögel?

Antwort: Ich habe nichts gegen Kraniche. Es sind majestätische Vögel, die europaweit strengstens geschützt sind. Es gibt aber immer mehr Hinweise von Landwirten, die auf Schäden durch Zugvögel an ihren Aussaaten aufmerksam machen. Da muss etwas getan werden. Damit meine ich aber nicht Abschuss und Dezimierung.

Frage: Die rastenden Vögel sind ein Magnet für Tierfreunde und Touristen. Freuen sich auch die Landwirte darüber?

Antwort: Zur Kulturlandschaft gehören alle dort lebenden Pflanzen und Tiere. Die Zahl bestimmter Tierarten nimmt jedoch zu. Bemerkt ein Landwirt in der Uckermark, der 50 Jahre dort zu Hause ist, immer mehr Kraniche, deutet sich ein Problem an. Pro Hektar entstehen Schäden zwischen 200 bis 250 Euro. Teilweise ist ein Totalausfall zu verbuchen.

Frage: Was kann man tun?

Antwort: Die Tiere sollen andere Futterstellen anfliegen und die Reste von abgeernteten Flächen fressen. Aber das Ablenkmanöver gelingt nicht. Ein Getreidefeld ist schmackhafter. Das ist eigentlich verständlich.

Frage: Wie können künftig Konflikte zwischen Mensch und Tier vermieden werden?

Antwort: Brandenburger Landwirte stehen mit dem Problem nicht allein da. Auch die Kollegen in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern haben damit zu tun. Unklar sind derzeit Entschädigungen, auf die es eigentlich einen Rechtsanspruch gibt. Die Länder müssten das aber kofinanzieren. In Brandenburg gibt es beispielsweise keine Regelung. Der Deutsche Bauernverband will untersuchen, wie das Thema in den europäischen Nachbarländern angegangen wird und es noch einmal in Brüssel platzieren. Von dort sollte Geld zur Verfügung gestellt werden. Ein Managementplan könnte dann für mehr Klarheit sorgen.

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