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Fakten statt Hysterie auf Stammtischniveau

Jörg Schreiber
Jörg Schreiber © Foto: Jürgen Paulig
29.12.2013, 18:00 Uhr - Aktualisiert 29.12.2013, 18:07
(MOZ) Manchmal hat man so etwas wie ein Deja-vu. Kurz vor dem 1. Januar werden wieder Befürchtungen vor einer massenhaften Einwanderung armer Osteuropäer laut - so wie schon 2011. Ging es vor knapp drei Jahren um die Angst vor einer massenhaften Zuwanderung billiger Arbeitskräfte aus Polen, so dreht sich die Diskussion diesmal um Hunderttausende von Rumänen und Bulgaren, die nach Deutschland kommen könnten, um hier von Sozialleistungen zu leben.

Sicherlich sind die Sorgen nicht ganz unbegründet. Schon jetzt gibt es in einigen Städten wie Duisburg oder Dortmund ganze Wohnblocks mit Menschen aus den beiden südosteuropäischen EU-Staaten. Auch in der früheren Berliner Eisfabrik hausten seit zwei Jahren Dutzende Bulgaren wie Obdachlose. Das weckt Ängste, dass an jeder Ecke solche Camps entstehen könnten.

Es ist klar, dass man solche Probleme lösen muss und die betroffenen Kommunen Unterstützung brauchen. Daraus aber in eine Hysterie zu verfallen, wie sie jetzt von der CSU geschürt wird, die den Zugang von Zuwanderern aus EU-Staaten in das deutsche Sozialsystem massiv erschweren will, ist wenig hilfreich. Das weckt nur Fremdenhass - zumal damit Südosteuropa auf ein reines Armenhaus reduziert wird. Dabei gibt es dort durchaus auch viele Fachkräfte. Experten warnen vor unverantwortlicher Stimmungsmache.

Wir müssen in der Diskussion wegkommen vom Stammtischniveau und wieder stärker die Fakten in den Mittelpunkt rücken. Schon heute leben weit über 300 000 Bulgaren und Rumänen in Deutschland. Viele sind qualifizierte Fachkräfte wie Ärzte, Ingenieure oder Spezialisten, die angesichts des Fachkräftemangels gebraucht werden. Und die Arbeitslosigkeit unter den hier lebenden Bulgaren und Rumänen ist geringer als im Durchschnitt der Ausländer.

Experten rechnen auch für 2014 nicht mit einer massenhaften Zuwanderung aus den beiden Ländern. Zumal es die meisten der auswandernden Südosteuropäer in wärmere Gefilde wie Italien und Spanien zieht. Alles deutet also tatsächlich auf ein Deja-vu hin: Auch 2011 hatten sich die wilden Prognosen über massenhaft einwandernde Polen bei weitem nicht bewahrheitet - es kamen nur wenige Zehntausend nach Deutschland.

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ludwig pohland 30.12.2013 - 17:53:35

"...Südosteuropa auf ein reines Armenhaus reduziert wird. Dabei gibt es dort durchaus auch viele Fachkräfte."

Ganz recht, denn nur darum geht es. Es gilt durch Selektierung der Zuwanderer die mit einer guten Ausbildung für den deutschen Arbeitsmarkt Verwertbaren heraus zu filtern, die in ihren Heimatländern eigentlich für deren wirtschaftlichen Aufbau eben so dringend benötigt werden. Und dazu zählen gewiss nicht Altenpfleger. Das Ganze kann man getrost als Ausplünderung der personellen Recourcen der neuen EU-Mitgliedsländer, oder als moderne Form des Kolonialismus im 21. Jahrhundert bezeichnen.

Zweifler 30.12.2013 - 17:16:57

Zweifel bleiben...

Man darf doch wohl angesichts des ökonomischen Gefälles beider Staaten so seine Zweifel haben. Es werden händeringend Fachkräfte für die Sozialberufe aus Rumänien gesucht. Sprachprobleme inklusive. Bei 3 Millionen Arbeitslosen in D ist das nicht nur mir schwer zu vermitteln. Und ich habe noch nicht einmal Vorurteile. Ich habe in Berlin die 500 derzeitigen "Fachkräfte" bzw. die fast ebensoviel existierenden "Reinigungsfirmen" mit Aufstockung gesehen. Frau G... hat sogar von ihrem ehemaligen Vorarbeiter im landwirtschaftlichen Betrieb die Bescheinigung einer Lehrerstelle bekommen. Mit Stempel und 2 Unterschriften. Ein guter Start bei der Einstufung zum Arbeitslosengeld...

Steffen Michael 30.12.2013 - 17:06:56

Nichts als alte Fakten!

Die Ausgangssituation der Rumänen und Bulgaren ist heute eine ganz andere. Mit Initierung der Arbeitnehmerfreizügigkeit für unsere polnischen Nachbarn suchte damals ganz Europa Fachkräfte. Das hat sich mit der Finanz- und anschließenden Wirtschaftskrise leicht erkennbar geändert. Es ist einfach, der CSU erzkonservatives Gedankengut und Hysterie zu unterstellen. Wenn man im wohlbehüteten Berlin lebt, sieht man die Wirtschaftsflüchtlinge nicht, welche nahezu täglich auf der BAB 8 aus Österreich kommend angehalten werden. Auch eine Maut führt in Berlin eher zu einer Diskussion der Wirtschaftlichkeit als zu einer Frage der Gerechtigkeit. Mautpflichtige Anrainerstaaten gibt es ja nur im Süden Deutschlands, weit weg. Für mich kleinstaatliches Denken.

Geschädigter 29.12.2013 - 18:56:30

Aber zu der Friseuse

aus Rumänien gehe ich trotzdem nicht mehr ! Die hat mich überhaupt nicht verstanden und meine Frisur sah aus wie beim Ziegenpeter der von der Heidi ! Nein dazu könnt Ihr mich nicht zwingen, Nein, nein !

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