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Soldaten-Alptraum Schwedt: Buch sammelt Zeitzeugenberichte

26.01.2014, 11:55 Uhr - Aktualisiert 26.01.2014, 14:42
Schwedt (DPA) Schwedt war das einzige Militärgefängnis der früheren DDR. Mit harter Arbeit und militärischer Ausbildung sollten junge Soldaten wieder "auf den rechten Weg" gebracht werden. In einem Buch berichten jetzt Zeitzeugen von der gefürchteten Einrichtung.

 

Schon kleine Vergehen genügten, um sich ein paar Wochen Schikane einzuhandeln: "... sonst kommst du nach Schwedt!". Diese Drohung habe fast jeder Soldat der Nationalen Volksarmee (NVA) gekannt, sagte Arno Polzin von der Bundesbehörde für Stasi-Unterlagen der Nachrichtenagentur dpa. Er ist Mitherausgeber des Buches "Der DDR-Militärstrafvollzug und die Disziplinareinheit in Schwedt (1968-1990)", in dem 16 Zeitzeugen von ihrem Schicksal erzählen. Die beiden anderen Herausgeber, Paul Brauhnert und Ilja Hübner, sind ehemalige Häftlinge.

 

Nach Schwedt konnte man ohne Gerichtsurteil geschickt werden, erklärt Polzin. Kommandeure konnten auf eigene Faust Disziplinarstrafen von bis zu drei Monaten aussprechen, schon für "unerlaubtes Entfernen von der Truppe". Haft bis maximal zwei Jahre verhängte ein Militärgericht. "Ziel war, die Leute anschließend wieder in die Armee zu integrieren."

 

Dafür wurden die Insassen - viele von ihnen junge Wehrpflichtige - einer Kombination aus harter Arbeit und straffer militärischer Ausbildung unterworfen. Die begann schon in aller Frühe vor der Arbeit. Gearbeitet wurde in Produktionsstätten auf dem Gelände oder in umliegenden Betrieben. "Die Kombination von Kommandoton, Freiheitsentzug und schwerer Arbeit wurde als sehr demütigend empfunden", so der Autor. Informationen über körperliche Übergriffe habe man dagegen bislang kaum gefunden, auch nicht über Suizide. Die in Schwedt verbrachte Zeit musste später nachgedient werden.

 

Zeitzeugen haben die Herausgeber des Buches über ein Internet-Forum gefunden, in dem sich ehemalige Inhaftierte und einige Mitarbeiter austauschen. Geplant ist ein Fortsetzungsband - dort soll unter anderem berichtet werden, wie es den Männern heute geht.

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