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Viele Schüler in Brandenburg beklagen Dauerstress / Stimmen für Verlängerung der Schulzeit mehren sich

Eltern fordern Abi nach 13 Jahren

© Foto: dpa
Mathias Hausding / 20.02.2014, 20:30 Uhr
Potsdam (MOZ) Nachdem in fast allen Bundesländern die Schulzeit bis zum Abitur verkürzt wurde, drehen nun viele Landesregierungen die Uhren zurück. Der Landeselternrat in Brandenburg fordert ebenfalls Korrekturen.

Niedersachsen will weg vom "Turbo-Abitur" nach zwölf Jahren, Hessen hat den Schritt schon hinter sich, und in Bayern läuft das Volksbegehren für eine Wahlfreiheit zwischen dem kurzen und dem längeren Weg zum Abitur. Hintergrund sind massive Beschwerden von Familien über Dauerstress und Überlastung der Schüler, da mit Verkürzung der Abiturzeit die Lehrpläne kaum verändert wurden, also nun der gleiche Stoff in kürzerer Zeit vermittelt wird.

Auch in Brandenburg, wo seit 2006 an Gymnasien das Abitur nach zwölf Jahren erlangt wird, gibt es Klagen. "In der 11. Klasse kommen die Jugendlichen kaum zu Freizeitaktivitäten, der Druck auf die Psyche ist oft hoch. Das ist nicht gesund", warnt Wolfgang Seelbach, Sprecher des Landeselternrats. Er begrüßt deshalb den Trend in den anderen Ländern und erhofft sich davon eine Belebung der Debatte in der Mark.

"Eltern brauchen ein Wahlrecht", findet er. Dies gebe es zwar grundsätzlich in Brandenburg, da an Gesamtschulen und Oberstufenzentren weiterhin nach 13 Jahren die Hochschulreife erlangt wird. Aber die Option bestehe nicht flächendeckend. "Die wenigen Gesamtschulen sind meist völlig überlaufen. Auch daran sieht man, dass viele Eltern für ihre Kinder den längeren Weg zum Abitur bevorzugen", argumentiert Seelbach. In Brandenburg gibt es derzeit 99 Gymnasien, 33 Gesamtschulen und 16 OSZ.

Ziel müsse laut Elternrat sein, dass die Familien in jeder Stadt die Wahl haben, welchen Weg ihr Kind wählt. Konkret schlägt Seelbach vor, entweder den einzelnen Gymnasien die Wahl zu lassen, ob sie das Abitur nach zwölf oder 13 Jahren anbieten oder aber dafür zu sorgen, dass Eltern sogar an der Schule wählen können. Für diese Option spricht sich auch die Grünenfraktion im Landtag aus. "Die Reise sollte dahin führen, dass der Unterricht modulartig so aufgebaut ist, dass es an jeder Schule zwei Wege zum Abitur gibt", sagt Bildungsexpertin Marie-Luise von Halem. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion Thomas Günther hingegen lehnt Korrekturen ab. Diese würden nur Unruhe in die Schullandschaft bringen.

Im Bildungsministerium hält man indes Veränderungen für denkbar. Sprecher Stephan Breiding räumt ein, dass der Leistungsdruck an Gymnasien hoch und viele Gesamtschulen überlaufen seien. Aber noch seien ihm keine Massenproteste von Eltern gegen das jetzige System bekannt. Hoffnungen auf eine "Entschlackung" der Lehrpläne erteilte er eine Abfuhr, da man sich wegen der besseren Vergleichbarkeit für bundesweit ähnliche Standards entschieden habe. (Kommentar Seite 2)

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Kindesvater 23.02.2014 - 19:27:25

Abitur nach 12 Jahren

Es ist schon traurig anzusehen, wie in Deutschland jedes Bundesland Bildungspolitik macht. Jedes Land macht das, was es nach politischer Meinung für richtig hält. Von Einheitlichkeit in der BRD und einem durchlässigen Bildungssystem ist nicht zu spüren. Wer umzieht und seine Kinder einschult kann ein Lied davon singen. Nun will auch der Elternrat in Brandenburg mitmachen und etwas neues probieren anstadt den Lehrplan zu entschlacken. Es gibt kein Land in Europa, wo so ein durcheinander herscht.

sven maier 21.02.2014 - 17:52:23

Nachfrage

Waren es nicht die ostdeutschen Bundesländer, welche die 12 Klassen-EOS zurückhaben wollten und sich gegen 13 Schuljahre streubten. DDR-Lehrer lobten und propagierten die 12 Schuljahre. Nun das Umdenken. Die ehemaligen DDR-Lehrer sollten sich an uns und unseren Kindern entschuldigen, dass sie diese Sackgasse und psychische ,wie physische Belastung an uns verbrochen haben.

Nurmut 21.02.2014 - 14:23:12

Eltern fordern Abi nach 13 Jahren

@Max B., zutreffender Kommentar. Nicht wenige erkennen mittlerweile die Zusammenhänge dieses Gesellschaftssystems, indem der Mensch zum Kostenfaktor degradiert ist. Freiheit sieht anders aus. „Vernunft der Schule- Die Schule hat keine wichtigere Aufgabe, als strenges Denken, vorsichtiges Urteilen, konsequentes Schließen zu lehren: deshalb hat sie von allen Dingen abzusehen, die nicht für diese Operationen tauglich sind, zum Beispiel von der Religion. Sie kann ja darauf rechnen, dass menschliche Unklarheit, Gewöhnung und Bedürfnis später doch wieder den Bogen des allzustraffen Denkens abspannen. Aber so lange ihr Einfluss reicht, soll sie Das erzwingen, was das Wesentliche und Auszeichnende am Menschen ist — "Vernunft und Wissenschaft des Menschen allerhöchste Kraft" — wie wenigstens Goethe urteilt.“ Friedrich Nietzsche, in Menschliches, Allzumenschliches Teil 1

egal 21.02.2014 - 12:19:01

unter derzeitigen UMständen

bin ich für ein Abi nach 13 Jahren, allerdings war meines in der DDR auch nicht so mies. Man sollte mal den Stoff ausmisten

Wolfgang Seelbach 21.02.2014 - 10:16:42

Petition gibt es bereits

Liebe "Mutti", danke für die Unterstützung. Es gibt eine Petition von Robert Rauh und anderen, die ich Ihnen ans Herz legen möchte. Mehr dazu unter http://www.landesrat-der-eltern-brandenburg.de/themen/10-punkte-reform-robert-rauh/ MfG Wolfgang Seelbach

Mutti 21.02.2014 - 08:06:00

Abitur in 13 Schuljahren - ich bin dafür!!!

Ich kann mich dem Kommentar von Max. B. nur anschließen. Es gibt heutzutage für jeden Mist Petitionen, hier wäre jetzt tatsächlich eine angebracht. Liebe Elternvertreter, macht euch stark für unsere Kinder, dass schnellstmöglich wieder das Abitur in 13 Schuljahren abgelegt werden kann. Man hat im Leben noch genug Leistungs- und Arbeitsdruck, da muss nicht noch künstlich welcher erzeugt werden.

Max B. 21.02.2014 - 05:16:24

...na endlich

hat man ein einsehen!! Was hier an den Jugendlichen verbockt wird geht einfach nicht. Man raubt ihnen soviel Freizeit und prügelt sie teilweise in wahnwitziger Geschwindigkeit durch den Lernstoff, ganz gleich ob dieser dann verstanden wurde oder nicht. Wofür das Ganze? Nur um schneller willige Arbeitskräfte auf dem Markt zu haben, die dann noch länger und noch mehr für das marode System schaffen. Das Jahr Wehrpflicht wurde erlassen, das 13te Jahr Schule wurde erlassen, macht bei einem Jungen = 2 Jahre früher Einstieg ins Arbeitsleben, heißt 2 Jahre früher Abgaben leisten und den Staatsapparat finanzieren. Wir brauchen aber gut ausgebildete Fachkräfte und das erreichen wir nur, wenn die Bildung bereits im Abitur wertig und nicht wie derzeit durchgeprügelt ist.

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