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Wohnungsunternehmen setzen zunehmend auf Sozialmanagement / Land führt Statistik ein

Vermieter wollen Räumungen verhindern

Henning Kraudzun / 26.04.2014, 13:23 Uhr
Potsdam (MOZ) Mit einem Sozialmanagement versuchen Wohnungsunternehmen, drohende Zwangsräumungen zu verhindern. In Potsdam zeigt diese Strategie erste Erfolge. Brandenburgweit werden jährlich jedoch Hunderte Mieter auf die Straße gesetzt.

Seit einigen Jahren verfolge man eine konsequente Linie, die aber dazu diene, Mietern möglichst schnell Hilfsangebote zu unterbreiten, sagte Jörn-Michael Westphal, Chef des Potsdamer Wohnungsunternehmens GEWOBA, am Freitag. So werde nach zwei säumigen Mieten ein Mahnverfahren eingeleitet, gleichzeitig würden jedoch eigene Sozialarbeiter und Ämter eingeschaltet.

So wurden 2012 und 2013 bei der GEWOBA zwar jeweils 87 Räumungen angesetzt, die Hälfte konnte jedoch abgewendet werden. Häufig springt in diesen Fällen die Stadt Potsdam ein und reicht Darlehen an Mietschuldner aus, damit diese ihre Wohnung nicht verlieren. Rund 400000 Euro waren es im vergangenen Jahr, berichtete Katja Fuchs, Leiterin der Wohnungssicherung. In Potsdam wurden im vergangenen Jahr knapp 100 Wohnungen geräumt.

Der Verlust der eigenen vier Wände sei vor allem für Familien dramatisch und bedrohe Existenzen, sagte Elona Müller-Preinesberger, Sozialbeigeordnete der Stadt. Angesichts des angespannten Wohnungsmarktes sei es für Betroffene aussichtslos, eine neue Bleibe zu finden. "Wir wollen das mit einem engmaschigen Hilfsnetz in jedem Fall verhindern."

Auch Wohnungsgesellschaften betonten, dass Zwangsräumungen immer das letzte Mittel seien. Die bei Gerichten erwirkten Maßnahmen kosteten "viel Geld und Nerven", so Hiltrud Sprungala, Geschäftsführerin des Landesverbandes Freier Immobilienunternehmen. Der Verband der Wohnungsunternehmen BBU erklärte, viele Anbieter hätten bereits ein Sozialmanagement aufgebaut.

Nach Angaben des Landesjustizministeriums führten Gerichtsvollzieher im letzten Quartal 2013 in Brandenburg 450 Wohnungsräumungen durch. Für die Zeit davor existieren keine Statistiken. Erst seit Oktober würden entsprechende Zahlen bundesweit erfasst. Daher lasse sich nicht beurteilen, ob die Zahl der Räumungen steige oder zurückgehe, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Immer wieder kommt es zu dramatischen Fällen: So verlor 2011 ein Familienvater kurz vor Weihnachten in Frankfurt (Oder) die Wohnung, obwohl er seine Schulden teilweise zurückgezahlt hatte. 2006 stürzte sich ebenfalls in Frankfurt ein Mieter beim Eintreffen des Gerichtsvollziehers aus dem Fenster. In Berlin starb 2013 eine Seniorin kurz nach der Räumung.

Alle Bevölkerungsschichten seien betroffen, auch Selbstständige rutschten immer häufiger in die Schuldenfalle, sagte Elona Müller-Preinesberger. Der Brandenburgische Mieterbund kennt Fälle, bei denen Mietern selbst bei berechtigter Mietminderung gekündigt werde. "Vor allem private Anbieter gehen resolut vor", sagte Vizechef Sepp Träthner. (Kommentar Seite 2)

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