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Abfrage bei 250 brandenburgischen Fachärzten zeigt eklatante Unterschiede zu Privatversicherten

Kassenpatienten warten erheblich länger

Ulrich Thiessen / 09.09.2013, 21:46 Uhr
Potsdam (MOZ) Kassenpatienten müssen in Brandenburg erheblich länger auf einen Arzttermin warten als Privatversicherte. Eine Telefonumfrage im Auftrag der brandenburgischen Grünen ergab bis zu einem halben Jahr Differenz, beziehungsweise 42 Arztpraxen, bei denen Kassenpatienten überhaupt keinen Termin erhalten.

Der Landesverband der Grünen hat im August nach Ferienende 250 Fachärzte anrufen lassen. Innerhalb von zwei Tagen wurde einmal als gesetzlich Versicherter und einmal als Privatversicherter mit den gleichen Beschwerden um den nächstmöglichen Termin gebeten.

In 42 Praxen wurde Kassenpatienten kein Termin gegeben, weil angeblich keine neuen Patienten mehr angenommen werden. Die gleichen Praxen vergaben an Privatpatienten jedoch zeitnah einen Termin. In einer Hautarztpraxis in Cottbus schon drei Tage nach dem Anruf.

Den gravierendsten Unterschied zwischen beiden Versicherungsformen machte ein Augenarzt in Eberswalde. Dem vermeintlichen Kassenpatienten wurde nach 180 Tagen ein Termin angeboten, der Privatpatient hätte nach 18 Tagen untersucht werden können.

Im Durchschnitt müssen gesetzlich Versicherte 24 Tage länger auf einen Termin warten. Allerdings gibt es dabei regionale Unterschiede. In Cottbus und den Nachbarkreisen beträgt die Frist 33 Tage, in Ostbrandenburg 23 Tage und in Oranienburg und dem Nordwesten Brandenburgs nur 18 Tage.

Die größten Unterschiede zwischen beiden Versicherungsgruppen machen der Abfrage zufolge mit durchschnittlich 42 Tagen Differenz die Augenärzte, gefolgt von Neurologen (34 Tage Differenz) und Hautärzten (32 Tage Differenz). Bei Kardiologen betrug die Differenz nur elf Tage. Bei 30 Prozent der Ärzte gab es gar keinen oder nur einen geringen Unterschied in Abhängigkeit von der Versicherungsform. Die Untersuchung hebt aber auch hervor, dass vier Internisten in Oranienburg und Neuruppin alle Patienten gleich behandeln.

Die Grünen verweisen in Auswertung der Umfrage auf die unterschiedlichen Honorarsätze, die bei Privatpatienten zum Teil zweieinhalb Mal höher als bei gesetzlich Versicherten liegen. Die Partei fordert deshalb eine einheitliche Bürgerversicherung nach Einkommen. Brandenburgs Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) machte am Montag die Bundesregierung für die Fehlentwicklung verantwortlich. Sie forderte eine Stärkung der gesetzlichen Krankenkassen und eine Behandlung der Symptome entsprechend.

Die Landesärztekammer gab am Montag trotz Anfrage keine Stellungnahme zu den Ergebnissen der Telefonanfrage ab. In einer Pressemitteilung vom Wochenende warnte der Vorstand der Organisation aber davor, am Nebeneinander von Privatversicherung und gesetzlicher Versicherung etwas zu ändern. Eine Einheitsversicherung würde die Gesellschaft spalten - in diejenigen, die sich zusätzliche Leistungen kaufen können, und den Rest der Bevölkerung.

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