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Ein Ort für die Jugend - zum Glück

© Foto: Matthias Lubisch
Dietrich Schröder / 17.11.2014, 22:33 Uhr
Trebnitz (MOZ) Für Verdienste um die deutsch-polnische Zusammenarbeit vergeben beide Länder alljährlich einen Preis. Am Mittwoch erhalten ihn der Verein "Schloss Trebnitz" bei Seelow und die Jugendbegegnungsstätte im früheren Konzentrationslager Auschwitz.

Zu wenige Jobs. Viele Dörfer und Städte, die deshalb unter Abwanderung leiden. Und dazu die Grenzkriminalität. Nahe der Oder gibt es - gerade jetzt im Novembergrau - nicht allzu viele Orte, die Hoffnung vermitteln. Doch das auf halber Strecke zwischen Seelow und Müncheberg gelegene Schloss in Trebnitz gehört dazu.

Erst am vergangenen Wochenende berieten hier wieder Vertreter der Landjugend aus ganz Brandenburg über neue Projekte. In der Woche zuvor redeten sich Gymnasiasten aus Seelow und Moskau nicht nur angesichts der Ukraine-Krise die Köpfe heiß. Sie schufen auch kleine Kunstwerke aus Abfällen, die sie zuvor bei einer Reinigung des Seelower Friedenswaldes zusammengetragen hatten. Wieder eine Woche davor präsentierten junge Polen, Tschechen und Deutsche filmische Interviews, die sie mit Menschen geführt haben, die in allen drei Ländern an der Oder leben.

"Deutsch-polnische Verständigung - das klingt oft so abstrakt. Wenn bei uns aber junge Leute aus beiden Ländern gemeinsam lernen, wie man ein Café betreibt, und dieses auch noch für unsere Besucher öffnen, dann ist es konkret." Das sagt Darius Müller. Der in Polen geborene Deutsche bildet mit seinem zwölfköpfigen Team aus Betreuern, Küchenkräften und technischen Mitarbeitern die gute Seele des Vereins, der das Schloss seit mehr als 20 Jahren betreibt. Ein "Oderland-Jugendrat", in dem die Teilnehmer feststellen, dass die Herausforderungen für ihr Leben beiderseits der Grenze gar nicht so unähnlich sind und viele Dinge - wie etwa die Probleme auf dem Arbeitsmarkt - miteinander verflochten sind, existiert auch seit Jahren. "Einer unserer Vorteile ist sicher, dass wir die Mentalität beider Länder kennen", sagt der 42-jährige Müller. Ohne organisatorisches Talent und das nötige Fingerspitzengefühl würde es wohl kaum gelingen, immer wieder neue, erstaunlich praktische Ideen zu verwirklichen.

Das bereits erwähnte Café etwa wird während der warmen Jahreszeit von 25 Mädchen und Jungen betrieben, die aus einer Förderschule in Seelow, einem Gymnasium in Küstrin und aus einer Einrichtung für sozial benachteiligte Kinder in Polen kommen. Allein die Tatsache, dass die Schüler und ihre Betreuer an vielen Wochenenden die nicht gerade kurze Anfahrt nach Trebnitz antreten, zeugt von dem Wert des Projekts für die Beteiligten. "Es ist eine Chance für ihre Zukunft", erfährt man. Deshalb haben sich die Jugendlichen auch den Namen "Café zum Glück" ausgedacht.

Dass der mit 20000 Euro dotierte Preis in diesem Jahr zur Hälfte nach Trebnitz geht, ist also mehr als verdient. Die andere Hälfte erhält die Jugendbegegnungsstätte im früheren deutschen Konzentrationslager Auschwitz. Die Auszeichnung wird am Mittwoch beim Deutsch-Polnischen Forum in Berlin verliehen, bei dem es unter anderem um die gemeinsame Politik beider Länder gegenüber Russland, der Ukraine und anderen östlichen Ländern gehen soll. Der seit 1991 alljährlich vergebene Preis ging bisher unter anderem an Marion Gräfin Dönhoff, Tadeusz Mazowiecki, Richard von Weizsäcker und Lech Walesa.

"Angesichts solcher Namen ist das natürlich eine große Ehre für uns", sagt Darius Müller. Um nach einer Weile nachdenklich hinzuzufügen: "Eigentlich bräuchten wir jedes Jahr eine solche Unterstützung." Denn Vorhaben für die Zukunft gibt es eine ganze Reihe. An erster Stelle steht der Wunsch, ein Netzwerk von Schulen beiderseits der Oder zu knüpfen, das die Begegnungen weiter erleichtern und verstetigen soll. Denn ein Erfolgsrezept des Vereins besteht auch darin, dass er mit seinen Ideen immer an die Bedürfnisse der Region anknüpft.

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