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Nashorn Hulk auf Wanderschaft

Andreas Wendt / 24.11.2014, 22:00 Uhr
Luckenwalde (MOZ) Ein Känguru an der A 10 bei Groß Kreutz am Montagmorgen, ein Nashorn auf einer Festwiese am Sonnabend in Luckenwalde - Brandenburg macht seinem Ruf als "wildes" Land alle Ehre. Für Tierschützer sind die Vorfälle ein Skandal.

Bei Frank Bellin in Derwitz, einem Ortsteil von Werder/Havel (Potsdam-Mittelmark), geht es exotisch zu. Da zwitschern in der Voliére Zwerg- und Goldnackenaras mit Kongo-Papageien und Schwalbensittichen um die Wette, und draußen im privaten Garten setzen Kängurus zu kleinen und großen Sprüngen an. Eines hatte am Montag offensichtlich Sehnsucht nach der Heimat im australischen Outback: An der Autobahn löste es einen Großeinsatz aus. Polizei, Tierrettungsdienst und Ordnungsamt rückten an und versuchten zu verhindern, dass es der Autobahn zu nahe kommt, doch so schnell wie es kam, hüpfte das Känguru auch schon wieder davon. Das Tier sei über eine Wiese entkommen, kommentierte die Polizei. Beim Ordnungsamt in Werder hieß es am Mittag, das Beuteltier sei noch immer unterwegs und nicht gefunden.

Das Känguru war schon das zweite Tier, das innerhalb weniger Stunden in Brandenburg für Schlagzeilen sorgte. Am Sonnabend hielt es Nashorn Hulk nicht mehr in seinen vier Gattern. Das zweieinhalb Tonnen schwere Tiere ist der Star des Berliner Zirkus "Voyage", der bis zum Wochenende in Luckenwalde (Teltow-Fläming) gastierte und jetzt auf dem Weg nach Hennigsdorf (Oberhavel) ist. Und das 34-jährige Schwergewicht ist, wie es im Behördendeutsch heißt, polizeibekannt. Denn seine gelegentlichen Ausflüge sind legendär. Am Sonnabend gingen bei der Polizei zwei Notrufe ein, weil Hulk angeblich ohne Aufsicht auf der Festwiese flanierte.

Zirkus-Sprecherin Bettina Richter weiß nicht, ob sie sich über die Aufregung um Hulk ärgern oder freuen soll. Das Nashorn ist eines von insgesamt 80 Tieren, mit denen der Zirkus durch das Land zieht. "Hulk war in Begleitung seines Tierlehrers", beteuert die Sprecherin. Die Festwiese ist natürlich dort, wo der Zirkus sein Zelt aufgeschlagen hat. Kein Grund zur Sorge, sagt Bettina Richter. "Vor einem Rottweiler muss man mehr Angst haben als vor Hulk - der ist außerdem Vegetarier", lacht sie.

Auch 2013 in Blankenburg (Sachsen-Anhalt) und 2011 in Goslar (Niedersachsen) hatte Hulk mit ähnlichen Alleingängen schon die ungeteilte Aufmerksamkeit auf sich gezogen. In Blankenburg sollte Hulk vor gut einem Jahr nach dem Essen auf dem Rasen grasen, brach aber von dort zu einem Verdauungsspaziergang durch das Stadtgebiet auf. Dass er beim Überqueren der Straße vorschriftsmäßig den Zebra-Streifen nutzte, spricht für ihn und seine Ausbildung durch Zirkusdirektor Alois Spindler.

Bei der Tierschutzorganisation PETA sieht man Hulks Ausflüge nicht ganz so gelassen wie im Zirkus selbst. "Als Fußgänger braucht man riesiges Glück, um eine Begegnung mit diesem Tier unbeschadet zu überstehen", sagt Diplom-Zoologe Peter Höffken, Wildtierexperte bei PETA. Er kann den Tieren nicht verübeln, dass sie ihren Gehegen entkommen wollen und fordert das Kreisveterinäramt auf, die Haltungsgenehmigungen zu entziehen, die Tiere zu beschlagnahmen und in Auffangstationen oder großen Zoos unterzubringen. Auch Flusspferd Jedi sei im Oktober 2011 bei einem Gastspiel in Schwerin entkommen. Die Tierrechtsorganisation dokumentiert alles: Den Ausbruch mehrerer Zebras im September dieses Jahres - und auch den Tod der schwer kranken Elefantendame Mausi im Januar 2012 nach einem mehr als zehnstündigen Transport nach Belgien, wo das kranke Tier in einen Zoo abgeschoben werden sollte.

Der Zirkus führt die Entscheidung, den an Arthrose erkrankten Elefanten an einen Zoo zu geben, auf den Druck radikaler Tierschützer zurück. Gestorben sei Mausi letztlich an einem Darmverschluss. "Die Haltung bei Voyage kann also nicht die Ursache für den bedauerlichen Tod gewesen sein", sagt Bettina Richter.

Im Vergleich zur 2011 verstorbenen Elefantendame schlagen die Wellen um Nashorn Hulk lange nicht so hoch. In Luckenwalde hat "Voyage" am Montag seine Zelte abgebrochen und lädt ab Donnerstagnachmittag in Hennigsdorf auf dem Festplatz in die Manege ein. Auch dort wird Hulk zwischen den Vorstellungen frische Luft schnuppern wollen. "Bei schönem Wetter bekommt er natürlich Freigang", kündigt die Zirkussprecherin an.

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