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Pädagogen wehren sich mit einer Online-Petition gegen neue Lehrpläne

Revolution der Geschichtslehrer

© Foto: dpa
Andreas Wendt / 21.01.2015, 19:33 Uhr
Potsdam (MOZ) Mit einer Online-Petition wollen Lehrer, Eltern, Schüler und Uni-Professoren den Entwurf des Rahmenlehrplans Geschichte für Brandenburg und Berlin kippen. Die bislang 400 Unterzeichner der Petition befürchten, dass durch die Pläne historisch notwendiges Wissen auf der Strecke bleibt. "Das Konzept ist geheim vorbereitet und wir sowie die Fachlehrer sind nicht einbezogen worden", kritisiert Günter Kolende, Vorsitzender des Verbands der Geschichtslehrer.

Der neue Rahmenplan sieht ab dem Schuljahr 2015/16 unter anderem vor, dass die Fächer Politische Bildung, Geographie und Geschichte in einem neuen, übergreifenden Fach "Gesellschaftswissenschaften" vermittelt werden sollen. So kann das neue Fach nun auch fachfremd unterrichtet werden. Selbst Eltern sehen voraus, dass die Geschichte dabei zu kurz kommt. "Es gibt jetzt schon in der 6. Klasse nur eine Wochenstunde, und davon fällt noch viel aus", sagt Unterzeichnerin Birgit Peylo, deren Sohn Malte die Grundschule Bad Saarow (Oder-Spree) besucht.

Kritisiert wird darüber hinaus, dass in den Klassen 7 und 8 Geschichte künftig nur noch nach Längsschnitten und nicht mehr chronologisch unterrichtet werden soll. Die Beurteilung der Gegenwart sei so kaum möglich. Von zwölf Themen müssten lediglich vier abgearbeitet werden. "Das führt zu weiteren weißen Flecken im Geschichtsverständnis", warnen die Unterzeichner der Petition. Ganze Themenfelder würden wegfallen, sagt Kolende vom Verband der Geschichtslehrer. "Da kann es durchaus passieren, dass ein Schüler bis zu seinem Abitur noch nie etwas von der Französischen Revolution gehört hat." Die schon bis November 2014 über 850 Quereinsteiger für alle Schulformen hätten bereits die Tendenz und das Problem der Entprofessionalisierung des Unterrichts an Brandenburger Schulen verdeutlicht.

Initiator der Aktion ist der Berliner "Lehrer des Jahres 2013", Robert Rauh. Ende März, wenn das Anhörungsverfahren zum Entwurf des Rahmenlehrplans endet, wolle man die Petition Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) sowie der Berliner Bildungssenatorin übergeben - in der Hoffnung, damit Korrekturen zu erzwingen.

In Potsdam ist die Kritik des Geschichtslehrerverbandes nicht neu. "Alle Äußerungen, Kritiken und Vorschläge werden anschließend geprüft. Das gilt natürlich auch für Geschichte, Erdkunde und politische Bildung - die Gesellschaftswissenschaften", erklärt Florian Engels, Sprecher des Bildungsministeriums. Das neue Unterrichtsfach könne, betont er, sehr wohl in den letzten beiden Jahren der Grundschule fächerübergreifend Kompetenzen vermitteln.

www.schul-gerecht.de

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Frank 22.01.2015 - 16:56:36

Es geschah am hellichten Tag

so etwa Ende der 90'er verschafften sich allerlei Quatschköpfe zunehmend Gehör bei unseren sparwütigen Bildungspolitikern, die irgendwas davon faselten dass heutzutage Wissen immer schneller veraltet und deshalb das Lernen von Faktenwissen unnütz sei. Und zudem steht ja alles im Internet abrufbar. Man solle doch lieber die Fähigkeit schulen, die Lösung eines Problems recherchieren zu können, wo sie irgendwo niedergeschrieben ist. Der ideologische Begriff "Kompetenz" war schnell gefunden und als Feindbild wurde das Faktenwissen erkoren und madig gemacht. Schnell wurden auch Lehrpläne verändert - es traten zunehmend Labersülz-Fächer, Projektwochen und andere Hirngespinste an die Stelle der naturwissenschaftlichen Fächer. Wir müssen uns nicht wundern, dass Berlin und Brandenburg bei PISA hinten liegen. Wir müssen uns nicht wundern, wenn zB Medizinstudenten mit Multiple-Choice-Tests überfordert sind, weil sie in der Schule aus ideologischen Gründen nie damit in Berührung gebracht wurden. Nach dem erfolgreichen Zurückdrängen der MINT-Fächer soll nun also der Geschichtsunterricht dran glauben. Steht ja schließlich alles bei Bolschewiki-Pedia zum Nachlesen. Wozu sollen Kinder heutzutage eigentlich noch in die Schule? Durch deren Abschaffung könnte man nochmal so richtig Geld für den BER freischaufeln.

ludwig pohland 22.01.2015 - 15:31:05

Frank hat ganz Recht

Wenn unseren Kindern nur noch bruchstückhaft und vielleicht noch aus subjektiver Perspektive nicht dafür qualifizierten Lehrpersonals die Geschichte vermittelt werden soll, dann fragt man sich schon, mit welchem Rüstzeug sie in die Gegenwart und Zukunft von der Schule entlassen werden. Schließlich ist jedes Gesellschaftssystem kritisch zu hinterfragen. Aber bei der Brandenburger Regierung kann einen schon kaum noch etwas erschüttern. Die Multifunktionäre der Parteien auf den Ministersesseln können heute Soziales, morgen Bildung, übermorgen Justiz und Wirtschaft und überübermorgen Innenminister und Ministerpräsident. Nicht die Befähigung zählt, sondern sie wird ausgewürfelt.

Christoph 22.01.2015 - 06:19:53

tatsache

ist natürlich das selbst zu meiner zeit 2002 im Geschichtsfach nicht all zu viel wissen vermittelt wurde kurze anschnitte zu wenig bewegende Punkte die einen Geschichtsrelevanten ausgang der Weltgeschichte aufzeigen und begründen warum heute 2015 unsere Welt so ist wie sie ist allerdings DDR Geschichte ein Kapitel Brandenburgs wurde umfassend bearbeitet. alles in allem überlässt man den Kindern im heutigen Digitalen Zeitalter sich selbst mit " suche und finde " Internet sei dank . Ich würde zugerne einmal mäuschen in den 7-10 Klassen spielen um mal zu prüfen wie gut die Lehrer welchen relevanten stoff wie lang behandeln, so das eine differenzierte sicht auf die Geschichte möglich ist. Fakt ist wenn diese zusammenfassung kommt bedarf es aber auch genügend gebildete Lehrkräft und mindestens 6 wochenstunden um all das wissen in unsere Kinder hinein zu vermitteln

LPHDF 21.01.2015 - 23:46:27

Gehts noch?

Es mag zwar positiv sein,dass keine Märchen mehr erzählt werden,aber das geht mal überhaupt gar nicht! Kann ich gleich ein Privatlehrer suchen,wenn sowas daheim beigebracht werden muss..

Frank 21.01.2015 - 20:29:58

Kompetenzen

ist das Gegenteil von Wissen. Wenn wir dieses Parteiensystem bei der nächsten Landtagswahl nicht hinwegfegen, dann gnade Gott unseren Kindern und Enkeln.

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