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Zdzislaw Matras will weiter gegen Fahrraddiebe kämpfen

Zdzislaw Matras kämpft gegen die Verschleierung von Fahrraddiebstählen in Deutschland durch die polnische Polizei
Zdzislaw Matras kämpft gegen die Verschleierung von Fahrraddiebstählen in Deutschland durch die polnische Polizei © Foto: Heinz Köhler
Dietrich Schröder / 05.02.2015, 20:06 Uhr - Aktualisiert 08.02.2015, 20:41
Frankfurt/Slubice (MOZ) Der frühere polnische Polizist Zdzislaw Matras hatte über eine Bande von Fahrraddieben aus seinem Dorf berichtet, die vermeintlich von den Behörden gedeckt wurden. Dafür wurde er in Slubice wegen Verleumdung verurteilt. Jetzt rufen Frankfurter zur Hilfe auf, damit der Rentner weiter um sein Recht kämpfen kann.

Die Informationen, die Zdzislaw Matras unserer Zeitung vor zwei Jahren gab, riefen großes Interesse der Leser hervor. Vor allem, weil Matras vermutete, dass die Diebe von der zuständigen Polizei im nächst größeren Ort Rzepin gedeckt würden. Der damals 62-Jährige hatte sich nur deshalb an ein deutsches Medium gewandt, weil seine Bemühungen, polnische Behörden zur Aufklärung des Korruptionsverdachts zu bringen, zuvor im Sande verlaufen waren. Im Gegenteil: Ein vertraulicher Brief, den er an das Büro zur Aufklärung von Korruptionsfällen bei der Polizei in Warschau geschrieben hatte, landete umgehend auf dem Tisch des Polizeikommandanten von Rzepin.

"Was wird nun mit dem couragierten Pan Matras passieren? Man wird ihm vermutlich die Pension streichen oder kürzen, wegen des Verrates von Dienstgeheimnissen an ausländische Medien", hatte eine Leserin nach der ersten Veröffentlichung vermutet. Tatsächlich wurde Matras einige Monate später von der Slubicer Staatsanwältin Edyta Sroka wegen Verleumdung des Polizeichefs von Rzepin angeklagt. Der Prozess endete kürzlich. Matras wurde zu einer Geldstrafe von 2000 Zloty und der Übernahme der Gerichtskosten von ebenfalls 2000 Zloty verurteilt. Umgerechnet sind das etwa 950 Euro, fast das Dreifache der Rente, die der Pole erhält.

Schon während des Prozesses hatten einige Frankfurter, die zum Teil selbst von Fahrraddiebstählen betroffen waren, Matras moralisch zu unterstützen versucht. "Im Mai besuchten wir ihn in seinem Dorf und am 11. Juli, an dem am Slubicer Gericht ein Verhandlungstermin anstand, organisierten wir eine Fahrraddemo über die Oder", berichtet Roland Totzauer. Der arbeitslose Frankfurter ist genauso alt wie Matras und bewundert diesen wegen seines Mutes.

Jetzt ruft er dazu auf, den Polen auch finanziell mit kleinen Spenden zu unterstützen. Denn Matras will den Kampf nicht aufgeben und gegen das Urteil in Berufung gehen. "Es geht mir dabei nicht nur um meine persönliche Ehre, denn ich habe mir nie etwas zu Schulden kommen lassen", sagt der frühere Polizist, der zuvor übrigens auch Lehrer war, am Telefon. "Ich will erreichen, dass unsere Behörden ordnungsgemäß handeln." In den Vorgang wurde mittlerweile auch Matras' Stiefsohn Pawel mit hineingezogen, der beim Grenzschutz gearbeitet hatte. Er wurde vom Dienst suspendiert und ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet, weil er angeblich seinen Stiefvater über Polizeiinterna informiert haben soll.

Roland Totzauer stellt jetzt sein persönliches Bankkonto zur Verfügung und bittet um Spenden mit dem Verwendungszweck: "Spende für Herrn Matras". Das Geld will er dann persönlich übergeben. Wer sich zunächst der Seriosität der Aktion vergewissern will, kann ihm auch eine Mail schreiben oder anrufen (Kontaktdaten am Ende). Einer, der die ersten 50 Euro einzahlen will, ist Christian Nicolaus. Der Frankfurter hat einen nachvollziehbaren Grund: "Ich kenne in meiner Verwandtschaft und Bekanntschaft mindestens 20 Leute, denen schon Fahrräder gestohlen wurden", sagt er.

Zdzislaw Matras, der bis spätestens 10. Februar die Berufung gegen das Urteil einreichen muss, war schon am Donnerstag von der Aktion gerührt. "Bereits das Gefühl, nicht allein zu stehen, ist eine Hilfe", sagt er.

 

Kontakt zu Roland Totzauer:

Tel.: 0176 9884 0052;

Mail: rad@rotofo.de

Spenden mit dem Stichwort "Spende für Herrn Matras" bitte auf Roland Totzauers Konto bei der Sparda-Bank Berlin

IBAN: DE24120965970006605810 BIC: GENODEF1S10

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Edeltraud Lademann 08.02.2015 - 20:46:15

"Der transnationale deutsch-polnische Krimi"

Jetzt aber mal in echt, Herr Sören Bollmann, Autor des Buches "Mord in der Halben Stadt" http://www.google.de/imgres?imgurl=http://buchbund.de/wp-content/uploads/2013/12/img_4947.jpg&imgrefurl=http://buchbund.de/soeren-bollmann-mord-in-der-halben-stadt/&h=224&w=336&tbnid=1EhN9ZavxQrLGM:&zoom=1&tbnh=90&tbnw=135&usg=__6PtG5kQ2DCQOsZ0tKRQ8-r7tb58=&docid=77Xq6EiRmMPUDM&sa=X&ei=NLfXVMOmMs_e7AaS84C4Dg&ved=0CDMQ9QEwAg Außerdem sind Sie ja Leiter des Frankfurt-Slubicer Kooperationszentrums mit Sitz im prächtigen Bolfrashaus. All Ihre Projekte in dieser Funktion werden von dem Fall Zdzislaw Matras überschattet. Es ist eine Aufgabe für Sie, hier auch praktisch an den Tatorten grenzüberschreitend wirksam zu werden. Einen Mord gab es zum Glück noch nicht, aber bis nach Warschau ging die Geschichte schon. Eine Spende wäre da schon mal ein Anfang.

Motzer 08.02.2015 - 18:39:44

Leute

spendet weiter für diesen aufrichtigen polnischen Bürger. Wir (eigentlich die MOZ-an die hat er sich zu erst gewandt) dürfen sein Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit nicht enttäuschen.

Motzer 08.02.2015 - 18:32:11

An die Redaktion

Wenn Sie den Artikel über Zdzislaw Matras schon veröffentlichen, dann sollten Sie auch die Kommentare der Online-User unter „Neueste Leserkommentare“ anzeigen. Mir ist schon öfter aufgefallen, dass Kommentare nicht unter „Neueste Leserkommentare“ erscheinen, weil Sie das Thema abwürgen möchten. Das ist Manipulation hoch drei. Zum Artikel Zdzislaw Matras steht nur ein Kommentar unter „Neueste Leserkommentare“. Das Unwort ist noch viel zu mild. Mir ist übel.

robert 08.02.2015 - 17:53:26

Hat Kurzwelly schon gespendet?

Ansonsten ist hier das Löschkommando wieder unterwegs.

Edeltraud Lademann 07.02.2015 - 13:58:40

Von unten bewegt sich wirklich was

Was bei Kleist die eigenen, zu Unrecht eingezogenen und dann geschundenen Pferde des Michael Kohlhaas sind, sind bei dem tapferen Kämpfer Zdzislaw Matras sogar fremde Fahrräder! Falls etwa jetzt auch noch Roland Totzauer ein Opfer des deutschen Rechtsstaates werden sollte, obwohl er seinen Aufruf zur Spende von Anfang an doch wohl genügend öffentlich gemacht hat, schlägt´s dem Fass den Boden aus. Ich nahm selbst an beiden Solidaritäts-Radtouren teil und freue mich über die zunehmende Resonanz auf diesen Fall. Es interessiert mich sehr wie die üblichen Angeber der deutsch-plnischen Beziehungspflege sich nun verhalten.

Roland Totzauer 07.02.2015 - 07:40:22

Aktueller Stand der Spenden für Herrn Matras

Am Sonnabend, den 07 Februar 2015 (07 Uhr), betrug die Gesamtsumme aller bisher überwiesenen Spenden für Herrn Matras 645 Euro! Es gab eine Vielzahl von Telefonanrufen und E-Mails, die ihre Spenden ankündigten. Wer die Spendenaktion im Internet verfolgen möchte, findet hier den aktuellen Stand: http://rotofo.blogspot.de/2015/02/spenden-aufruf-solidaritat-mit-zdzislaw.html

boeser deutscher 06.02.2015 - 14:57:27

hallo herr totzauer

ihre aktion ist begrueszenswert. ich sehe aber einen stolperstein fuer sie: die bei ihnen eingehenden spenden koennten als ihr einkommen gewertet werden und sozial- bzw. steuerrechtlich unerwuenschte konsequenzen fuer sie haben - ich hoffe, sie haben sich vorher schlau gemacht. waere schade, wenn das in die hose ginge.

Beauftragter in geheimer Mission 06.02.2015 - 12:48:11

Werbeeinnahmen ?

Vom Radio "Slubfurt" ? Na, schon mal an sooo einfache Möglichkeiten gedacht ?!

robert 06.02.2015 - 11:26:43

Habe noch eine Idee

Zwecks Spende bitte mal den Slubfurter Kurzwelly fragen. Er beteiligt sich mit Sicherheit an der Spendenaktion.

Christoph 06.02.2015 - 11:02:41

die

geben sich höchstens mit ihres gleich fettärschigen Politikerpack ab richtige verbindungen zum Volk jenseits der Oder gibt es genau so wenig wie hier ?,begreift nur keiner und will auch keiner hören denn als Masterplan haben die Herren etwa 300-500 Stammtreue"ach so schlimm ist es garnicht JA sager" lasst euch von denen nicht verarschen unterstützt Zdzislaw Matras

robert 06.02.2015 - 10:45:42

Der war gut!

" Im übrigen hoffe ich, dass sich auch deutsche Landes- und Kommunalpolitiker an dieser Spendenaktion beteiligen! " Na dann fragen wir doch mal den Polenbeauftragten der Bundesregierung Herrn Woidke und den Brandenburger Innenminister Schröter. Unsere Stadtverordneten zu fragen hat ohnehin keinen Zweck.

Oderländer 06.02.2015 - 10:32:36

Unglaublich

Das sind unglaubliche Zuständein für ein EU- Land. Besonders erschreckend: Höchste Regierungsstellen in Warschau spielen dabei eine entscheidende Rolle. Die Maßnahmen gegen den Familienangehörigen erinnern mich stark an die Sippenhaft vergangener Zeiten. Rechtsicherheit kann man demnach nicht in Polen erwarten. Solange dieser Vorgang nicht lückenlos aufgeklärt ist, werden wir nicht mehr nach Polen einkaufen, tanken usw. fahren.

Roland Totzauer 06.02.2015 - 10:27:39

Geldübergabe wird dokumentiert!

Selbstverständlich werde ich bei meinem nächsten Besuch bei Herrn Matras die Übergabe der Geldspenden durch Fotos und Zeugen dokumentieren. Ich denke, dass auch die MOZ und eventuell deutsche und polnische Politiker an dieser Aktion interessiert sein werden. Im übrigen hoffe ich, dass sich auch deutsche Landes- und Kommunalpolitiker an dieser Spendenaktion beteiligen! Unseren ersten Besuch bei Herrn Matras am 22. Mai 2014 habe ich mit Fotos und Text bereits dokumentiert - zu finden in meinem Internet-Blog: http://rotofo.blogspot.de/2014/05/solidaritats-radtour-nach-lubiechnia.html

ludwig pohland 06.02.2015 - 09:40:20

Schandurteil

Mit dem Urteil gegen Zdzislaw Matras tut sich die polnische Justiz und Politik in der ausländischen Beurteilung jedenfalls keinen Gefallen. Zur Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität senden sie das falscheste Signal aus und bedienen damit die ohnehin bestehenden Vorurteile. So mit bestätigen sie den Unwillen Kriminalitätsdelikte auf zu klären und die Vertuschung von darin verwickelten Polizeibeamten zu decken. Matras ist dabei das Bauernopfer. Das er sich dagegen zur Wehr setzt ist die logische Konsequenz und so ist die Initiative von Herrn Totzauer, ihn dabei finanziell zu unterstützen, nur zu begrüßen. Das sollte dann aber auch transparent erfolgen und der Termin der Spendenübergabe in der MOZ bekannt gegeben werden.

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