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Verurteilung von Zdzislaw Matras aufgehoben

© Foto: Michael Benk
Dietrich Schröder / 21.05.2015, 06:10 Uhr
Frankfurt (Oder)/Slubice (MOZ) Dieser Fall bewegt schon eine ganze Weile die Gemüter beiderseits der Oder: Zdzislaw Matras, ein früherer polnischer Polizist, der unserer Zeitung über eine Bande von Fahrraddieben aus seinem Dorf berichtet hatte, war im Januar dieses Jahres vom Kreisgericht in Slubice wegen Verleumdung verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft der Grenzstadt und der inzwischen ebenfalls im Ruhestand befindliche Polizeichef von Rzepin, Janusz Nastulski, hatten den Prozess gegen Matras angestrengt, weil dieser den Verdacht geäußert hatte, dass Nastulski die Diebe deutscher Fahrräder und andere Straftäter nicht konsequent verfolge.

Nach einem fast einjährigen Prozess war Matras von dem Gericht zur Zahlung einer Geldstrafe sowie der Prozesskosten verurteilt worden. Die Staatsanwältin Edyta Sroka hatte in ihrem Plädoyer erklärt, dass der 63-Jährige durch seine Berichte "das Ansehen Polens geschädigt" habe, und deshalb sogar eine Haftstrafe auf Bewährung für ihn gefordert.

Der Fall hatte unsere Leser so bewegt, dass in einer Spendenaktion die erstaunliche Summe von 8600 Euro zusammen gekommen war. Bereits bei der Übergabe des Geldes im Februar hatte Matras angekündigt, dass er damit weiter für sein Recht kämpfen werde.

Tatsächlich hat er jetzt einen ersten Teilerfolg erzielt. Das Bezirksgericht in Gorzów, bei dem Matras und sein Anwalt Beschwerde einlegten, hat das Urteil aufgehoben und eine erneute Aufnahme des Prozesses angeordnet. In der vierseitigen Begründung, die unserer Zeitung vorliegt, wird darauf verwiesen, dass sowohl einige Zeugen, auf deren Anhörung Matras' Verteidiger gedrängt hatte, wie auch weitere Beweismittel, die möglicherweise zugunsten des Beschuldigten gesprochen hätten, vom Richter nicht zugelassen wurden.

"Das ist aus meiner Sicht eine ziemliche Ohrfeige für das Gericht", sagte Matras in einer ersten Reaktion. Die Sache ist auch deshalb pikant, weil der Leiter des Slubicer Gerichts, Sebastian Popiolek, das Verfahren selbst geleitet hatte und sich nun ein anderer Richter damit befassen muss.

Inzwischen wurde auch der 18. Juni als Termin für die Neuaufnahme des Prozesses festgelegt. Drei Tage früher muss sich Matras' Stiefsohn Pawel vor dem Gericht verantworten. Dem Mitarbeiter des polnischen Grenzschutzes war im Laufe der Affäre zum Vorwurf gemacht worden, dass er seinem Stiefvater polizeiinterne Informationen zur Verfügung gestellt und damit Geheimnisverrat begangen habe. Aus diesem Grunde war der Stiefsohn im vergangenen Jahr vom Dienst suspendiert worden und erhält seither nur einen Teil seiner Bezahlung. Außerdem hatte es sowohl bei ihm wie auch bei Matras Hausdurchsuchungen gegeben.

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Roland Totzauer 21.05.2015 - 10:35:02

Interessante Entwicklung

Über diese Entwicklung werden sich ganz sicher viele MOZ-Leser freuen, unter anderem auch jene, die im Februar 2015 für Herrn Matras gespendet haben. Ich hoffe, der "Fall Matras" wird alsbald auch von den RBB-Machern der neuen deutsch-polnischen Fernsehserie "Polizeiruf 110" aufgegriffen. Auch über diesen Weg kann Aufmerksamkeit für Kriminalitätsprobleme in der ostdeutschen und westpolnischen Grenzregion erzeugt werden. Im "Fall Matras" spiegeln sich offene und versteckte Ressentiments (Vorbehalte, Abneigungen) zwischen Deutschland und Polen. Diese weisen über den Kriminalfall hinaus ins Politische.

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