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Inklusions-Klassen sind zu groß

In einem Drittel der Inklusionsklassen, in denen Kinder mit besonderem Förderbedarf integriert werden sollen, ist die Schülerzahl zu hoch.
In einem Drittel der Inklusionsklassen, in denen Kinder mit besonderem Förderbedarf integriert werden sollen, ist die Schülerzahl zu hoch. © Foto: dpa
Ulrich Thiessen / 11.08.2015, 19:00 Uhr
Potsdam (MOZ) In einem Drittel der Inklusionsklassen, in denen Kinder mit besonderem Förderbedarf integriert werden sollen, ist die Schülerzahl zu hoch. Der Landeselternrat schlägt Alarm und fordert vom Potsdamer Bildungsministerium die Einhaltung der entsprechenden Verordnungen.

31 Prozent der Klassen, an denen gemeinsamer Unterricht mit Kindern mit Förderbedarf durchgeführt wird, hatten im vergangenen Jahr mehr als 23 Schüler. Wolfgang Seelbach, Sprecher des Landeselternrates kritisiert, dass damit die Vorgaben zum Projekt Gemeinsames Lernen missachtet werden.

Seitens des Bildungsministeriums hieß es am Dienstag, dass die Verordnung nur eine Empfehlung, nicht aber einen Rechtsanspruch auf kleine Klasen enthalte. Schulämter könnten bei größeren Inklusionsklassen zusätzliche Lehrerstunden bereitstellen. Seelbach lässt diese Argumentation nicht gelten.

"Eine niedrige Klassenfrequenz ist eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für individuelle Förderung", sagte er. Das Argument, guter Unterricht sei auch mit größeren Klassen möglich, treffe vielleicht auf Gymnasien mit selbständig arbeitenden Schülern zu, gehe aber an der Realität von Inklusionsschulen vorbei. Bei Beginn des Pilotversuches Inklusion an 75 Grundschulen sei nie die Rede von Klassen mit 28 oder 29 Schülern gewesen, sagt Seelbach. Ein paar Extra-Lehrerstunden reichten da nicht aus. In einer Schule in Bad Liebenwerda (Elbe-Elster) werde zudem die Obergrenze von nur vier Schülern mit Förderbedarf pro Klasse überschritten.

In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der bildungspolitischen Sprecherin der Linken, Kathrin Dannenberg, heißt es, dass im vergangenen Schuljahr von den 75 Pilotschulen Inklusion 69 Kinder mit festgestelltem Förderbedarf an Förderschulen gewechselt sind. Dannenberg widersprach am Dienstag der Darstellung des Bildungsministeriums. Sie sieht den Richtwert von 23 Schülern als verbindlich an und forderte Bildungsminister Günter Baaske (SPD) auf, für dessen Einhaltung zu sorgen.

Für den bildungspolitischen Sprecher der CDU, Gordon Hoffmann, ist das Agieren des Bildungsministeriums nicht verwunderlich. Im vergangenen Jahr habe die Landesregierung wegen der Wahlen besonders viele kleine Klassen genehmigt. Jetzt werde wieder gespart und die Klassenfrequenzen erhöht.

Die Bildungsexpertin der Grünen, Marie Luise von Halem, wirft dem Bildungsminister vor, das Projekt Inklusion sehenden Auges an die Wand zu fahren. Den schwächsten Schülerinnen und Schülern werde die individuelle Förderung verwehrt.

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Wolfgang Seelbach 12.08.2015 - 19:06:55

Verordnungen sind mehr als Empfehlungen

Eigentlich hätte ich vom Ministerium statt einer windigen Rechtfertigung eine positive Reaktion erwartet, nach dem Motto: Sorry, tut uns leid, wir korrigieren das! Stattdessen wird die Verordnung kurzerhand in eine Empfehlung umgedeutet. Bei einer Soll-Verordnung müssen jedoch Abweichungen Ausnahmecharakter haben. Wenn alle Soll-Verordnungen jetzt als Empfehlung umgedeutet werden, wäre das Chaos vorprogrammiert. Was wäre, wenn Lehrkräfte in Zukunft ihr Stunden-"Soll" als Empfehlung betrachten? Ich hoffe, dass das Ministerium sich nochmal besinnt. Statt sich argumentativ zu verrenken, sollte es endlich die Sonderpädagogik-Verordnung umsetzen!

hab was gegen schreihälse 12.08.2015 - 12:11:22

Warum vom Wahrheitssuchenden etwas lesen, dessen Kommentare einem von Tag zu Tag mehr auf die Nerven gehen?

...

12.08.2015 - 11:13:00

Kinder ? Brauchen wir nicht

Gäste sind auch viel wichtiger.

Egal 12.08.2015 - 10:26:16

Es war von Anfang an klar

dass es nur ums Geldsparen in der Bildung geht. Also Plattmachen der teuren Förderschulen für Gehandicapte aller Art aus Kostengründen. Viele haben gewarnt aber fanden kein Gehör. Die Kinder wurden einfach in bestehende Schulklassen gesteckt, es sind nicht genügend "normale" Lehrer und auch nicht genügend für Inklusions-Kinder speziell ausgebildete Lehrer vorhanden und mehr würde auch wieder Geld kosten und das will man nicht in die Bildung stecken. Der BER und die Pension von Speer sind wichtiger.

ein Wahrheitssuchender 12.08.2015 - 10:21:33

Warum von Finnland was lernen, die ja immer besser im internationalen Vergleich sind, als Deutschland bzw Brandenburg

...

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