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Wirbel um Biosphären-Chef

© Foto: Oliver Schwers
Oliver Schwers / 15.12.2015, 20:35 Uhr
Angermünde (MOZ) Nach Angaben des Naturschutzbunds Brandenburg (Nabu) ist der Leiter des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin Martin Flade abgesetzt worden. Er erhalte innerhalb des Landesumweltamtes eine neue Position, so Friedhelm Schmitz-Jersch, Vorsitzender des Nabu.

Der überraschende Personalwechsel ist vom Landesumweltamt bisher nicht bestätigt worden. Jedoch hat es im Dezember einen Brandbrief an Behördenleiter Dirk Ilgenstein gegeben. Der stammt aus der Feder des Kuratoriums des Biosphärenreservats und listet heftige Vorwürfe gegen die Leitung des Schutzgebietes auf. Im Mittelpunkt der Kritik steht die Verschärfung der Naturschutzinteressen. Das Biosphärenreservat, das in diesem Jahr 25. Geburtstag feierte, gilt jedoch als Modell für einen Interessenausgleich zwischen Naturschutz und Landnutzung.

Auslöser des Brandbriefes war ein Streit um die Firma Hemme-Milch in Schmargendorf bei Angermünde. Der weit über die Kreisgrenze bekannte Direktvermarkter von Frischmilch und regionalen Produkten will seinen Standort erweitern, befindet sich aber im Biosphärenreservat. Obwohl Hemme-Milch sogar das hauseigene Markenzeichen des Reservats trägt, wollte der Naturschutz zunächst keinen Kompromiss zulassen. Daraufhin schaltete sich die Politik ein.

Besonders angekreidet wird Martin Flade in diesem Zusammenhang ein ablehnender Leserbrief, den er als Privatperson zu der betreffenden Sache formuliert hatte. Das Papier landete schließlich sogar beim Ministerpräsidenten.

Das Kuratorium des Reservats kritisiert die einseitige Ausrichtung auf die ökologische Landwirtschaft. In den Kreisen Uckermark und Barnim hat sich auch Widerstand aus den Reihen privater Waldeigentümer und Bauern formiert. Dabei geht es um neue Managementpläne. Das Handeln der Reservatsverwaltung werde oft als "realitätsfern, unnachgiebig und schulmeisternd empfunden", heißt es in dem Schreiben an den Chef des Landesumweltamtes.

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Rainer Ebeling 20.12.2015 - 13:23:50

Kuratorium als Berater

Ein Kuratorium sollte doch beratend tätig werden. Im Biosphärenreservat hätte es die Aufgabe Naturschutzinteressen zu vertreten. Das dies nicht immer konfliktfrei umsetzbar ist, ist auch in einer relativ dünn besiedelten Landschaft wie hier in der Uckermark nachvollziebar. Aber wenn man dann hört das Ökolandbau gegenüber konventionellem Wirtschaften nicht den Stellenwert haben soll, der ihm zusteht und wenn dem Biosphärenreservat eine deutliche Bevorzugung naturschutzfachlicher Interessen vorgeworfen wird, dann versteht das kein Mensch mehr. Wenn hier nur wirtschaftliche Interessen bedient werden sollen, brauchen wir auch kein Biosphärenresevat mehr.

Nico Conrad 19.12.2015 - 22:13:08

Welche Außenwirkung hat Beliebigkeit?

Als Herr Hemme aus dem Westen 1998 in die Uckermark kam, gab es das Biosphärenreservat Schorfheide bereits 8 Jahre. Mit Schmargendorf fiel die Wahl auf einen Standort in unmittelbarer Nachbarschaft des Grumsiner Forst, der später sogar von der UNESCO geadelt wurde. In Biosphärenreservaten soll nachhaltige Entwicklung verwirklicht werden. Dazu zählt sicher nicht die Erweiterung eines konventionellen Milchbauern, der mithilfe des regionalen Reservatssiegel auf quasi-bio macht. Nachhaltigkeit bestünde in der Ausrichtung der Tierzahlen anhand der zur Verfügung stehenden Flächen und in der Gewährleistung hoher Tierschutzstandards. Genau dafür steht Hemme-Milch nicht! Wenn, wie in diesem Falle wirtschaftliches Interesse den nachhaltigen Entwicklungszielen eines Biosphärenreservats diametral entgegen steht, hilft auch keine verbesserte Kommunikation mehr. Im Absägen Martin Flades äußert sich die politische Unterordnung vor dem Profitinteresse.

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