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Asylbewerber wegen Vergewaltigung vor Gericht

Tilman Trebs / 03.03.2016, 18:43 Uhr
Oranienburg (MOZ) Zwei Asylbewerber aus Hennigsdorf (Oberhavel) müssen sich seit Donnerstag wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung vor dem Amtsgericht Oranienburg (Oberhavel) verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden 31 und 35 Jahre alten Männern vor, sich am 5. August in Hennigsdorf an einer Frau vergangen zu haben. Die Angeklagten schweigen bislang zu den Vorwürfen. Das Opfer kann nicht mehr befragt werden. Die zur Tatzeit 49-jährige Frau ist nach Auskunft des Gerichts zwischenzeitlich an den Folgen einer schweren Alkoholerkrankung gestorben.

Am ersten Prozesstag wurden am Donnerstag erste Zeugen zu dem Fall befragt. Inge und Günther D. wohnen in der Nähe des Bahnhofes und damit unweit vom Tatort. Am 5. August gehen die Rentner kurz vor Einbruch der Dunkelheit noch einmal mit ihrem Hund heraus. Dabei fallen ihnen zwei Männer auf, die eine nur mit Unterwäsche bekleidete Frau vom Postplatz in Richtung Karl-Marx-Straße bringen. Die Frau ist nach Beobachtungen der Zeugen betrunken. Sie habe sich kaum auf den Beinen halten können, berichten sie vor Gericht. Das Rentnerpaar glaubt nicht, dass die Männer der Frau nur über die Straße helfen wollen: "Das sah aus wie eine Entführung", sagt Günther D. im Zeugenstand. Außerdem ist ihm suspekt, dass die Männer mit der Frau hinter einem Trafohäuschen verschwinden. Die Rentner rufen die Polizei, die schauen soll, ob alles in Ordnung ist. Straftaten können sie nicht beobachten.

Als die Polizei Minuten später erscheint, liegt die 49-jährige Frau am Boden, einer der Männer auf ihr und macht Bewegungen wie beim Geschlechtsverkehr, berichten die Polizisten als Zeugen vor Gericht. Die beiden sind halbnackt, ebenso der zweite Mann, der daneben auf dem Boden sitzt. Die Beamten bringen die Frau in Sicherheit, nehmen die Männer fest.

Unklar bleibt am ersten Prozesstag, wo und unter welchen Umständen sich die Frau und die Asylbewerber zuvor getroffen haben. Das Opfer beschreiben die Polizisten als "stadtbekannte Alkoholikerin", die oft durch Pöbeleien gegen Passanten aufgefallen sei und unter Betreuung stand. Dass sie nur in Unterwäsche in der Innenstadt unterwegs gewesen sei, habe ihn nicht überrascht, sagt ein Beamter vor Gericht. Am Tatabend wurden weit mehr als zwei Promille bei ihr gemessen. So habe sich die Frau kaum artikulieren können, aber der Polizei auf entsprechende Nachfragen nickend zu verstehen gegeben, dass der Geschlechtsverkehr keineswegs freiwillig gewesen sei. Die Beamten, die die Frau nach ihrer Ausnüchterung vernommen haben, sollen am 21. März vom Gericht gehört werden.

Für den Staatsanwalt ist nicht von Belang, ob die Frau den Angeklagten ausdrücklich gesagt hat, nicht mit ihnen intim werden zu wollen, oder es unterlassen hat, was die Verteidigung als Einvernehmlichkeit werten könnte. "Klar ist, sie war völlig hilflos. Das haben die Männer schamlos ausgenutzt. Allein das reicht für eine Verurteilung", sagt der Anklagevertreter am Rande des ersten Verhandlungstages.

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Asylbewerber Günther D . Nötigung Oberhavel Zeuge

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