Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Bürohund für entspanntes Klima

Tierische Stimmungskanone: Michaela Heinz von der Potsdamer Firma Praxisprint mit Bürohündin Daisy. Eigentlich ist der Platz der Hündin unterm Schreibtisch.
Tierische Stimmungskanone: Michaela Heinz von der Potsdamer Firma Praxisprint mit Bürohündin Daisy. Eigentlich ist der Platz der Hündin unterm Schreibtisch. © Foto: MOZ
Mathias Hausding / 05.03.2016, 09:00 Uhr
Potsdam (MOZ) Im Altersheim, im Krankenhaus oder im Hospiz sind sie bereits als emotionale Stützen anerkannt. Manche Logopäden schwören auf den Einsatz von Therapiehunden. Eine bundesweite Initiative empfiehlt nun Vierbeiner fürs Büro, um gegen Burnout vorzubeugen.

Jeder hat mal einen schlechten Tag, weiß Michaela Heinz. Phasen, in denen man Beistand braucht. "Da hilft ein Hund. Er schafft im Büro ein ganz anderes Arbeitsklima", ist die 31-jährige Firmeninhaberin überzeugt. Deshalb hat direkt unter ihrem Schreibtisch Daisy ihr Plätzchen - Bürohündin Daisy. Sie bringe einfach Freude in den Laden. Die Kollegen, die Kunden, die Postfrau - alle seien in Gesellschaft des Chihuahuas sehr gelöst. "Und wir kommen im Laufe des Tages auch mal raus. Hundepause statt Raucherpause."

Im Oktober 2015 hat sich Michaela Heinz mit ihrer Druckerei und derzeit vier Mitarbeitern in der Landeshauptstadt angesiedelt. Eine ihrer Spezialitäten sind farbige Foto-Drucke auf Holz - von der Weinkiste bis zur Bierbank. In Nordrhein-Westfalen, wo sie zuvor aktiv war, hatte die Firma sieben Mitarbeiter und sogar zwei Bürohunde.

"Es muss natürlich passen, nicht jeder Hund ist geeignet. Von einem hyperaktiven Jack Russel würde ich eher abraten", erzählt sie. "Daisy pennt einfach viel, und sie kennt ihren Platz: Die Maschinen sind tabu." Michaela Heinz würde sich über Nachahmer freuen. Sie habe lange in den USA gelebt, dort sei die Bedeutung von "emotional dogs" in viel größerem Maße anerkannt, also von Hunden, die einfach durch ihre Anwesenheit Unterstützung leisten.

Die Fäden der Bürohund-Befürworter laufen in Berlin-Kreuzberg bei Markus Beyer zusammen. Vor zwei Jahren hat er einen Bundesverband ins Leben gerufen, um den Ansatz publik zu machen und um Unterstützung zum Beispiel bei Krankenkassen zu werben. "Ziel ist die Reduzierung der Fälle von Burnout", sagt der 53 Jahre alte Hundetrainer. Die immer häufiger bei Arbeitnehmern gestellte Diagnose sei für die Betroffenen und ihre Angehörigen meist ein Schicksalsschlag, und dem Gesundheitssystem beschere sie hohe Kosten.

Die Gesellschaft von Hunden sei deshalb so wertvoll, weil sie die Oxytocinproduktion im menschlichen Organismus anrege. "Ein Wunderhormon, von dem leider die wenigsten wissen." Blickkontakt zwischen Mensch und Hund genüge demnach, um auf beiden Seiten das sogenannte Kuschelhormon auszuschütten. Effekt für den Büroalltag: Mitarbeiter seien motivierter, loyaler und kreativer - und sie fühlten sich einfach wohler. In vielen großen US-Konzernen seien Bürohunde Standard.

Neben den Krankenkassen, bei denen Markus Beyer um Prämien für den Einsatz von Bürohunden wirbt, sind Firmenchefs die Adressaten seiner Lobbyarbeit pro Vierbeiner: "Ich wünsche mir, dass sie mal eine Minute darüber nachdenken, ob ein Hund etwas bringen könnte." Eine Fülle von Argumenten hat Beyer auf der Internetseite des bislang von 2500 Menschen unterstützen Verbands gesammelt.

Er betont, dass ein Bürohund nicht der Firma gehöre, sondern immer Menschen, dass ein Vierbeiner nur in Frage komme, wenn es für alle Seiten passt, also auch für den Hund. Oft höre er von Leuten, dass sie sich gern einen anschaffen würden, wenn sie ihn zur Arbeit mitnehmen dürften. Hier hoffe er, mit dem Verband Argumentationshilfe leisten zu können.

Etwaige Sorgen hält Beyer für unbegründet oder überzogen, aber das möge am Ende jeder für sich entscheiden. "Nur drei von 100 Menschen haben eine Allergie gegen Hundehaare", betont er. Und zum Hund etwa als mögliche Stolperfalle im Büro sagt er: "Alles ist gefährlich oder nicht - das ist immer eine Frage der Perspektive."

Infos des Bundesverbands: www.bv-bürohund.de

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Gertlinde Busack 07.03.2016 - 17:10:47

Bürohund für entspanntes Klima

Ein toller Beitrag! Wir züchten Rauhhaarteckel und haben diesen Beitrag über WhatsApp von unserer Tochter geschickt bekommen. Alle unserer Teckel-Welpen sind bei tollen Besitzern gelandet. Unter anderem sind Fünf der Dackel auch in Büros oder Ladengeschäften am Tag über Zuhause. Alle Besitzer berichten, dass es sehr gut klappt. Mitarbeiter und auch die Kunden sind äußerst angetan. Also auch Dackel /Teckel, die ja Jagdhunde sind und denen man so eine gewisse Eigensinnigkeit nachsagt, sind sehr gute Familien- und auch "Bürohunde". Gertlinde Busack ( Heimat ist Bernau.) http://www.rauhaarteckel-goerlitz.de/

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG