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Bürger-Windparks droht die Flaute

Ins Dorf gerückt: Immer mehr Rotoren – hier in der Nähe von Klettwitz – werden in Brandenburg gebaut. Dagegen regt sich vielerorts Protest.
Ins Dorf gerückt: Immer mehr Rotoren – hier in der Nähe von Klettwitz – werden in Brandenburg gebaut. Dagegen regt sich vielerorts Protest. © Foto: dpa
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Henning Kraudzun / 10.06.2016, 18:45 Uhr
Potsdam (MOZ) Die von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) könnte vor allem kleine Windkraftfirmen in Brandenburg gefährden. Branchenvertreter befürchten ebenso, dass kommunale Projekte durch den Systemwechsel bei der Ökostrom-Förderung nicht mehr finanzierbar sind.

Die Enttäuschung ist Bernd Bechly anzumerken. Das Vorstandsmitglied der Genossenschaft Eigenenergie Rehfelde hatte in den vergangenen Monaten viel Arbeit in ein Projekt gesteckt, bei dem Anwohner selbst zwei Windräder errichten wollten. "Wir wollten 2017 anfangen", sagt er. "Aber jetzt müssen wir womöglich unsere Pläne einstampfen."

Hintergrund sind die ab kommendem Jahr vorgeschriebenen Ausschreibungen im Windenergiemarkt. Demnach kommt nur der Betreiber zum Zuge, der die besten Konditionen bietet. Gleichzeitig steigt das finanzielle Risiko. Denn die Bewerber müssen bereits vorab in Planungen investieren. "Diese Ausgaben summieren sich für uns auf einen sechsstelligen Betrag", berichtet Bechly.

Derzeit steckt das Vorhaben, an dem sich 130 Bürger beteiligen, schon im Genehmigungsverfahren. "Wenn wir Glück haben, schaffen wir es noch, bevor das Gesetz in Kraft tritt", so Bechly. Die Grundidee sei gewesen, das Feld nicht nur Großinvestoren zu überlassen. 28 Windräder stehen schon in Rehfelde. "Die verdienen hier viel Geld, wir haben die Nachteile."

Auch der Bundesverband Windenergie befürchtet negative Folgen für kleine Stromproduzenten. "Wenn ein Stadtwerk nicht den Zuschlag erhält, wird es sich überlegen, erneut in Vorleistung zu gehen", sagt Sprecher Wolfram Axthelm. Grundlage für eine erfolgreiche Beteiligung sei zudem, dass Regionalpläne für Windkraft vorliegen. "Da gibt es in Brandenburg erheblichen Nachholbedarf."

Jan Hinrich Glahr, Landesvorsitzender des Branchenverbandes, warnt davor, dass die Energiewende in Brandenburg abgewürgt wird. "Das hätte Auswirkungen auf Innovationen, Investitionen und Arbeitsplätze", meint er. Nach einer Studie sind in der Mark über 6800 Mitarbeiter in der Windenergiebranche beschäftigt. Dort werden jährlich rund eine Milliarde Euro erwirtschaftet.

Schon jetzt geht die Kurve nach unten. Im ersten Quartal wurden in Brandenburg lediglich 28 Windräder in Betrieb genommen, ein Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum. 2015 registrierte der Verband einen Rückgang in ähnlichen Dimensionen. Wenn sich dieser Trend fortsetze, werde das Land seine energiepolitischen Ziele nicht mehr erreichen, betont Glahr.

Der Fraktionschef der Grünen im Landtag, Axel Vogel, erkennt eine verfehlte Politik. Um die Akzeptanz der Windräder zu steigern, seien kommunale Projekte notwendig. "Das Thema ist durch die Gesetzesnovelle tot." Der Landesregierung wirft er vor, die Drosselung des Ausbaus vorangetrieben zu haben. "Was dann passiert, haben wir in der Solarbranche gesehen: Die Firmen ziehen weg." Auch der Umweltverband BUND befürchtet ein "Scheitern der Bürgerwindenergie". Der Vorsitzende Hubert Weiger fordert daher weitere Korrekturen an der EEG-Novelle, die nach der Sommerpause vom Bundestag beschlossen werden soll. Projekte mit bis zu sechs Windrädern und maximal 18 Megawatt Leistungen sollten von den Ausschreibungen ausgenommen werden, so Weiger.

Alles andere als pessimistisch klingen indes große Anbieter. Robert Döring, Sprecher von Enertrag, einem Unternehmen aus der Uckermark, das bereits Hunderte Windräder gebaut hat, spricht von fairen Bedingungen. "Bei den Ausschreibungen gelten die gleichen Regeln für alle", betont er. "Und die besagen: Man kann auch scheitern." Die Zeiten des ungesteuerten Einspeisens sind aus seiner Sicht längst vorbei.

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Angela Mans 15.06.2016 - 12:57:09

Wollen Bürger Windkraftparks?

Endlich wird das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) reformiert! ‎Weg von den 20-jährigen Dauersubventionen, die Investoren zu aggressiven Landjägern machen. Das EEG spaltet ganze Dörfer in Nutznießer und Windkraftgeschädigte, wie bei uns vor Ort. Das Argument, so genannte „Bürgerwindparks“ würden nicht mehr möglich sein, entstammt offenbar aus der Ecke der EEG-Ritter-Unternehmen im Lande, die um ihr risikoloses Geschäftsmodell fürchten. Ich kenne keinen einzigen Bürgerwindpark in der Uckermark. Bürgerwindräder kann es immer noch geben, am besten auf das eigene Hausdach und in einer Höhe, die nicht gleich kilometerweit die Nachbarschaft beeinträchtigt. Die große Gelddruckmaschine kann und darf die Energiewende nicht mehr sein, da kann man Ministerpräsident Woidke und Bundesminister Gabriel nur Recht geben.

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