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Auf der Havel in die Flitterwochen

Havelland statt Karibik oder Indischer Ozean: Auf der Havel vergehen die Flitterwochen auch wie im Fluge.
Havelland statt Karibik oder Indischer Ozean: Auf der Havel vergehen die Flitterwochen auch wie im Fluge. © Foto: Wagener
Carina Wagener / 30.07.2016, 06:00 Uhr
Rathenow/Brandenburg (MOZ) Bahamas, Botswana oder Brandenburg? Lange diskutiert haben wir nicht, als es um das Ziel unserer Hochzeitsreise ging. Schnell stand fest: Unsere Flitterwochen beginnen in Plaue auf der Havel. Vier Nächte würden wir auf einem Bungalow-Boot verbringen, unser Hotelzimmer also immer dabei haben. Und damit auch Bett, Spielzeug und Kost für unseren neun Monate alten Sohn.

Die Anreise geht schneller als gewöhnlich: Statt Sicherheitscheck und Gate brauchen wir von Rathenow gerade mal 35 Autominuten bis zum Ziel. Nicht alle haben es so nah: Auf dem Parkplatz stehen Autos aus Bonn, Duisburg, Bielefeld, Chemnitz und Hamburg. Es herrscht reges Treiben. Die bunt gestrichenen BunBos liegen in Reih und Glied am Steg bereit. Urlauber fahren mit beladenen Handwagen auf und ab, um ihr Hab und Gut für die nächsten Tage auf dem Boot zu verstauen. Grillkohle darf nicht fehlen, Sonnencreme und der Fotoapparat.

Gerade als wir den Kinderwagen verstaut und die Gasflamme auf dem Herd entzündet haben, um das Mittagessen für Mick warm zu machen, kommt Rolf Utesz für die Einweisung an Bord. Die geht schnell: Mein Mann und ich haben einen Bootsführerschein. Christoph hat längst nachgeschaut, wo der Benzinkanister ist, wie der Motor funktioniert und die Toilettenspülung.

Bei unseren Nachbarn dauert es etwas länger: Sie mussten sich im Vorfeld ein wenig vorbereiten, um einen Charter-Schein zu machen. Wenig später stechen auch sie in See. Wir sind unterwegs in Richtung Brandenburg an der Havel.

Dort werden wir direkt an der Jahrtausendbrücke die Nacht verbringen. 1,50 Euro müssen wir dafür pro Bootsmeter bezahlen. Unser BunBo ist 11,60 Meter lang. Es gibt verschiedene Modelle, auch barrierefreie. 38 BunBos hat die Gesellschaft in Plaue, mehr als 100 insgesamt. Dazu kommen viele weitere Anbieter. Auf dem Wasser ist einiges los. Man grüßt sich mit einem fröhlichen "Ahoi".

Wir essen zu Abend in der "Werft", machen am nächsten Tag einen Stadtrundgang mit Gästeführer Heinz Morio und lernen die älteste Stadt zwischen Elbe und Oder ein bisschen besser kennen. Als Morio an einem Brunnen das Lied von Fritze Bollmann zum Besten gibt, bekommen wir Gänsehaut; die Lacher hat Morio auf seiner Seite, als er von Brandenburgs Ehrenbürger Loriot und den 17 Waldmöpsen zu seinen Ehren erzählt. Die werden wir später noch fotografieren. Und uns im Slawendorf am Salzhofufer umsehen.

Am nächsten Tag fahren wir in Urlaubsgeschwindigkeit die Havel hinauf und ankern in einem ruhigen Seiten-Altarm. Der Grill wird nach dem Abendessen zur Feuerschale; Holz gehört zur Bootsausstattung. Wir genießen die Abenddämmerung und beobachten die sich ausruhenden Schwäne.

Stromabwärts durch die Schleuse geht es am nächsten Tag weiter auf den Beetzsee, vorbei an der bekannten Regattastrecke. Wir ankern erneut mitten in der Natur. Schilf zu unserer Rechten, der Sonnenuntergang über dem Wasser zu unserer Linken. Herrlich. Wer braucht da schon die Karibik?

Am nächsten Tag radeln wir nach Mötzow, um auf dem Vielfruchthof zu essen. Abends wirft Christoph die Angel ins Wasser. Der große Fang bleibt trotz einiger Bisse aus. Und so halten wir auf dem Rückweg bei Rewe. Der Supermarkt hat für seine Kunden einen Wasserparkplatz eingerichtet. 90 Minuten darf man hier kostenlos anlegen. Tolle Marketingidee! Das findet auch Fritz Schwerdtfeger aus Potsdam.

Der "Olle Fritze", Seebär seit 50 Jahren, fährt mit seiner Frau seit 2011 immer um den Hochzeitstag herum BunBo. Ihr Boot haben die beiden mit Brandenburg-Flagge und Blumen geschmückt. Am nächsten Tag treffen sie sich mit der Familie für ein Grillfest. Im nächsten Jahr soll ein eigenes Hausboot angeschafft werden.

Wir fahren zurück in Richtung Breitlingsee und Kanincheninsel. Mit unseren 20 PS kommen wir gut voran. Es ist wenig Seegang, das Wetter ruhig. Auch bei Regen kann man es auf der überdachten Terrasse oder im Inneren am Kamin gut aushalten.

Wir machen klar Schiff. Am Freitagmorgen um 9.00 Uhr nimmt uns Rolf Utesz wieder in Empfang. Seit zwei Jahren arbeitet er für BunBo, liebt die Abwechslung in seinem Job und die "gute Laune der Kundschaft". Vier Stunden haben er und der Rest der Crew Zeit, die Boote zu säubern, aufzutanken und kleinere Schäden zu reparieren. Dann kommen die nächsten Gäste. Da sind wir längst wieder zu Hause in Rathenow und resümieren die schönsten Erlebnisse unserer Flitterwochen in Brandenburg.

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