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Der Börnicker Ludwig Seeger baut auf einem Hektar Land knackiges Gemüse an / Direktvermarkter-Konzept geht komplett auf

Erfolg durch Landwirtschaft mit Gesicht

Hans Still / 24.08.2016, 05:15 Uhr
(MOZ) Börnicke (MOZ Der Rhabarber steht prächtig, die Mohrrüben überzeugen als knackiges Gemüse, ab heute werden die Kartoffeln geerntet. Ludwig Seeger betreibt in Börnicke auf einem Hektar Land Gartenbau. "Landwirtschaft mit Gesicht, das ist meine Überzeugung", sagt er und kann sogar davon leben.

Der 40-jährige Börnicker braucht nicht viel Zeit, um ins Philosophieren zu geraten. Dann redet er voller Leidenschaft von Nachhaltigkeit, von ökologischer Landnutzung und vom Anspruch, den Kindern ein gesundes Stück Erde zu hinterlassen. Politiker sagen gern solche Sätze, oft genug in Sonntagsreden. Das würde Ludwig Seeger nie passieren. "Schonender Umgang mit dem Land, kein tiefes Pflügen, keine Pestizide und möglichst viel organische Masse in der Erde, das sind für mich Grundsätze des nachhaltigen Wirtschaftens. Meine Kunden kennen mich und vertrauen mir. Jeder kann hier sehen, wie ich diese Scholle nutze, was ich anbaue", erklärt der Mann mit dem grünen Daumen.

Der Blick auf die Beete und Pflanzen bestätigt eindrucksvoll, was Seeger theoretisch darlegt. Der Rhabarber steht kraftvoll im Beet, der Kopfkohl wird sich prächtig verkaufen, die Kürbisse bekommen in den folgenden Tagen die notwendige Sonne und die Porree-Ernte sorgte ebenfalls für ein sehr zufriedenes Resümee des Alleinunternehmers. Insgesamt baut er 50 verschiedene Gemüsesorten an, da wird es immer mal Ausfälle geben, aber eben auch viele Erfolge. Wie in einem gut sortierten Portfolio eines Brokers ist auf Seegers Acker das Risiko gut verteilt. Nur dass er eben nicht auf den Großmarkt setzt, sondern strikt auf die Region. "Regional und saisonal", fügt der Landwirt an. Er studierte an der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung Landschaftsnutzung und Naturschutz und absolvierte später noch eine zweijährige Ausbildung zum Gemüsegärtner.

Immerhin für 80 Prozent seiner Ernte finden sich in Bernau und Börnicke Abnehmer. Dann gibt es noch eine Berliner Galerie und einen Berliner Koch, der ungewöhnliche Sorten wie weiße Mohrrüben, grünen Spargel, geringelte weiße rote Beete oder rot-gelbem Mangold bestellt hat.

Das Gros der Ernte findet sich in den 30 Abo-Kisten wieder, die der Bauer wöchentlich höchstpersönlich ausliefert. Mit diesen Abo-Kosten erreicht der Börnicker zwischen 40 und 50 Haushalte. Aktuell befüllt er die Kisten mit Tomaten, Paprika und Gurken aus dem Folienanbau. Von den Freilandbeeten stammen die grünen Bohnen, rote Beete, Pastinaken, Zwiebeln, Porree und natürlich die Kürbisse.

Ohne Scheu bekennt sich Seeger zum Konzept des Direktvermarkters und zur Tatsache, dass sämtliches Gemüse gleich nach der Ernte in die Region verkauft wird. "Ich behalte wirklich nichts über, es geht alles weg. Das beweist für mich, unsere Region würde noch mehr Direktvermarkter vertragen. Berlin und Brandenburg bieten wirklich viele Chancen." Den Preiskampf der Milchbauern etwa nimmt der Börnicker mit Kopfschütteln zur Kenntnis. "Das Preisdiktat der Großkonzerne ist unglaublich. Unser Landesbauernverband beispielsweise wäre gut beraten, weniger auf den Weltmarkt zu orientieren."

Allen Fragen zur Vergrößerung seiner Anbauflächen erteilt Seeger rigoros einen Korb. "Ich habe hier im bescheidenen Umfang ein Auskommen. Mit mehr Fläche müsste ich wohl Mitarbeiter anstellen, um alles zu bewältigen."

Begonnen hatte der Landwirt 2007 mit 1000 Quadratmetern Land. Zuvor baute er im Nebenerwerb Gemüse an, zur Selbstversorgung eben. Dann merkte er, wie gut seine Produkte nachgefragt wurden, absolvierte 2005 und 2005 die Ausbildung zum Gemüsegärtner und wagte sich in die berufliche Selbstständigkeit. Auch heute noch klappt nicht alles, was Ludwig Seeger sich vornimmt. "Beim Kohlrabi bleibe ich nur zweiter Sieger. Der Kohltriebrüssler brachte mir die komplette Ernte zum Platzen", berichtet der Einzelunternehmer. Schuld trägt seiner Meinung nach der verstärkte Rapsanbau in der Region. Sobald der Raps ausgeblüht ist, verlässt der Schädling die Felder und macht sich über den Kohlrabi her, um seine Eier abzulegen. Dazu sticht er das Gemüse an, sodass es später zum Aufplatzen der Knolle kommt.

Heute beginnt die Kartoffelernte auf seinem Feld. Eine Tonne will Seeger ernten, Linda, Ditta und Adretta wurden im Frühjahr ins Erdreich gebracht. Jeden Tag auf grünes und frisches Gemüse zu schauen, tue ihm gut und habe eine positive Wirkung auf die Seele, sagt Seeger. "So gesehen bin ich trotz Abstrichen beim Geld dann doch recht wohlhabend", schätzt er ein.

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