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15-Jährige darf Beziehung mit Onkel fortsetzen

dpa / 02.11.2016, 07:00 Uhr
Brandenburg (dpa/MOZ) Eltern müssen es hinnehmen, wenn ihre Tochter im Teenager-Alter mit einem 30 Jahre älteren Mann zusammen ist. Ein Verbot der Beziehung könnte das Wohl des Kindes gefährden, hat das Brandenburgische Oberlandesgericht entschieden, wie die Arbeitsgemeinschaft Familienrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mitteilt. Die Entscheidung stammt aus dem März dieses Jahres. Zuvor war der Fall eines 15-jährigen Mädchens aus Schildow (Oberhavel) vor dem Amtsgericht Oranienburg verhandelt worden.

Die Schülerin hatte eine Liebesbeziehung zu ihrem mehr als 30 Jahre älteren Onkel. Ihre Eltern versuchten immer wieder, den Kontakt zwischen den beiden zu unterbinden, wogegen sich das Mädchen wehrte. Unter anderem hielt sie ihren Aufenthaltsort vor ihren Eltern geheim. Später brachten die Eltern ihre Tochter in der Psychiatrie unter.

Das Gericht lehnte das von den Eltern geforderte Kontaktverbot für den Partner ihrer Tochter ab. Den Richtern zufolge hat die Entscheidung des Mädchens ein hohes Gewicht. Die Jugendliche habe ihren Wunsch, die Liebesbeziehung weiter zu leben, "zielorientiert" geäußert. Die Richter sahen darin eine sehr bewusste Eigenentscheidung.

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A H 06.11.2016 - 13:09:00

Wer fragt nach dem Warum?

Das Gericht hat hier ein sehr interessantes Urteil gefällt, was eine ganz andere Seite dieser Problematik beleuchtet. Denn was ist denn die "normale" Reaktion der Gesellschaft auf so eine Beziehung. Man fragt nach dem Alter des Mädchens, nach dem Alter des Mannes und nach dem Altersunterschied. Nach diesen Fragen ist dann jede weitere Diskussion sofort beendet. Dabei wird dann weniger mit der juristischen Seite argumentiert, sondern sofort mit dem moralischen Hammer zugeschlagen. Bei der juristischen Seite wird meist ausschließlich die Legalität bzw. Illegalität sexueller Handlungen untersucht und die Frage, inwieweit gegenseitiges Einvernehmen eine Rolle spielt. Ist es aber richtig, so eine Beziehung ausschließlich auf das Sexuelle zu reduzieren? Ist es ist nicht notwendig zu fragen, was zu einer solchen Beziehung geführt hat und ob es noch andere, viel wichtigere Faktoren gibt, die zu so seiner Beziehung geführt haben? Und schon ist man gezwungen, den Faktor „Moral“ auch aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Auch muss hier die Frage erlaubt sein, ob die vom Gesetz vorgesehene Erziehungsberechtigten auch das Prädikat „Eltern“ verdienen und ob sie ihren Aufgaben und Pflichten wirklich nachgekommen sind oder nachkommen. Nach meiner Erfahrung meinen viele Erziehungsberechtigte, nur Rechte und Ansprüche gegenüber ihren Kindern zu haben. Unsere Gesellschaft reagiert mittlerweile sehr sensibel und heftig auf physische und besonders sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen, und das völlig zu recht. Bei psychischer Gewalt, Misshandlung durch Vernachlässigung und ganz besonders durch Unterlassung ist dagegen eine erschreckende Gleichgültigkeit, ja sogar eine stillschweigende Duldung zu verzeichnen, bei der sich entscheidende Kontrollorgane wie Jugendämter, Polizei und Justiz durch Nichteingreifen ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckern. Die Aufgaben von Erziehungsberechtigten sind nicht darauf reduziert, ihre Kinder mit Nahrung, Kleidung und einem warmen Schlafplatz zu versorgen. Dazu gehören auch altersunabhängig Nestwärme, Geborgenheit, emotionaler Schutz, Aufmerksamkeit, Zuhören, Gesprächsbereitschaft, Vermitteln von Lob, Vertrauen und Ernstnehmen. Werden diese Aufgaben mit Vorsatz oder aus Gleichgültigkeit nicht erfüllt, hat man es mit Misshandlung durch Unterlassung zu tun, nicht mehr und nicht weniger. Und der Misshandlung diese Form ist ungeheuer schwer nachzuweisen und wird von Erziehungsberechtigten nach außen oft sehr geschickt und mit erstaunlichem Energieaufwand verborgen. Daher sollte man sich die Frage stellen dürfen, ob nicht in so einer Beziehung mit einem verantwortungsbewussten, älteren Mann die Jugendliche gerade diese, ihr vorenthaltenen Bedürfnisse erfüllt bekommt. Das Wohl des Kindes steht sehr wohl im absoluten Mittelpunkt und hat Priorität vor den Rechten und der Verantwortung von Erziehungsberechtigten, auch vor dem Gesetz. Wir kennen die Hintergründe nicht, wissen nicht, was zu dieser Beziehung geführt hat. Daher sollte man mit moralischen Urteilen sehr vorsichtig sein und darauf vertrauen, dass das Gericht sehr vorsichtig alle Kriterien gegeneinander abgewogen hat, als es dieses Urteil fällte.

O. Berg 02.11.2016 - 10:43:53

Kindeswohl mal ganz anders

- könnte das Wohl des Kindes - hat die Entscheidung des Mädchens ein hohes Gewicht Hier werden m.E. moralische als auch juristische Grundsätze ad absurdum geführt denn die Eltern sind nach wie vor die Erziehungsberechtigten und somit für alle sonstigen Handlungen ihrer Tochter verantwortlich oder hat das Gericht die Eltern aus ihrer Verantwortung entlassen?

Rolf Lustig 02.11.2016 - 10:17:48

15 Jahre

Nach dem Gesetz ist die Dame doch noch minderjährig!?!

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