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Schüler würden Clinton wählen

Ausgezeichnet: Ronny Döhring, Jennifer Berg, Gina-Sophie Kirscht (v. l.) und ihr Strittmatter-Gymnasium in Gransee bekommen für die gute Kooperation mit Schülern aus North Carolina von der US-Botschaft den Transatlantic Award.
Ausgezeichnet: Ronny Döhring, Jennifer Berg, Gina-Sophie Kirscht (v. l.) und ihr Strittmatter-Gymnasium in Gransee bekommen für die gute Kooperation mit Schülern aus North Carolina von der US-Botschaft den Transatlantic Award. © Foto: MOZ
Maria Neuendorff / 08.11.2016, 10:14 Uhr
Gransee/Berlin (MOZ) Hillary Clinton macht das Rennen. Das zumindest ist die Prognose von 3000 deutschen Schülern. Kurz vor der US-Wahl gaben sie in Berlin ihr Voting ab. Zuvor hatten sie sich mit dem Wahlkampf beschäftigt, die einzelnen Bundesstaaten und deren Wählerschaft erforscht.

Die Demokraten schlagen die Republikaner mit 361 zu 177 Stimmen. So lautet am Montagnachmittag das Ergebnis, das am Ende auf der großen elektronischen Karte in der Friedrich-Ebert-Stiftung aufleuchtet. In dem Haus im Berliner Botschaftsviertel haben sich mehr als 160 Repräsentanten von 34  Sekundarschulen, beruflichen Oberschulen und Gymnasien aus sechs Bundesländern versammelt, um ihr Votum abzugeben. Es geht nicht um ihre eigenen Vorlieben, sondern darum, was die Schüler in den vergangenen Wochen im Englisch-Unterricht recherchiert haben. Jede Schule hatte einen der 50 US-Staaten "adoptiert", den sie analysierten. Beleuchtet wurden dabei unter anderem die Demografie, die lokale Berichterstattung, sozioökonomische Verhältnisse und die Wahlgeschichte.

Besonders spannend war der Blick auf die acht sogenannten Swingstates, in denen die Wählerschaft noch hadert. Sie sind das Zünglein an der Waage. Als entscheidend für den Wahlausgang gilt unter anderem North Carolina. Gewinnt die Demokratin Clinton in dem Staat im Südosten der USA, zieht sie als erste Frau ins Oval Office des Weißen Hauses ein, heißt es. Verliert sie, wird es knapp.

"Die Menschen in North Carolina sind traditionell sehr unentschieden", erklärt der 16-jährige Ronny Döhring vom Strittmatter-Gymnasium Gransee. Die Schule aus Oberhavel hat den spannenden Staat zugelost bekommen. Nach den ersten Recherchen gaubten die Elftklässler eigentlich, dass dort Donald Trump das Rennen machen wird.

Doch dann konnten die Brandenburger Schüler eine Highschool vor Ort nach ihrer Meinung befragen. Der Kontakt war nicht einfach. "Skypen konnten wir nicht. Wenn wir vormittags Unterricht hatten, war es in North Carolina noch mitten in der Nacht", erklärt Englisch-Lehrerin Heike Grützmacher. Also schickten die Jugendlichen aus Oberhavel einfach eine Video-Botschaft mit Fragen.

"Trump geht gar nicht", war die Antwort der meisten US-Schüler. Nicht nur, weil er durch seine unmögliche Art kein würdiger Präsident wäre, hieß es. Sondern auch, weil die von ihm propagierte Beschneidung der Rechte von Minderheiten wie zum Beispiel Transsexuellen in North Carolina vielen Menschen bitter aufstieß. Zwar wurden jüngst in dem Bundesstaat am Atlantik die Republikaner gewählt. "Doch mit dieser Regierung sind viele unzufrieden", berichtet Ronny. "15 von 20 der befragten amerikanischen Schüler waren für Clinton."

"Das waren schon wichtige Hinweise, die bei unserem Voting noch einmal die Wende gebracht haben", sagt Heike Grützmacher. Ihre Prognosen haben die Schüler in verschiedenen Präsentationen aufbereitet. Ihre Ergebnisse begründen sie mit Hilfe von zum Teil sehr witzigen Videos, Webseiten, Zeitungsartikeln, Blogs, Postern und Collagen. Wer die Webseite der Granseer Schüler anklickt, sieht das Weiße Haus, vor dem sich Clinton und Trump als Esel und Elefant duellieren. Über ihren Köpfen kann man in Schäfchen-Wolken Argumente für Sieg und Niederlage nachlesen. So verspricht Clinton zum Beispiel Steuererleichterungen für Familien, damit sie ihren Kindern eine bessere Bildung ermöglichen können. Eine Ankündigung, die sicher auch Einfluss auf die Meinung der US-Schüler aus der Partnerschule habe, glauben Ronny und seine Mitschüler.

Für die gute Kommunikation über den Ozean wurde das Strittmatter-Gymnasium am Montag gemeinsam mit vier weiteren Schulen von der US-Botschaft mit dem Transatlantic Award ausgezeichnet, einem Preis für Völkerverständigung. Die US-Nachrichten aus den vergangenen Tagen konnten die Schüler allerdings nicht mehr in ihr Voting einfließen lassen. Abgabetermin war der 30. Oktober. So bleiben etwa die Korruptionsvorwürfe gegen Clinton wegen einer dubiosen Millionen-Spende an die Stiftung ihres Mannes in der Prognose unberücksichtigt.

Jennifer Berg aus Gransee hofft trotzdem, dass die Demokratin die erste Frau im Oval Office sein wird. "Ich persönlich finde es gut, dass sie auf grüne Energie setzt und die Waffengesetze verschärfen will", sagt die Gymnasiastin. Für die 17-Jährige wird es besonders spannend. In der Nacht zu Mittwoch wird sie im ZDF-Sendestudio in Berlin sitzen. Bevor dort gegen 1.40 Uhr live die Ergebnisse aus North Carolina verkündet werden, wird ein Bericht gezeigt, den ein Fernsehteam während der Englisch-Stunden in Gransee gedreht hat. Danach sollen Jenny, eine Mitschülerin und ihre Englisch-Lehrerin das richtige Wahlergebnis kommentieren.

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