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NEB setzt mehr Züge auf der Ostbahn ein

In einem Zug der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) drängen sich am Morgen die Fahrgäste. Aufgenommen wurde das Foto vor wenigen Tagen bei Rehfelde (Märkisch-Oderland). Eine Passagierin schrieb dazu: Ist so eine Beförderung überhaupt zu lässig?
In einem Zug der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) drängen sich am Morgen die Fahrgäste. Aufgenommen wurde das Foto vor wenigen Tagen bei Rehfelde (Märkisch-Oderland). Eine Passagierin schrieb dazu: Ist so eine Beförderung überhaupt zu lässig? © Foto: privat
Andreas Wendt / 08.12.2016, 20:05 Uhr
Potsdam (MOZ) Die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) will nach dem Fahrplanwechsel die angespannte Situation auf der Regionalbahnlinie 26 zwischen Küstrin und Berlin entschärfen. Zusätzlich angemietete Fahrzeuge vom Typ "Talent" sollen laut NEB-Geschäftsführer Detlef Bröcker die Kapazitätsengpässe beseitigen.

Im Infrastrukturausschuss des Landtags kündigte Bröcker am Donnerstag an, mit einer Reihe von Maßnahmen die Lage für die Pendler verbessern zu wollen. Die angemieteten Talent-Züge sollen Bröcker zufolge ab 9. Januar zwischen Berlin und der polnischen Grenze eingesetzt werden, zu Stoßzeiten sogar drei miteinander gekoppelte Triebwagen, "wodurch teilweise 420 statt 280 Sitzplätze angeboten werden können", wie die NEB betont.

Dass es überhaupt zu den desolaten Zuständen auf der sogenannten Ostbahn gekommen ist, sei vor allem der überwiegenden Eingleisigkeit, dem neu eingeführten 20-Minuten-Takt bei der S-Bahn zwischen Strausberg und Strausberg-Nord sowie den Fahrzeugen geschuldet, die die NEB seit Sommer dieses Jahres auf die Strecke schickt.

Kunden der NEB hatten sich seit Monaten über die Qualität der angebotenen Leistungen beschwert. Wie auch das Unternehmen selbst einräumt, ist die Pünktlichkeit von gut 95 auf jetzt 85 Prozent gesunken. So habe es im November lediglich zwölf Tage gegeben, an denen kein Zug mit mehr als zehn Minuten Verspätung unterwegs war. Neben der Verspätung sorgen die überfüllten Züge sowie deren Konstruktion für Frust bei den Reisenden. "Ich würde den Zug nicht auf der Stadtbahn einsetzen", sagte NEB-Geschäftsführer Bröcker, nachdem Bundes- und Landtagsabgeordnete die Kritik von Pendlern aufgegriffen hatten, die sich über lediglich zwei Türen pro Triebwagen beschwerten. Bröcker berief sich auf den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), der in der Ausschreibung jeweils eine Tür für 70 Sitzplätze zur Bedingung gemacht hatte. Diesen Konditionen entspreche das Fahrzeug. Auch er hätte lieber ein Fahrzeug mit vier Türen eingesetzt, doch es gebe keinen Hersteller, der viertürige Züge baut, die sowohl für Deutschland als auch für Polen eine Zulassung haben. Und obwohl die NEB nachträglich zwei dreiteilige Triebwagen mit jeweils 200 Sitzplätzen beim polnischen Hersteller Pesa in Auftrag gab, sind die Bröcker zufolge bislang nicht geliefert und angeblich auch nicht im Bau.

Was den Anstieg der Fahrgastzahlen angeht, sei die NEB seit Ausschreibung der Strecke Ende 2011 von der Realität überrollt worden. "Es ist schwer, eine solche Dynamik vorherzusehen", betonte Bröcker. Das Unternehmen habe es nach Übernahme weiterer Regionalstrecken versäumt, neues Personal zu akquirieren. "Wir waren vorher klein. Das Thema Personal und Ausbildung hatten wir nicht so auf der Agenda", sagt Bröcker. Zudem sei es generell schwierig, geeignetes Personal zu finden, was auch an der Unattraktivität des Jobs liege.

Michael Jungclaus (Bündnis 90/Grüne) regte an, analog zur Berliner S-Bahn Kunden für die Strapazen auf der RB-Linie 26 über einbehaltene Gelder zu entschädigen, was Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) zurückwies. Das sei allein Sache der NEB, nicht des Landes. "Alle Gelder, die wir wegen nicht erbrachter Leistungen einbehalten, setzen wir ein, um die Situation im öffentlichen Personennahverkehr zu verbessern", betonte sie. Jungclaus äußerte zudem sein Unverständnis darüber, dass die Ostbahn-Linie lediglich dem Regional- und nicht dem Fernverkehr zugeordnet wird, obwohl sie Berlin mit Polen verbindet. Andernfalls wäre der Bund als Finanzier mit im Boot.

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Sylvia Maier 09.12.2016 - 23:06:59

Im Zug stehen

Das der VBB "von der Realität überrollt" wurde stimmt natürlich nicht. In Müncheberg wurde z.B. extra ein Abstellgleis eingerichtet damit die 2 gliedrigen Talent Züge entkoppelt und nur mit einem Wagon weiter fahren. Zu diesem Zeitpunkt waren die Züge auch schon sehr voll. Fahrradtouristen oder Reisegruppen verschärften die Situation zusätzlich. DIe NEB hat mit ihrem Exansionswahn völlig versagt. Dei neuen PESA Link Waggons sind völliger Schrott. Sie hätten einfach zustzliche Talent Züge kaufen sollen. Die waren in Ordnung. Aber sie haben die Pesa gekauft um sich in Polen einzuschleimen damit sie die Strecken bis Pila oder weiter bedienen können. Das auf Kosten der Menschen in MOL bzw. Kostrzin. Ich glaube ich fahre ab jetzt Auto.

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