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BER bleibt in Verzug

In Erklärungsnot: Michael Müller (M.) mit BER-Chef Karsten Mühlenfeld (r.) und Staatssekretär Lütke Daldrup
In Erklärungsnot: Michael Müller (M.) mit BER-Chef Karsten Mühlenfeld (r.) und Staatssekretär Lütke Daldrup © Foto: dpa
Andreas Wendt / 08.02.2017, 18:08 Uhr
Schönefeld (MOZ) Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) steht nach der erneuten Verschiebung der BER-Eröffnung unter Druck. Am Mittwoch sorgten auch noch Streiks in Schönefeld und Tegel für 140 ausgefallene Flüge. Und die irische Airline Ryanair attackiert die Preisgestaltung und spricht sich für die Offenhaltung Tegels aus.

Mit 20 Minuten Verspätung kommt Ryanair-Manager David O'Brian am Mittwoch zur Pressekonferenz in Berlins Mitte, entschuldigt sich für die Verzögerung, die nicht etwa seiner Airline, sondern dem streikenden Bodenpersonal in Tegel und Schönefeld geschuldet war und legt sogleich den Finger auf die Wunde der Hauptstadt: "Wenn Tegel schließt, wird Berlin nur ein Fünftel der Flughafenkapazität von London und noch weniger als Dublin besitzen", warnt O'Brian. Das sei eine verlorene Gelegenheit für 15 000 neue indirekte Arbeitsplätze an den Flughäfen und drei Milliarden Euro an zusätzlichen Besucherausgaben.

Dass Ryanair sich für die "Berlin braucht Tegel"-Petition in die Bresche schlägt, ist nicht uneigennützig. Die Iren, die mit dem Start des Winterflugplans von Berlin aus insgesamt 47 Destinationen ansteuern werden, wollen den deutschen Markt trotz der schier übermächtigen Konkurrenz durch Lufthansa und airberlin aufmischen und den Marktanteil von derzeit eher mageren sieben auf satte 20 Prozent steigern. Die vier neuen Routen ab Schönefeld nach Billund (Dänemark), Eilat (Owda/Israel), Kerry (Irland) und Krakau (Polen) sollen die Airline diesem Ziel ein Stück näher bringen.

Zur erneuten Verschiebung der BER-Eröffnung hält sich O'Brian dagegen mit Kommentaren zurück. Am Dienstagabend hatte sich der alte und neue Aufsichtsrats-Vorsitzende, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), um Schadensbegrenzung bemüht. Der BER, der nach erneuten Problemen mit der elektronischen Türsteuerung im Terminal, frühestens im kommenden Jahr eröffnet, sei "kein beispielloser Einzelfall". Auch der Flughafen München habe 25 Jahre von der Beschlussfassung bis zum Start gebraucht, und in Berlin seien eben gleich am Anfang Fehler gemacht worden, "die uns am Ende wieder einholen".

Zugleich kritisierte Müller die Untätigkeit unter seinem Vorgänger Klaus Wowereit nach der geplatzten Eröffnung 2012. Die Jahre 2012 bis 2014 seien sinnlos vertan worden. "Nichts ist nach vorn umgesetzt worden", kritisierte Müller. "2012 hatten wir einen nicht genehmigungsfähigen Flughafen, jetzt haben wir immerhin einen genehmigten."

Axel Vogel, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Grüne im Brandenburger Landtag, bezeichnete am Mittwoch Müllers Rückblick als "bemerkenswertes Eingeständnis der alten Aufsichtsratsbesetzung unter Platzeck und Wowereit", das auch ein neues Licht auf die Notwendigkeit der vom Landesrechnungshof Brandenburg angeregten erneuten Haftungsprüfung des früheren Aufsichtsrates werfe. "Inzwischen dürfte jedermann klar geworden sein, dass der Aufsichtsrat unter den früheren Landeschefs Platzeck und Wowereit das trudelnde Projekt BER gegen die Wand gefahren hat", sagte Vogel und fordert eine unvoreingenommene Haftungsprüfung durch die Gesellschafterversammlung.

Flughafenchef Karsten Mühlenfeld hofft nun, dass die Firmen wie Bosch die Zusage, mehr Personal auf die Baustelle zu schicken, auch einhalten. Nach der Aufsichtsratssitzung am Dienstagabend kündigte er zudem an, den BER nicht mehr Fläche für Fläche im Baukastensystem fertigstellen zu wollen, sondern die Teams künftig nach Gewerken sortiert auf die Baustelle zu schicken. Spätestens im Frühjahr erwartet Aufsichtsrats-Chef Müller von ihm eine belastbare Terminkette bis zur Eröffnung.

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