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Ungeklärte Pläne für einen neuen Tagebau spalten die Kleinstadt Welzow - manch einer würde die Abbaggerung sogar begrüßen

Ein Lausitzort streitet um seine Zukunft

Schaufelrad eines ehemaligen Braunkohle-Baggers bei Proschim. Dem Ortsteil von Welzow droht die Abbaggerung.
Schaufelrad eines ehemaligen Braunkohle-Baggers bei Proschim. Dem Ortsteil von Welzow droht die Abbaggerung. © Foto: ideengrün.de/Markus Pichlmaier
Harriet Stürmer / 22.04.2017, 12:38 Uhr
Welzow (MOZ) Stadt am Tagebaurand oder Tor zum Lausitzer Seenland? Kohleindustrie oder Tourismus? Es sind wegweisende Fragen, die die Welzower (Spree-Neiße) in dieser Zeit umtreiben. Und es gibt höchst unterschiedliche Ansichten dazu, welcher Weg in die Zukunft denn nun der bessere ist. Die einen - zumeist Kumpels und ihre Familien - wünschen sich, dass der Tagebau vor den Toren der 4000-Einwohner-Stadt erweitert wird. Die anderen sehnen sich nach dem Ende der Kohle und einem schnellen Strukturwandel.

Hannelore Wodtke zum Beispiel. Würde es nach ihr gehen, dann würde Welzow-Süd schon bald stillgelegt, die Grube rekultiviert und mit Wasser gefüllt. Und gleichzeitig würde die Stadt ihren Energiebedarf zu 100 Prozent aus Erneuerbaren decken.

Der Strukturwandel dürfe nicht verschlafen werden, warnt Wodtke. Sie verweist auf die Kohle-Kommission des Bundes, die ab dem kommenden Jahr Ideen entwickeln soll, wie Klimaschutz und wirtschaftliche Entwicklung unter einen Hut zu bekommen sind. "Dabei wird es auch um sehr viel Geld für die Lausitz gehen. Wenn wir Welzower nicht aufpassen, gehen wir leer aus", mahnt Wodtke. Schließlich wolle niemand in den Strukturwandel investieren, wenn die Hälfte der Stadt abgebaggert werde.

Sonderlich viele Welzower scheint Wodtke von ihren Visionen bislang allerdings nicht überzeugen zu können. Jedenfalls konnte sie gerade mal zwei Dutzend Zuhörer verbuchen, als sie vor wenigen Tagen zu einer Wahlveranstaltung lud.

Denen, die in Welzow auf politischer und gesellschaftlicher Ebene für einen besseren Schutz der von Lärm und Staub geplagten Tagebau-Anwohner kämpfen, gilt Wodtke schon seit Jahren als Galionsfigur. Nun hat sie sich von der Wählerinitiative "Grüne Zukunft Welzow" (GZW) erstmals auch als Kandidatin für die bevorstehende Bürgermeisterwahl aufstellen lassen. Stärkste Konkurrentin dürfte die amtierende Rathauschefin Birgit Zuchold (SPD) sein, der ihre Gegner gern eine Nähe zur Kohleindustrie nachsagen.

In einem Punkt sind sich die Frauen allerdings einig. Beide wünschen sich, dass es bald eine Entscheidung zum Tagebau Welzow-Süd II gibt. Zuletzt hatte der Tagebaubetreiber Leag verkündet, auf die geplante Grube Jänschwalde-Nord zu verzichten. In Welzow aber herrscht weiter Ungewissheit, ob 800 Menschen umgesiedelt werden müssen - wobei manch einer mit Blick auf die Entschädigung sogar einräumt, kein Problem damit zu haben, Haus und Hof zu verlieren.

Indes fordert Wodtke ihre Anhänger auf, jetzt nicht die Hände in den Schoß zu legen. "Wollen wir andere über unser Schicksal entscheiden lassen oder endlich einmal kämpfen und unsere Ansprüche klar definieren?", fragt sie.

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