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Zur schlechten Öko-Bilanz der Batterien kommt in Brandenburg noch der schmutzige Kohlestrom

Freie Wähler zweifeln am E-Auto

Fragwürdige Energiebilanz: ein Elektroauto von Tesla an der Ladesäule
Fragwürdige Energiebilanz: ein Elektroauto von Tesla an der Ladesäule © Foto: dpa
Mathias Hausding / 14.08.2017, 07:25 Uhr
Potsdam (MOZ) Die Landtagsgruppe BVB/Freie Wähler zweifelt mit dem Verweis auf neue Studien am Nutzen von E-Autos für Brandenburger. Man wolle "dem Elektroauto-Hype mit klaren Zahlen und Fakten entgegentreten", heißt es in einer Mitteilung. "Aktuelle Studien zeigen, dass in Brandenburg kaum CO2-Einsparungen möglich sind."

Konkret beziehen sich die Freien Wähler auf eine Expertise des schwedischen Verkehrsministeriums, die in den vergangenen Tagen bereits vielerorts für Diskussionen gesorgt habe. Untersucht wurde demnach, welche CO2-Emissionen bei der Produktion der benötigten Lithium-Ionen-Batterien zu erwarten sind. Das Ergebnis war ernüchternd. Unter schwedischen Verhältnissen rechne sich ein Fahrzeugtyp mit hoher Batteriekapazität erst nach acht Jahren.

Gestützt auf die Daten der schwedischen Studie stellte sich die Landtagsgruppe nun die Frage, ab welcher Fahrtleistung sich in Brandenburg eine Reduktion der unerwünschten Emissionen einstellen würde - falls überhaupt. Demnach sei bei den weltweit verbreitetsten Zellen chinesischer Produktion mit einer Emission von 159 Kilogramm CO2 pro Kilowattstunde zu rechnen. Somit würden sich für ein Auto mit einer hohen Akku-Kapazität von 85 Kilowattstunden - wie etwa beim Tesla S - bei der Herstellung der Batterien Emissionen in Höhe von mehr als 13 Tonnen Kohlendioxid ergeben. Bei einer kleinen Batterie wären sie auf Kosten der Reichweite deutlich geringer.

Zu berücksichtigen für die Öko-Bilanz eines Elektroautos sei zudem die Art der Energieproduktion in Brandenburg. Es werde dabei nämlich vergleichsweise viel CO2 freigesetzt. Insgesamt habe der Energiemix Brandenburgs einen durchschnittlichen Ausstoß von rund 800 Gramm Kohlendioxid je Kilowattstunde. Bei einem Elektroenergieverbrauch eines E-Autos von 18,3 Kilowattstunden pro 100 Kilometer ergebe dies etwa 14 Kilogramm CO2 pro 100 Kilometer. Im Vergleich dazu produziere ein Mittelklassewagen mit Benzinmotor etwa 34 Kilogramm des unerwünschten Klimagases.

Die Freien Wähler plädieren, daraus "ideologiefreie Schlussfolgerungen" zu ziehen. "Mit dem Brandenburger Energiemix zu fahren, reduziert per Saldo den CO2-Ausstoß um rund 20 Kilogramm pro 100 Kilometer", heißt es. Damit werde der hohe CO2-Ausstoß für die energieintensive Produktion der Batterien erst nach 67 000 Kilometern kompensiert.

Der einzige und zugleich fragwürdige Vorteil sei bis dahin, dass die Abgasemissionen "vom nahen eigenen Auspuff in die Kraftwerke der Lausitz und die fernen chinesischen Fabriken und Kraftwerke ausgelagert werden". Ob das die hohen Anschaffungskosten und die geringe Reichweite von E-Autos rechtfertige, sei zweifelhaft. Die Abgeordneten plädieren für weitere Forschungen und ein Miteinander von Umwelt und Wirtschaft.

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Damian Schnelle 16.08.2017 - 13:05:12

Konjunkturprogramm

für deutsche Kfz-Hersteller. So muss man das ganze ehrlicherweise benennen. Und durch die hochgradige politische Aufheizung ist wieder einmal der Punkt erreicht, an dem Fakten nicht mehr zählen. Da gibt es keinen Unterschied zwischen den Verbrennungsmotor- und den Elektroautobefürwortern. Nur, dass sich die E-Autobefürworter eben auch (vielleicht ungewollt) als Konjunkturstütze der Autoindustrie missbrauchen lassen. Es lassen sich ein Dutzend gute Gründe gegen das E-Auto in seiner jetzigen Form ins Feld führen. Genauso kann man den Verbrennungsmotor weiter betreiben, nur müssen dann die Hersteller endlich eine sinnvolle technische (nicht Software) Nachrüstung bezahlen. Was sie nicht wollen. Die Politik könnte hier tätig werden. Aber wer will denn schon zum nächsten Geburtstag eines Autohersteller-Vorstandes ausgeladen werden oder den sicheren Vorstandsplatz nach der Politikerzeit aufs Spiel setzen?

Piefke Saga 16.08.2017 - 12:46:20

Erst einmal, wenn ich mir so vorstelle, Laternenparker, - 20 bis - 25 ° C

Was sagt der "Sammler", der Akku? Pftt tt t t t ... o .. o... o (folgt Stille) Was sagt der Fahrer? Brrrrr rrrr rrrr rrrr rrrr rrrr Mann, ist des saukalt hier ... Falls der Wagen doch wider Erwarten läuft ... nach zehn Kilometern findet man ihn festgefroren am Lenkrad und der Rettungsdienst rückt mit Eispickel an ... Und dann wär dann noch die Frage "Wo ist der E-Motor?" ... neben dem Fahrzeugführer ... damit er was von den 70% abbekommt, die verlustig gehen? Bleibt nur über ... Zusatzheizung so etwas wie das hier? Link: http://storchenlaedchen.eshop.t-online.de/WebRoot/Store3/Shops/Shop41370/4FD6/05CD/A68F/E242/E24C/AC14/504A/5629/Out_of_the_Blue_082.jpg (... ist übrigens Afd- und Trum:P- also GOP- tauglich)

Ho Wetzel 16.08.2017 - 11:14:15

Zusatzheizung

Eine deutsche Autozeitung hat den Tesla getestet. Volle Leistung, Schnellladung:Ergebnis 160 km und 30% Wirkungsgrad! Die restlichen 70% sind dann nutzbare Wärme! Praktisch ..- oder ;-)

Piefke Saga 15.08.2017 - 19:38:35

"Nur-Elektro-Autos" ...

Was machen die Fahrer mit denen eigentlich im tiefsten Winter? Frieren die sich im eiskalten Auto und durch die kälte kraftlosen Akku den Hintern ab? OK, dann baut man halt 'ne Zusatzheizung ein. Und die läuft mit?

Kurt Crampmeyer 14.08.2017 - 23:08:33

die Diskusson um die E-Moblität

ist längst keine sachchliche mehr, da ideologisch, ja fast schon pseudoreligiös besetzt. Zig tausende in Mehrfamilien und Hochhäusern wohnende Laternenparker in deutschen Städten kämpfen jeden Abend um einen Parkplatz.. Wie diese Autos als E-Mobile jemals mit Strom geladen werden sollen, kommt in den Phantastereien der Befürworter gar nicht vor, da die Antworten zu unbequem sind.

Paul Müller 14.08.2017 - 22:32:51

Fahzeugbatterien sollten glaube das grosse Speicherproblem ...

... der "Energiewende" lösen. Viel Sonnen und/oder Windstrom, sollten in einer vernetzten Ladeumgebung die Fahrzeuge mit Strom befüllen und bei Flaute dem Netz wieder beimischen. Naja, dann müsste jeder Parkplatz mit dem Internet vernetzt werden und über einen Ladeplatz (50 Hz 400V Netz in Ladespannung des Schnellladesystem = viel Leistung ) mit netzsynchronisiertem Wechselrichter (Batteriegleichspannung in 400 V/ 3Phasen 50Hz um die Energie der Batterie wieder ins Netz zu bekommen :) verfügen ! lol ne, ich bleibe aus Kostengründen beim Diesel ! Vor 2 Monaten habe ich für ein Projekt eine 10KW 400V 3~Phasen USV Anlage bestellt. Diese kostet soviel wie ein Kleinwagen von Kia ;) Das sind so die Preisregionen von denen wir bei der dezentralen Energiewende sprechen ...

Jörg Jeschke 14.08.2017 - 13:42:22

Mogelpackungen

Wind, Wasser und Solar - wenn die Anlagen in Betrieb sind geht´s ohne Emissionen, aber wieviel wurde während der Produktion freigesetzt? Wie lange muss z.B. eine Solarzelle arbeiten, bis sie die für sie verbrauchte Energie wieder erzeugt hat? Hält sie überhaupt so lange?

Werner Matzat 14.08.2017 - 10:44:52

Aufklärungsbericht!!! - Forscher über Gesamtbilanz von Fahrzeugen: „Elektroauto ist ähnlich schädlich wie ein Diesel“

Der Verbrennungsmotor ist dank einer tricksenden Industrie längst nicht so sauber, wie viele lange dachten. Elektroautos gelten als saubere Alternative. Doch wenn man auch die Produktion von Strom und der Autos mitrechnet, sieht das ganz anders aus, sagt der Leiter des Umwelt- und Prognoseinstituts. In einem Punkt aber scheinen sich alle einig zu sein: Für die Umwelt sind Elektrofahrzeuge grundsätzlich die bessere Wahl. Das Umwelt- und Prognoseinstitut, ein gemeinnütziges Forschungsinstitut mit Sitz in Heidelberg, kommt allerdings zu ganz anderen Ergebnissen. Der Leiter des Instituts, Dieter Teufel, sagte im Deutschlandfunk Kultur, der Ausbau regenerativer Energien ersetze bis 2030 lediglich den Strom, der durch die Abschaltung der Atomkraftwerke wegfalle. Die Verstromung von Stein- und Braunkohle werde im gleichen Zeitraum ungefähr gleich bleiben. Teufel weiter: „Daraus entsteht bei der Stromerzeugung für die Elektroautos relativ viel CO2. Und wenn man eine Gesamtbilanz macht, Betrieb der Elektroautos und Herstellung der Elektroautos, insbesondere der Batterie, dann ergibt sich, dass ein einzelnes Elektroauto von der Klimawirksamkeit her praktisch ähnlich schädlich ist wie ein Benziner oder Diesel.“ Quelle: http://www.deutschlandfunkkultur.de/forscher-ueber-gesamtbilanz-von-fahrzeugen-elektroauto-ist.1008.de.html?dram:article_id=392519 Elektroautos sind für die Umwelt nur dann gut, wenn sie mit Wind-, Wasser- oder Solarstrom unterwegs sind. Eine komplette Umstellung auf Elektroautos wäre in der Gesamtbilanz, in der auch der Ressourcenverbrauch bei der Herstellung der Wagen einfließt, laut Teufel vor diesem Hintergrund sogar schädlicher für die Umwelt, als wenn wir einfach nichts tun würden.

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