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Verstörende Bilder aus Schweinezucht bei Beeskow / Anzeige setzt Kontrollbehörde unter Druck

Veterinäramt weist Vorwürfe zurück

Die Agrargenossenschaft Günthersdorf (Oder-Spree)
Die Agrargenossenschaft Günthersdorf (Oder-Spree) © Foto: MOZ/Jörg Kühl
Jörg Kühl / 08.09.2017, 20:46 Uhr - Aktualisiert 08.09.2017, 22:19
Günthersdorf (MOZ) Ferkel, die verdreckt, verletzt oder krankhaft aufgebläht sind, Kadaver mit Bissspuren, ein Jungtier, das mit der Schnauze unter einem Absperrgitter klemmt: Mit diesen verstörenden Bildern prangert die Tierschutzorganisation PETA Zustände an, die im Juni in der Agrargenossenschaft Günthersdorf (Oder-Spree) heimlich gefilmt wurden.

Es sind nicht die ersten derartigen Aufnahmen aus dem Günthersdorfer Betrieb: Bereits im Februar waren den Tierschützern Bilder zugespielt worden, die mutmaßlich Verstöße gegen das Tierschutzrecht dokumentieren. PETA hatte daraufhin den Betrieb bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) angezeigt. Die neuen Aufnahmen von Juni dokumentieren nach Überzeugung von PETA, das sich an den Zuständen in der Günthersdorfer Ferkelproduktion wenig geändert hat. Deshalb haben die Aktivisten nun auch die zuständige Kontrollbehörde, das Veterinäramt Oder-Spree, wegen Vernachlässigung der Amtspflichten bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) angezeigt.

Massive Behördenkritik hagelt es auch aus den Reihen der Grünen. Es sei "unverständlich, warum trotz der Kenntnisse der katastrophalen Zustände in der Agrargenossenschaft Günthersdorf von Seiten des Veterinäramts nicht umgehend eingegriffen und der Betrieb geschlossen wurde", kritisiert Jan Sommer, Direktkandidat im Bundestagswahlkreis Märkisch Oderland.

Die Behörde wehrt sich gegen die Vorwürfe. Man habe seit dem ersten Hinweis auf den Skandal am 23. Februar umgehend reagiert, versichert der Leiter der Behörde, Amtstierarzt Thomas Maczek. Zu den Maßnahmen, zähle ein Katalog von Auflagen, mit denen die Agrargenossenschaft konfrontiert worden sei, und deren Einhaltung seitdem mindestens 14-tägig kontrolliert werde. Dazu zählen Verbesserungen im Bereich der Hygiene, der baulichen Anlagen, der betrieblichen Abläufe und der Kontrollen. Die Auflagen, die schnell umzusetzen waren, habe der Betrieb inzwischen erledigt, die längerfristig umzusetzenden Auflagen seien in Arbeit.

Das von PETA veröffentlichte Bildmaterial sei nicht für den ganzen Betrieb repräsentativ, so Maczek weiter. "Gefilmt wurde der Bereich, in dem kranke und sterbende Tiere von den anderen separiert werden, bis der vom Betrieb bestellte Tierarzt sie behandelt oder einschläfert."

Maczek räumt ein, dass die Haltung in einigen Bereichen des zu DDR-Zeiten gebauten Betriebs nicht mehr zeitgemäß sei. "Wir warten auf die neue Nutztierhaltungs-Verordnung. Aus dieser müssen wir neue Standards, etwa zur Größe der Boxen, ableiten."

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Rolf Lustig 09.09.2017 - 09:25:27

Herr Amtstierarzt

Hier stinkt ja einiges von ihren Aussagen gen Himmel. Wie lange müssen denn Tiere, wenn sie krank separiert werden leiden, bis ein Tierarzt sie behandelt? Oder sollen sie einfach so krepieren, damit sich der Betrieb die Kosten für den Arzt spart? Wie kommen dann aber Bilder zustande, die offensichtlich kranke Tiere, schwer kranke Tiere, zwischen gesunden zeigen? Wird hier der Betrieb durch das Amt gedeckt und wenn ja, warum?

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