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Mutter bricht Kontakt zu ihrem dreijährigen Sohn ab

Familienrecht
Sorgerechtsstreit nach Entführung eskaliert

Christian Steinke wiedervereint mit seinem Sohn
Christian Steinke wiedervereint mit seinem Sohn © Foto: privat
Mathias Hausding / 06.10.2017, 00:40 Uhr - Aktualisiert 05.10.2017, 22:41
Potsdam (MOZ) Vor einiger Zeit hatte diese Zeitung wiederholt über die Entführung eines Kindes durch die eigene Mutter berichtet. Der Junge ist inzwischen wieder da, aber es gibt weiter große Probleme. Der Fall zeigt exemplarisch die Tücken des Familienrechts.

Der inzwischen drei Jahre alte Jakob (Name geändert) war ab Ende Januar für 127 Tage verschwunden, von der eigenen Mutter an einen unbekannten Ort entführt. Das ist eine Straftat, denn der Vater hat das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht und seit April auch das alleinige Sorgerecht. Es war schließlich eine Privatperson, die dem besorgten Kindsvater am 1. Juni den Tipp gab, wo Mutter und Kind sich aufhalten. Christian Steinke rief die Polizei, die zu der entsprechenden Wohnung in Bernau eilte und nach Auskunft einer Sprecherin die Übergabe des Jungen "einvernehmlich und ohne Komplikationen" über die Bühne brachte.

Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Und wie finden die getrennt lebenden Eltern im Interesse des Kindes wieder zu einem normalen Miteinander? Stand heute, vier Monate nach Ende der Entführung, ist es darum nicht gut bestellt. Laut einer Notiz des Familiengerichts in Berlin hat die Kindsmutter in der vergangenen Woche den Abbruch des Kontakts zu ihrem Sohn erklärt. Die Vorgaben, unter denen sie Jakob zuletzt sehen durfte, seien belastend.

Den Vater Christian Steinke stimmt das traurig. Kontakt zu beiden Elternteilen sei für den Jungen wichtig. Der 35-Jährige, IT-Experte in einem großen Berlin-Brandenburger Unternehmen, hatte nach der Entführung betont, dass die Mutter weiter Teil von Jakobs Leben bleiben solle. "Ich liebe meinen Sohn, und da gehört die Mama dazu", sagte er dieser Zeitung.

Allerdings sollte es für die in Brandenburg lebende Mutter zunächst nur begleiteten Umgang unter Aufsicht des Jugendamts geben. So bestimmte es auch das Gericht. "Es gewährte allerdings gleich drei Stunden, pro Woche insgesamt sechs Stunden", erzählt Christian Steinke. In seinen Augen wären zwei mal zwei Stunden für den Anfang das Maximum gewesen. Schließlich sei der Junge durch die Entführung traumatisiert.

Steinke fügte sich, wie er auch andere in seinen Augen problematische Anordnungen ertrug. Jedoch sieht er seinen Sohn als Opfer diverser Fehler von Gericht und Behörden, die den Streit eskalieren lassen hätten. Als Sieger, da die Mutter nun den Kontakt zum Kind abgebrochen hat, fühlt er sich nicht. Unerklärlich sei etwa, wieso die Ermittlungsbehörden während des viermonatigen Verschwindens kaum etwas unternahmen, um den Jungen zu finden. Hinter vorgehaltener Hand ist als Begründung zu hören, dass man die psychisch labile und zum Konsum illegaler Drogen neigende Mutter im Interesse des Kindeswohls nicht durch Ermittlungen unter zusätzlichen Druck setzen wollte. Offiziell lehnen Staatsanwaltschaft und Gericht Stellungnahmen mit Verweis auf das laufende Verfahren und die Beteiligung von Minderjährigen ab.

Christian Steinkes Anwältin findet das Agieren der Ermittlungsbehörden "skandalös". Auch das Herangehen der Familienrichterin sei kritikwürdig. "Sie hatte schon vor der Entführung zu viel Mitleid mit der Mutter, den Vater hingegen beurteilte sie meist kritisch. So wäre es von Anfang an im Interesse des Kindes gewesen, für klare rechtliche Verhältnisse zu sorgen. Die einzig stabile Basis für Jakob ist der Vater", sagt Lilian Widra. Leider sei es beim Familiengericht oft Glücksache, an wen man gerät. Der Ermessensspielraum von Richtern sei hier riesig, so die Juristin.

Markus Witt von der Initiative "Väteraufbruch für Kinder" sieht das ähnlich: "Wen der Richter nicht mag, der hat keine Chance. Für einen Befangenheitsantrag gibt es nur ein müdes Lächeln," berichtet er von Beratungen in Sorgerechtsstreitigkeiten. Es fehle leider oft der Blick auf das Kind, stattdessen würden Richter an alten Rollenmodellen festhalten und die Bedeutung von Müttern höher einschätzen als die von Vätern.

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Kristina Becker 06.11.2017 - 15:27:48

Schreibfehler

Es sollte natürlich "einseitiger Bericht" und nicht "eindeutiger Bericht" heißen. Hier noch ein Bericht zu o.g. Thema: https://www.tag24.de/nachrichten/sara-kulka-hilft-kristina-becker-im-fall-von-daria-die-im-kinderheim-sitzt-289937

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