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Spendenaktion "Vergessene Kunstwerke" widmet sich Barockmalereien in der Uckermark

Spenden gesucht
Sinnbilder warten auf Erweckung

Die Dorfkirche in Kunow ist ein spätgotischer Feldsteinbau aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Die Innenausstattung stammt überwiegend vom Anfang des 18. Jahrhunderts.
Die Dorfkirche in Kunow ist ein spätgotischer Feldsteinbau aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Die Innenausstattung stammt überwiegend vom Anfang des 18. Jahrhunderts. © Foto: BLDAM 2017
Ulrich Thiessen / 30.11.2017, 06:55 Uhr - Aktualisiert 01.12.2017, 13:17
Kunow (MOZ) 320 Stadtkirchen, 1500 Dorfkirchen, 17 Klosteranlagen und 260 Pfarrhäuser konnten seit 1990 in Brandenburg gesichert werden. In so manchem Gotteshaus schlummert aber noch ein unentdeckter Schatz, der gerettet werden muss. Die diesjährige Spendenaktion richtet den Blick auf die Dorfkirche in Kunow.

Seit zehn Jahren organisieren der Förderkreis Alte Kirchen, das Landesdenkmalamt und das Kulturministerium in der Adventszeit einen Spendenaufruf unter dem Motto: "Vergessene Kunstwerke". Einige Jahre lang sammelte man Geld für die Restaurierung von Taufengeln - eine in Vergessenheit geratene brandenburgische Tradition, die mit überwältigendem Erfolg wiederbelebt wurde.

Im vergangenen Jahr ging es um ein Epitaphgemälde der Dorfkirche Blankensee (Teltow-Fläming), das nun wieder in frischen Farben glänzt. In diesem Jahr richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Dorfkirche in Kunow bei Schwedt (Uckermark), die mit einer Besonderheit aufwartet: Die Kirchenbänke schmücken 61 Barockgemälde - emblematische Kunst, wie Landeskonservator Thomas Drachenberg am Mittwoch in Potsdam erklärte.

Es handelt sich dabei nicht wie in Gotteshäusern üblich um Bibelszenen aus dem Alten oder Neuen Testament, sondern um Zitate aus der Heiligen Schrift oder einfach um Sinnsprüche, die illustriert wurden. Drachenberg betonte, dass der Betrachter sie leicht entschlüsseln kann und dabei auch den mitunter feinen Humor entdeckt.

Ein Beispiel ist mit dem Zitat überschrieben: "Wie schwer ist meine Last". Zu sehen ist ein rotes Herz, das auf vielen Bildern das glaubende Individuum darstellt, wie es unter einem Berg von Gepäck zusammenbricht - kurz bevor es die rettende Stadt erreicht. Das Zitat "Ich werde gesundt gemacht" zeigt eine Hand, die aus dem Himmel ragt und eine Weintraube über einem angeschossenen Herz zerdrückt. Ein Bild mit einem Raben, der unter einer Gießkanne steht, versinnbildlicht eine Volksweisheit: "Ach, ach, Schwarz vor wie nach" steht über der Darstellung und verdeutlicht, dass man Schwarzes nicht weißwaschen kann.

Ähnliche Sinnbilder existieren auch in anderen Kirchen der Uckermark, in Pommern, in Dänemark und Schweden. Die Herzsymbolik geht auf den Stettiner Theologen Daniel Cramer zurück, der 100 solcher Bilder ab 1617 publizierte. Nirgends, so Drachenberg, gibt es jedoch ein so umfangreiches Bildprogramm wie in Kunow.

Die Initiatoren hoffen darauf, dass mit der Spendenaktion 17 000 Euro eingesammelt werden können. Das würde reichen, um die insgesamt zwölf Bilder des nördlichen Kastengestühls restaurieren zu können. Einige Gemälde haben bereits deutliche Fehlstellen, bei anderen scheint die Grundierung durch. Um alle 61 barocken Kunstwerke aufzuarbeiten, sind laut Landeskonservator rund 90 000 Euro erforderlich. Wie in anderen Fällen auch erhoffen sich die Denkmalpfleger vom Erfolg einer ersten Restaurierung Impulse für weitere Spendenaktionen.

Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, verwies am Mittwoch darauf, dass die Dorfkirchen mehr als Orte des Gebets sind. Sie spielten eine wichtige Rolle als sozialer Mittelpunkt, nicht nur für die Mitglieder der Gemeinden. In Zeiten, in denen Bewohner ländlicher Regionen sich abgehängt fühlen, komme auch den Dorfkirchen als Symbol der Heimat eine besondere Bedeutung zu.

Spendenkonto für "Vergessene Kunstwerke" - Empfänger: Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.; IBAN: DE94 5206 0410 0003 9113 90; BIC: GENODEF1EK1; Stichwort: Kunow

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