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Eine Sonderschau im Technikmuseum zeigt 29 historische Fahrzeuge, die sonst nicht zu sehen sind

Technikmuseum
Aus dem Depot ins Rampenlicht

Brandenburger Herkunft: Kurator Lars Quadejacob neben einem Brennabor Typ S von 1923
Brandenburger Herkunft: Kurator Lars Quadejacob neben einem Brennabor Typ S von 1923 © Foto: MOZ
Maria Neuendorff / 06.12.2017, 06:30 Uhr
Berlin (MOZ) Das Technikmuseum in Kreuzberg verfügt über mehr als 200 historische Autos. Doch nur rund 30 sind dauerhaft ausgestellt. Umbauarbeiten in den Depots bieten ab heute die Gelegenheit, 29 weitere Fahrzeuge aus der Sammlung zu sehen.

Der Lenker ist aus Holz. Die Karosserie mit Stoff überspannt. Die schmale Kühlerhaube mit Handkurbel sieht aus wie das Gehäuse eines alten Radios. Die Scheinwerfer stehen ab wie die Fühler eines Insekts. Der Brennabor Typ S wurde 1923 in Brandenburg an der Havel gebaut. Die Firma Brennabor, dessen Gründer während des Ersten Weltkrieges in Detroit die US-Produktion studiert hatte, führte als erster deutscher Automobilhersteller die Fließbandfertigung ein.

"Allerdings gab es in Deutschland zu der Zeit gar keine Kaufkraft", berichtet Lars Quadejacob, Kurator der neuen Ausstellung im Technikmuseum. In einer Sonderhalle an der Ladestraße stehen nun alte Adler, Fords, Maybachs und Wanderers. Manche sehen aus wie neu, andere sind leicht verbeult, haben Roststellen und Kratzer in der Windschutzscheibe. Ein VW-Bretzel-Käfer ruft Erinnerungen an die 50er-Jahre wach. Mit dem Tempo-Dreirad konnten Geschäftsgründer in der Wirtschaftswunderzeit Lasten ohne Führerschein transportieren.

Auch die Weltpolitik spiegelt sich wider. Etwa beim EMW 340 - der ostdeutschen "Beinahe-Kopie" eines BMW-Vorkriegswagens. Die Produktionsanlagen von BMW waren 1945 im thüringischen Eisenach verblieben. In der schwierigen Zeit des Kalten Krieges konnte das Münchener Unternehmen erst 1952 seine Urheberrechte durchsetzen. Aber auch Stilikonen wie der hellblaue Citroën DS 19 aus dem Jahr 1960 und das experimentelle Elektroauto Ford Berliner von 1968 sind zu sehen.

"Die ausgewählten Automobile stehen dabei nicht nur für technische Meilensteine, sondern geben auch sozialgeschichtliche Einblicke", erklärt Kurator Quadejacob. Zudem wolle man einen Einblick in die Depotarbeit geben. Denn auch dort müssten die Schätze in Schuss gehalten werden, die auch immer wieder an andere Museen ausgeliehen werden. Durch die organischen Stoffe wie Holz und Leder müsste der Befall durch Wanzen bekämpft werden. Dazu würden die Autos regelmäßig in einem Hochseecontainer auf minus 40 Grad heruntergekühlt.

Während der Ausstellungszeit soll zu der Herkunft der Fahrzeuge weiter geforscht werden. "Wir haben die Sammlung ja erst in den 80er-Jahren übernommen", erklärt Quadejacob. So müsste geprüft werden, ob Oldtimer nicht vielleicht von jüdischen Vorbesitzern in der Nazizeit illegal entwendet wurden.

"Umgeparkt - Autos aus dem Depot" bis 31. Juli, Technikmuseum, Ladestraße, Zugang über Möckernstraße 26, Di-Fr: 9-17:30 Uhr, Sa, So, 10-18 Uhr. Der Eintritt für 8 Euro gilt für das gesamte Museum

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