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Das geplante Netz von Ehrenamtlern offenbart ein Jahr nach dem Start noch große Lücken

Biberberater gesucht

Umstrittene Nager: Weil es inzwischen fast überall in Brandenburg Biber gibt, sollen Ehrenamtler als Berater helfen.
Umstrittene Nager: Weil es inzwischen fast überall in Brandenburg Biber gibt, sollen Ehrenamtler als Berater helfen. © Foto: dpa/Patrick Pleul
Mathias Hausding / 12.01.2018, 19:04 Uhr - Aktualisiert 12.01.2018, 19:23
Potsdam (MOZ) Vor einem Jahr hat das Land 30 ehrenamtliche Biberberater schulen lassen. Nur die Hälfte davon haben daraufhin ihre Posten angetreten. In vielen Regionen fehlen also weiterhin Ansprechpartner bei Problemen. Das sorgt für Frust.

„Ehrenamtliche Biberberater nehmen ihre Arbeit auf.“ So optimistisch war im Frühjahr 2017 eine Mitteilung des Umweltministeriums überschrieben. Zuvor hatten 30 engagierte Bürger im Rahmen einer Schulung den sogenannten Sachkundenachweis erworben. Als ein wichtiger Teil des Plans für das Bibermanagement sollten sie Bauern und Privatleute bei Ärger mit dem Nager beraten und in Abstimmung mit den Behörden Lösungen finden.

Tatsächlich aber sucht man ein Jahr nach Schulungsbeginn in weiten Landesteilen diese Biberberater nach wie vor vergeblich. „Das Land tut so, als laufe alles ganz toll. In Wahrheit gibt es in ganzen Landstrichen nach wie vor keinen Ansprechpartner, obwohl die Probleme mit dem Biber flächendeckend zunehmen“, kritisiert Manuela Henkel vom Verein „Familienbetriebe Land und Forst Brandenburg“.

Laut Umweltministerium wurden bislang in elf von 18  Kreisen und kreisfreien Städten Berater bestellt. Ebbe herrscht demnach in Oberhavel, Barnim, Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz sowie in Frankfurt (Oder) und Cottbus, während allein in Spree-Neiße vier Berater am Werk sind.

Manuela Henkel ärgert sich außerdem darüber, dass manche Landkreise in ihren Augen mauern, wenn es um Informationen zu den Ehrenamtlern geht.  So musste der Verein die Herausgabe des Beraternamens in Teltow-Fläming mit juristischem Druck erzwingen. „Das ist alles sehr schade. Wir hatten uns wirklich einiges von diesem Betreuernetz als ein gutes Instrument des Naturschutzes erhofft“, kommentiert Gregor Beyer, Chef des Agrarlobby-Verbands Forum Natur.

Einen Hinweis darauf, warum nur die Hälfte der Geschulten ihre Posten angetreten haben, liefert ein Gespräch mit Dirk Schulz, ehrenamtlicher Biberberater im westlichen Teil von Märkisch-Oderland. „Bislang bin ich vier bis fünf Mal pro Monat im Einsatz, fahre dafür auch größere Strecken, bekomme aber nicht einmal das Spritgeld erstattet“, erzählt er. Ihm mache das nicht so viel aus, er betrachte das Engagement als Hobby. Aber andere demotiviere eine solche Aussicht womöglich. Laut Umweltministerium können die Ehrenamtler pro Jahr bis zu 400 Euro Aufwandsentschädigung erhalten.

Dirk Schulz, Inhaber eines Gartenbaubetriebs, wirbt dennoch um neue Mitstreiter. „Der Biber ist überall. Jeder Landkreis sollte mindestens einen Berater haben. Denn nur „berechtigte Personen“ könnten den Behörden Vorschläge unterbreiten, wie bei Problemen mit dem geschützten Nager verfahren werden soll, ob zum Beispiel ausnahmsweise ein Biberdamm abgerissen oder eine Drainage gelegt werden kann.

Das Land will nun im März eine neue Schulung für Biberberater starten. Interessenten können sich noch bis Ende Januar an die jeweiligen Kreisverwaltungen oder direkt an das Ministerium wenden.

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