Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Im Nachbarland läuft am Sonntag eine Hilfsaktion für Kinderkrankenhäuser / Deutsche spenden an der Grenze mit

Begehrte polnische Herzchen

Solche Herzen erhalten die Spender der polnischen Hilfsaktion.
Solche Herzen erhalten die Spender der polnischen Hilfsaktion. © Foto: MOZ/Dietrich Schröder
Dietrich Schröder / 12.01.2018, 19:19 Uhr
Küstrin/Slubice (MOZ) An der traditionellen Spendenaktion  „Großes Orchester der Weihnachtshilfe“ beteiligen sich an diesem Wochenende Zehntausende Polen. Die Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit steht dem Ganzen allerdings kritisch gegenüber.

„Bedzie sie dzialo – Am Sonntag wird wieder eine Menge bei uns los sein.“ Dessen ist sich Zdzislaw Garczarek, der Leiter des Kulturhauses im Grenzort Küstrin (Kostrzyn) gewiss. Ab 15 Uhr gibt es in der an der Straße vom Grenzübergang ins Stadtzentrum gelegenen Freiluftbühne Konzerte regionaler Bands und Versteigerungen.

Die Aktion, die schon zum 26. Mal in ganz Polen stattfindet, dient einem guten Zweck: Die Spenden und Versteigerungserlöse – in Küstrin kommen unter anderem T-Shirts, Präsentkörbe, kleine Kunstwerke und CDs unter den Hammer –  werden für die Anschaffung medizinischer Geräte in Kinderkrankenhäusern verwendet. Und für ihr großes Herz erhalten alle Spender die begehrten Herzchen zum Aufkleben auf ihre Kleidung oder Wangen. Im Sommer finanziert die gleiche Stiftung auch das bekannte Rockfestival „Haltestelle Woodstock“ in Küstrin.

Seit dem Amtsantritt der national-konservativen PiS-Regierung vor zweieinhalb Jahren wird die Aktion aber nicht mehr wie einst von staatlichen Institutionen unterstützt und im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen, sondern im Gegenteil sogar diffamiert. Erst am Mittwoch veröffentlichte die Zeitung „Gazeta Polska“ – das Kampfblatt der PiS-Partei – wieder allerlei Verdächtigungen über die politischen Intetionen des Hauptorganisators Jurek Owsiak. Im Herbst war Owsiak am Kreisgericht in Slubice wegen angeblicher Verleumdung des polnischen Innenministers zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Kurz gesagt stehen sich zwei Geisteshaltungen gegenüber: einerseits die liberalen und europafreundlichen Spendensammler, anderseits die national-konservative Regierung, die lieber kirchliche Sternsinger unterstützt als weltoffene Bürger.

„Sich an unserer Spendenaktion zu beteiligen, ist deshalb fast schon so etwas wie ein Statement gegen die Nationalkonservativen geworden“, bedauert Zdzislaw  Garczarek. Im vergangenen Jahr wurden allerdings genau aus diesem Grund neue Spendenrekorde erzielt –  allein in Küstrin wurden umgerechnet fast 25 000 Euro und in ganz Polen mehr als zehn Millionen Euro eingenommen.

„Dabei wollen wir eigentlich gar keine politische, sondern eine überparteiliche Sammlung sein.“ Das sagt auch Tomasz Pilarski, der wiederum das Kulturhaus in Slubice und die dortige Aktion leitet, die ebenfalls am Sonntag um 14 Uhr beginnt. „Wir werden unter anderem Eintrittskarten für unsere Eisbahn und einen Wochenend-Aufenthalt für zwei Personen in Poznan versteigern“, wirbt Pilarski. Besonders begehrt dürften jedoch ein Trikot sowie die Handschuhe sein, die der aus Slubice stammende Fußball-Nationaltorhüter Lukasz Fabianski für diesen Tag gespendet hat.

Auf die deutschen Besucher an der Veranstaltung im Kulturhaus, aber auch auf die deutschen Spender, die Geld in die Sammelbüchsen werfen, mit der junge Freiwillige im ganzen Ort unterwegs sind, könne man sich verlassen. „Im vergangenen Jahr hatten wir allein 2000 Euro in den Sammelbüchsen, das war toll“, sagt der Kulturhausleiter.

Eine eigene Aktion gibt es übrigens auch in Berlin. Sie wird von in der deutschen Hauptstadt lebenden Polen bereits am Sonnabend im Cafe „LaLuz“ organisiert, dass sich in der Oudenarder Straße 16 im Stadtteil Wedding befindet. „Außer Musik und Versteigerungen gibt es auch polnisches Essen und eine Kinderbetreuung“, wirbt die Leiterin des Organisationsstabes, Dorota Redzikowska. Man freut sich auch dort über jeden Deutschen, der vorbeischaut.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG