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Immer mehr Giftnotrufe aus Brandenburg

"Die Häufigkeit der Anfragen durch Pflegeheime steigt", berichtete Daniela Acquarone. In der Regel gehe es in diesen Fällen um Verwechslungen von Medikamenten oder falsche Dosierungen durch Patienten oder Pflegepersonal.
"Die Häufigkeit der Anfragen durch Pflegeheime steigt", berichtete Daniela Acquarone. In der Regel gehe es in diesen Fällen um Verwechslungen von Medikamenten oder falsche Dosierungen durch Patienten oder Pflegepersonal. © Foto: dpa
dpa / 13.01.2018, 22:00 Uhr - Aktualisiert 13.01.2018, 22:04
Potsdam (dpa) Verschluckte Reinigungstabs, falsche Medikamentendosierung oder gar ein Giftcocktail, um aus dem Leben zu scheiden - die Art der Vergiftungen, die dem Berliner Giftnotruf aus Brandenburg gemeldet werden, variieren stark. Die Anfragen haben in den letzte Jahren zugenommen.

Beim Giftnotruf der Berliner Charité gehen immer mehr Anrufe aus Brandenburg ein. "In den vergangenen fünf Jahren haben wir einen Anstieg um fast zehn Prozent der Anfragen aus Brandenburg zu verzeichnen", sagte die Leiterin des Giftnotrufs, Daniela Acquarone, der Deutschen Presse-Agentur. Nach ihren Angaben erreichten die Charité im Jahr 2016 knapp 3560 Anrufe aus Brandenburg und damit über 300 mehr als noch im Jahr 2012.

Insgesamt habe der Berliner Notruf 2016 mehr als 48 000 Anfragen entgegengenommen. Davon kamen und 7,5 Prozent aus der Mark. Für das noch nicht vollständig erfasste Jahr 2017 erwartet Acquarone eine weitere Steigerung. Seit 1994 ist der Berliner Giftnotruf auch für Anfragen aus Brandenburg zuständig.

Die Notrufstelle ist seit 2012 an der Charité-Universitätsmedizin angesiedelt. Die eingehenden Anfragen stammen aber nur zu 26 Prozent aus der Bundeshauptstadt, wie Acquarone erläuterte. Die restlichen Anrufe kämen aus dem gesamten Bundesgebiet. "Das zeigt, welchen Stellenwert der Berliner Giftnotruf in der Landschaft der deutschen Giftinformationszentren hat", betonte die Toxikologin.

Etwa die Hälfte der Anfragen würden von Privatpersonen gestellt, 40 Prozent stammten aus Krankenhäusern. Zudem gehörten Arztpraxen, ärztliche Notdienste, Apotheken, Kindergärten und Pflegeheime zu den Anrufern.

"Die Häufigkeit der Anfragen durch Pflegeheime steigt", berichtete Daniela Acquarone. In der Regel gehe es in diesen Fällen um Verwechslungen von Medikamenten oder falsche Dosierungen durch Patienten oder Pflegepersonal.

Dass solche Fälle vorkommen, will der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), dem auch zahlreiche Pflegeeinrichtungen in Brandenburg angehören, nicht ausschließen. "Wir führen darüber keine Statistik", sagte bpa-Sprecher Olaf Bentlage. Er gehe jedoch von Einzelfällen aus, weil die Medikamentenausgabe an Arztrezepten orientiert und streng reglementiert sei. Für den Notfall gebe es jeweils hausinterne Instruktionen. Die Telefonnummer des Giftnotrufs sei jeder Einrichtung bekannt.

Neben Arzneien gelten viele Anfragen auch der Verträglichkeit von Wasch- und Reinigungsmitteln sowie von Pflanzen. "Im Spätsommer und Herbst registrieren wie ebenfalls viele Pilzvergiftungen", sagte Acquarone. Ein weiteres wichtiges Thema stellten Vergiftungen durch Drogen dar. Neben Fällen von fahrlässigen Vergiftungen erreichen die Toxikologin und ihr Team auch immer wieder Fälle von Suizidversuchen.

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