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Wie schmeckt die Zukunft? Auf der Grünen Woche kann man unter anderem Insekten-Burger kosten

Grüne Woche
Häppchen für Mutige

Deutschlands erster Insekten-Burger: Max Kultscher bereitet für die Besucher der Grünen Woche Brätlinge vor. Dass sie hauptsächlich aus Würmer-Mehl bestehen, ist äußerlich nicht zu erkennen.  ⇥Foto: MOZ/Maria Neuendorff
Deutschlands erster Insekten-Burger: Max Kultscher bereitet für die Besucher der Grünen Woche Brätlinge vor. Dass sie hauptsächlich aus Würmer-Mehl bestehen, ist äußerlich nicht zu erkennen.  ⇥Foto: MOZ/Maria Neuendorff © Foto: MOZ/Maria Neuendorff
Maria Neuendorff / 20.01.2018, 09:30 Uhr - Aktualisiert 14.03.2019, 17:55
Berlin (MOZ) Insekten-Burger, aufputschender Kakao und Cocktails, die im Toaster erwärmt werden: Auf der Grünen Woche kann man seit Freitag Produkte der Zukunft kosten.

Die gebratenen Fleischstückchen, die da am Stand der Burger-Brater in Schälchen bereit liegen, sehen zum Anbeißen aus. Doch manch ein Häppchenjäger hält abrupt inne, wenn er erfährt, was die Haupt-Zutat ist: „Insekten, artgerecht gezüchtet und reich an  Proteinen“, erklärt Max Kultscher mit freundlichem Lächeln. „Schmeckt ein bisschen wie ein Vegi-Burger“, findet Petra Straßburg, nachdem sie die Mutprobe bestanden hat. Dadurch, dass an dem Messestand keine  Heuschrecken oder Maden zu sehen sind, sei die Überwindung nicht so groß gewesen, erzählt die 52-jährige Berlinerin.

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„Auf solche Bilder wie im Dschungelcamp haben wir bewusst verzichtet. Wir wollen ein seriöses Produkt anbieten“, berichtet der 25-jährige Start-Up-Mitarbeiter. Seine Arbeitgeber haben vor drei Jahren als Touristen Insekten in Thailand auf dem Markt probiert.

Nun liegen ihre knusprigen Burger-Buletten schon seit einiger Zeit in den Tiefkühltruhen niederländischer Supermärkte. Aus Holland kommt auch der zertifizierte Insektenexperte, der die Buffalo-Würmer für die Niedersachsen in Regalen züchtet. „Artgerecht“, wie Kultscher betont. Denn für Insekten sei Massentierhaltung „das Paradies“. So seien die Wurmburger auch für Vegetarier interessant, die wegen überfüllter Ställe auf Fleisch verzichten.

Seit dem  1. Januar gilt in der Europäischen Union eine neue Novel-Food-Verordnung, die unter anderem die Markteinführung von gemahlenen und zu Burger-Klopsen verarbeiteten Insekten vereinfacht. „Die neuen Regellungen erleichtern auch die Einführung von Algenprodukten“, erklärt Manon Struck-Pacyna vom ‎Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL). Unter dem Motto  „Wie schmeckt die Zukunft“ will der Verband einen Vorgeschmack auf  morgen geben. „Algen sind das Nahrungsmittel der Zukunft aus dem Meer“, sagt die Verbandssprecherin. Mit ihnen könnte man nicht nur Salat aufpeppen, sondern auch ein Backmittel produzieren, das für Veganer Eier und Butter ersetzt. „Generell wird die Lebensmittelindustrie in der Zukunft vielfältiger produzieren“, glaubt Manon Struck-Pacyna.

Grüne-Woche-Besucher, die beim Ernährungs-Quiz mitmachen, können ein Quintett-Kartenspiel gewinnen. Die Superfood-Helden heißen Chia-Samen und Quinoa und sind reich an Eiweiß und gesunden Fettsäuren. „Vieles wird schon seit Jahrzehnten in Lateinamerika gegessen und kommt nun bei uns an“, so Struck-Pacyna.

Auch einer der Gründer von „Koawach“ eine Halle weiter kommt aus Kolumbien. In einer Berliner WG mixte er mit einem Kumpel Kakao mit dem aufputschenden Guarana zusammen. Die Kaffee-Alternative können Verbraucher nun an einem der Messestände in der Berlin-Halle in sieben Sorten kosten. „Der Wachmacher Guarana ist für den Körper bekömmlicher als Koffein und hält länger an“, erklärt eine Messe-Verkäuferin, während sie die Tassen zu Saxofon-Musik für einen Euro über den Tresen reicht.

„Die Kinderversion war mir zu süß, aber der Orangen-Kakao ist sehr lecker“, sagt Maximilian Domik, der  gleich am Eröffnungstag zum Messe-Rundgang aufgebrochen ist. „Viele Neuheiten kennt man ja nur im Internet. Hier kann man sie  probieren.“

Wer lieber etwas Kühles will, ist am Stand von „Kukki“ richtig. Die tiefgekühlten Cocktails in der Flasche werden erst seit ein paar Monaten in einer Manufaktur in Berlin-Lichterfelde gemixt und direkt mit Eiswürfeln tiefgefroren. „So halten sie sich mindestens ein Jahr, ohne dass wir Konservierungsstoffe zusetzen müssen“, erklärt Sophie Glaser vom jungen Gründer-Team. Die Pullen mit Wodka, Limettensaft, Ingwer und Gurke müssen dafür  im warmen Wasserbad aufgewärmt werden. Im „Toaster“ mit Infrarotstrahlung, den das Berliner Start Up gleich mitentwickelt hat, dauert die Prozedur nur 30 Sekunden. Die Eiswürfel in den Flaschen bleiben dagegen eine halbe Stunde erhalten. „Wir haben auf unsere Erfindung inzwischen weltweit schon 2500 Patente“, freut sich die junge Unternehmerin.

„Doch umso globaler die Warenströme werden, desto mehr können  Hersteller Lebensmittel auch fälschen“, warnt Nina Banspach vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. An ihrem Stand geht es um Salatöl, das mit Chlorophyll eingefärbt ist, Garnelen, denen man zur Gewichtserhöhung Gel aufspritzt und Haselnusspasten, die mit Erdnüssen verunreinigt sind. „Das ist leider der negative Zukunfttrend.“

www.grünewoche.de

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