Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Prozess
Anwälte der Opfer rechnen mit Jan G. ab

Der Angeklagte (l), im Dreifachmordprozess von Ostbrandenburg, sitzt neben seinem Anwalt Stefan Böhme in einem Verhandlungssaal.
Der Angeklagte (l), im Dreifachmordprozess von Ostbrandenburg, sitzt neben seinem Anwalt Stefan Böhme in einem Verhandlungssaal. © Foto: dpa/Patrick Pleul
Mathias Hausding / 26.01.2018, 16:00 Uhr - Aktualisiert 26.01.2018, 20:08
Frankfurt (Oder) (MOZ) Im Dreifachmordprozess vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) haben sich am Freitagnachmittag zwei Nebenklagevertreter den Forderungen der Staatsanwaltschaft angeschlossen.

Anklagevertreter Jörg Tegge hatte zuvor für Jan G. lebenslange Haft wegen dreifachen Mordes sowie seine anschließende Sicherungsverwahrung gefordert. Als Mordmerkmal diagnostizierte er bei der Tötung der Großmutter eine Verdeckungsabsicht, da der 25-Jährige sie zuvor brutal niedergeschlagen hatte. Bei der Tötung der beiden Polizisten komme darüber hinaus das Mordmerkmal Heimtücke hinzu, da sie keine Chance gehabt haben, dem plötzlichen Angriff auszuweichen, so Tegge.

„Ich folge den Einschätzungen des Staatsanwalts in vollem Umfang“, sagte Rechtsanwalt Dennis Matthies, der die Witwe eines der getöteten Polizisten vertritt. In seinen Augen sei bei dem Angriff auf die Polizisten auch noch das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe gegeben, ergänzte er. Aber dies würde bei der Strafzumessung nicht ins Gewicht fallen. Mit deutlichen Worten richtete sich Matthies dann im Namen seiner Mandantin an den Angeklagten: „Es war eine unerträgliche Nummer, die Sie hier im Verfahren abgezogen haben. Peinlich, selbstherrlich, ständig auf Beleidigungen aus. Es geht Ihnen immer nur um sich selbst.“ Matthies erinnerte daran, in welch erheblichen Maße der Angeklagte Familien zerstört hat. „Sie haben einen Menschen getötet, der sich gerade auf seinen 50. Geburtstag freute und den groß feiern wollte. Sie haben Kindern den Opa genommen.“

This browser does not support the video element.

Video

Jan G. - lebenslange Haft gefordert

Videothek öffnen

Matthies zeigte sich tief verärgert darüber, dass Jan G. die Tragweite seiner Taten noch immer nicht begreifen wolle. „Sie machen einer Zeugin Avancen, schicken ihr anzügliche Briefe. Das ist unerhört.“ Alle kurzen Anflüge von Einsicht in dem Verfahren seien nur Lippenbekenntnisse gewesen. „Sie winden sich aus Ihrer Verantwortung. Ich wünsche Ihnen für die Zukunft kein Glück. Ich wünsche Ihnen aber, dass Sie den von Ihnen angerichteten Schaden endlich realisieren.“

Peter-Michael Diestel, Anwalt der Mutter des Angeklagten, die durch ihren Sohn ihre Mutter verloren hat, sagte an die Adresse des Angeklagten: „Sie haben für längere Zeit das Recht verspielt, unter uns zu leben.“ Diestel erneuerte außerdem seine Vorwürfe in Richtung der Behörden sowie des gesetzlichen Betreuers von Jan G. „Ich habe hier einen dicken Ordner mit den Hilferufen der Familie vor mir. Wenn der Betreuer seine Arbeit ordentlich gemacht hätte, wären drei Menschen noch am Leben.“ Diestel wies Aussagen des Staatsanwalts zurück, wonach auch mangelnde mütterliche Zuneigung und Aufmerksamkeit im Kindesalter Jan G. zu dem werden ließen, der er ist. „So etwas ist leicht gesagt“, kritisierte Diestel. Er habe Leila G. als liebevolle, aber tief verunsicherte Frau kennengelernt. Niemand könne beurteilen, ob die eine oder andere Maßnahme der Mutter den Werdegang ihres Sohnes entscheidend hätte beeinflussen können.

Am Dienstag werden in dem Prozess weitere Plädoyers der Nebenklage sowie der Verteidigung gehört. Am Freitag soll das Urteil gesprochen werden.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG