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Beisetzung
„Fritze“ erfüllte mit Rückübertragung des Familienerbes größte Mission

Letzter Gang: Amelie und Gebhard Graf von Hardenberg am Grab von Friedrich-Carl. Er wurde neben seinen Schwestern Astrid und Reinhild sowie seinen Eltern beigesetzt.
Letzter Gang: Amelie und Gebhard Graf von Hardenberg am Grab von Friedrich-Carl. Er wurde neben seinen Schwestern Astrid und Reinhild sowie seinen Eltern beigesetzt. © Foto: Johann Müller
Doris Steinkraus / 02.02.2018, 19:38 Uhr
Neuhardenberg (MOZ) Er liebte schnelle Autos und seine Heimat. Mit 93 Jahren ist am vorigen Sonntag Friedrich-Carl Graf von Hardenberg gestorben. Am Freitag wurde er auf dem Familienfriedhof in Neuhardenberg (Märkisch-Oderland) beigesetzt.

Es liegt viel Symbolisches in diesem Moment, als zum Auftakt des Beisetzungsgottesdienstes in der Schinkelkirche die Orgel erklingt. Carl Hans Graf von Hardenberg hatte sie 1924 gestiftet – aus Freude, dass ihm seine Frau Renate nach vier Töchtern den ersehnten Sohn und damit einen Erben geschenkt hatte. Unter Klängen der Orgel war sein Sohn Friedrich-Carl getauft und konfirmiert worden. Die Kirche und der Glaube gehörten für ihn und seine Schwestern zum Leben. Dass Angehörige und Freunde in der Kirche von ihm Abschied nehmen würden, sah der Adelsspross schon lange vor seiner schweren Erkrankung als großes Glück.

Denn vier Jahrzehnte lang war die Familie Hardenberg in ihrer langjährigen Heimat verfemt. Für die DDR-Oberen zählte auch nicht, dass sein Vater Carl Hans Graf von Hardenberg zu den Mitverschwörern des Attentats auf Hitler zählte. Nach einem Selbstmordversuch kam er schwer verletzt ins KZ Sachsenhausen, wo ihm ausgerechnet Kommunisten das Leben retten. Nach dem Krieg kehrte er ins Oderland zurück. Doch dort  wollte man ihn nicht. Er ging deshalb nach Göttingen.

Das Schicksal des Grafen wird von Ilona Ziok im Film „Der Junker und der Kommunist“ thematisiert. Friedrich-Carl Graf von Hardenberg war 1944 Soldat der Wehrmacht. Er wurde als Strafe für das Handeln seines Vaters sofort an die Ostfront versetzt. Er überlebte die Kämpfe, folgte der Familie nach dem Krieg in den Westen. Die Sehnsucht nach seiner Heimat erlosch jedoch nie. Trotz strenger preußischer Erziehung hatte er dort eine glückliche  Kindheit und Jugend verbracht.

Pfarrer Stephan Krüger erinnert in seiner Predigt an die vielen Besuche. „Fritze“, wie ihn alle nannten, kam jedes Jahr. Er selbst hatte da längst seine Mission gefunden. Schnelle Autos waren seine Leidenschaft. Er verkaufte erfolgreich Porsches.

„Es war für ihn und seine Schwestern ein unfassbarer Einschnitt, als sich 1990 plötzlich eine Tür öffnete, um den Familienbesitz wieder zu übernehmen“, blickt Pfarrer Krüger zurück. Die Bedingungen konnten ungünstiger nicht sein. In dem einstigen sozialistischen Musterdorf, das seit 1949 zu Ehren von Karl Marx  Marxwalde hieß, lebten viele Offiziersfamilien. Auf dem Flugplatz waren ein Jagdgeschwader und Honeckers Regierungsstaffel stationiert. In Bürgerversammlungen schlug Hardenberg mitunter blanker Hass entgegen.

Die Ablehnung steigerte sich, als die Familie entschied, das rückübertragene Schlossareal an den Sparkassen- und Giroverband zu veräußern. Denn es war schnell klar, dass sich Gewohntes ändern  und zum Beispiel die vor das Schloss gesetzten Neubaublocks verschwinden würden. Friedrich-Carl behielt seine Freundlichkeit, stellte sich auch unliebsamen Fragen.

Erst langsam schlug die Stimmung um. Historische Gebäude und Anlagen wurden saniert. Alle Mieter erhielten moderne Wohnungen. Mit der Stiftung Schloss Neuhardenberg hat der Sparkassen- und Giroverband dem Dorf in vielerlei Hinsicht eine Zukunft gegeben. Es ist eine Kultur- und Begegnungsstätte, in der auch Normalbürger hochkarätige Künstler aus aller Welt erleben können. Der Ort atmet Geschichte und Moderne gleichermaßen. So haben es Friedrich-Carl und auch seine Schwestern gewollt.

Friedrich-Carl sorgte auch dafür, dass der Familienname im Oderland weiter lebt. Er übertrug seinem Neffen Gebhard Graf von Hardenberg Ländereien und das historische Areal der Komturei Lietzen. Dort verbrachte Friedrich-Carl seine letzten Jahre. Die ihn kannten, werden sein aufgeschlossenes, freundliches Wesen sowie sein weitsichtiges Agieren in Erinnerung behalten, zeigt sich Pfarrer Krüger überzeugt. Zu den Klängen „seiner“ Orgel begleiten ihn die Trauergäste zu seinem letzten Gang.

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