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BVB/Freie Wähler fordern Schallüberprüfungen bei bestehenden Windkraftanlagen

Windkraft
Stürmische Zeiten in Bernau

Weitere Riesen auf dem Feld: Bei Albertshof werden zurzeit neue über 200 Meter hohe Windkraftanlagen aufgebaut.
Weitere Riesen auf dem Feld: Bei Albertshof werden zurzeit neue über 200 Meter hohe Windkraftanlagen aufgebaut. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Sabine Rakitin / 06.02.2018, 22:00 Uhr
Bernau (MOZ) Die Fraktion BVB/Freie Wähler hat für die kommende Stadtverordnetenversammlung einen Antrag zur Schallüberprüfung der bestehenden Windräder auf Bernauer Gebiet gestellt. Die Stadtverwaltung soll beauftragt werden, Nachweismessungen beim Landesamt für Umwelt anzufordern.

Der Antrag in Bernau folgt auf einen gescheiterten Versuch Peter Vidas (BVB/Freie Wähler) in der vergangenen Woche im Landtag, eine Schallüberprüfung aller Windkraftanlagen im Land durchzusetzen. Seine Forderung nach flächendeckenden Kontrollmessungen waren von SPD und Linken abgelehnt worden, obwohl die Landesregierung im vergangenen Dezember selbst einen neuen Geräuschimmissionserlass herausgegeben hatte. Dieser findet allerdings nur für neu zu errichtende Anlagen Anwendung.

Im Landtag hatte Vida unter anderem darauf verwiesen, dass in den vergangenen zwei Jahren gerade einmal 28 Anlagen schallüberprüft worden seien - bei über 300 neuen Windrädern. Er warf dem Landesumweltamt zudem vor, Beschwerden der Bürger über Lärmbelästigungen durch Windkraftanlagen nicht ausreichend zu prüfen. Die Überprüfung bestehender Anlagen sei ein viel zu großer Aufwand, hielt Ralf Holzschuher im Namen der Regierungsfraktionen dagegen.

Der Antrag, den der Fraktionschef von BVB/Freie Wähler nun in Bernau eingebracht hat, könnte durchaus von einer Mehrheit mitgetragen werden. Insbesondere das Bündnis für Bernau (BfB) macht sich seit langem dafür stark, dass die Stadt einen größeren Widerstand gegen Windkraftanlagen in ihrem Gebiet und an den Grenzen ihrer Gemarkung an den Tag legt. Einer der größten Kritiker ist beispielsweise BfB-Fraktionschef Detlef Maleuda. In Sichtweite seines Wohnhauses steht ein Windrad. Die davon ausgehende Geräuschkulisse sei derart gravierend, dass das Schlafen bei geöffnetem Fenster nicht mehr möglich sei, beklagte der Birkholzauer. Ortsvorsteher Wolfgang Mischewski überzeugte sich vor Ort und stattete dem Schlafzimmer Maleudas einen Besuch ab. "Wir haben bei Detlef Maleuda im Schlafzimmer um Mitternacht 68 Dezibel gemessen", erzählte er jüngst im Stadtparlament. "Wir sollten uns das nicht gefallen lassen", forderte Mischewski die Stadtverordneten auf. BfB-Mann Maleuda schloss einen Appell an: Die Verantwortung beginnt bei jedem Einzelnen, der hier am Tisch sitzt."

"Der flächendeckende Ausbau der Windkraft in der Nähe von Wohnsiedlungen wird zunehmend kritisiert. Dabei stößt vor allem das Abholzen von Wäldern zur Errichtung der Anlagen und die Tötung beziehungsweise Vergrämung geschützter Vogelarten wie Seeadler, Rotmilane, Fledermäuse auf besonderes Unverständnis", fasst BVB/Freie Wähler-Fraktionschef Péter Vida die Lage im Land zusammen. Hinzukomme, dass Brandenburg aufgrund von Einspeisevergütung und Netzentgelten inzwischen zu den Regionen mit den europaweit höchsten Strompreisen gehöre.

"In Bernau stößt vor allem die geplante Errichtung von Windrädern im Liepnitzwald auf Ablehnung. Doch auch das vermehrte Zubauen in beziehungsweise an den Ortsteilen Ladeburg, Lobetal, Börnicke, Birkholz und Birkholzaue stellt eine massive Beeinträchtigung dar", ist er überzeugt. Und er hat noch eine weitere Nachricht, die den Bernauer Parlamentskollegen kaum gefallen dürfte: Von den 28 Windkraftanlagen in Brandenburg, die 2016 und 2017 von Amts wegen schallüberprüft wurden, stand lediglich eine im Barnim, in Bernau nicht eine.

"Angesichts der immer größer werdenden Anlagen samt der damit einhergehenden steigenden Schallbelastung und der Planung weiterer Anlagen auf dem Gebiet der Stadt Bernau braucht es eine angemessene kommunalen Reaktion", findet Vida. Er weiß: "Die Kommune kann bei Beschwerdefällen Nachweismessungen vom zuständigen Landesamt für Umwelt verlangen."

BVB/Freie Wähler plädieren dafür, einen Antrag ans Landesumweltamt zu stellen, um eine Immissionsüberprüfung der bestehenden Anlagen vorzunehmen. "Dabei wird empfohlen, sich auf Anlagen ab einer Nabenhöhe von 120 Metern zu beschränken, um sich auf die besonders problematischen Fälle konzentrieren zu können."

Unterstützung für den Vorstoß dürfte BVB/Freie Wähler nicht nur vom Bündnis für Bernau, sondern auch von den Christdemokraten erhalten. CDU-Fraktionschef Othmar Nickel, der für seine Partei als Kandidat zur Landratswahl am 22. April antritt, sieht die Errichtung weiterer Windkraftanlagen in Brandenburg äußerst kritisch, Windräder im Wald lehnt er kategorisch ab.

"Was hier im Land passiert, ist Wahnsinn", erklärte Nickel in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung. Er hat für den Ausbau der Windkraftanlagen nur eine Erklärung: "Windräder bringen den Leuten viel Geld. Das ist der Hintergrund", steht für ihn fest. "Wir sollten uns gemeinsam dafür stark machen, dass in unserer Region endlich Schluss damit gemacht wird, die Landschaft zu verschandeln", forderte er.

Das sieht Péter Vida ganz genauso. Auch im Kreistag wird BVB/Freie Wähler einen Antrag zur Immissionsüberprüfung von Windrädern einbringen.

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Katrin Preuß 09.02.2018 - 07:48:10

zu stürmische Zeiten in Bernau

... es wird Zeit, dass sich auch auf kommunaler und Landesebene was tut !!! Ich bin mit meinen Töchtern vor allem wegen der Natur nach Wandlitz gezogen. Wir lieben dieses herrliche Fleckchen Erde , was sich nicht zuletzt in einem riesigen Naturschutzgebiet befindet. Da gibt es die Insel inmitten des Libnitzsees, wo kein Strom und fließend Wasser erlaubt ist und jeder Camper und Gast sich peinlichst dran hält. Nicht zuletzt um die Umwelt zu schonen und zu erhalten. Seit über 4 Jahren beobachten wir die Veränderungen im Libnitzwald. Es gibt diverse Bürgerproteste, Bündnisse, die sich für den Liebnitzwald und Umgebung einsetzen. Inzwischen sind Schneisen quer durch den Wald bis hin zum " Wunderlichs Moor" und den Regenbogensee geschlagen worden. Asphalt verkleistert inzwischen die Waldwege, Bäume wurden gefällt um Platz für die Baufahrzeuge zu schaffen. Es ist eine Farce !!! Windkrafträder sollen inmitten des Waldes am Liebnitzsee in einem Naturschutzgebiet aufgestellt werden !!! Das Waldgebiet gehört der Berliner Forstverwaltung...??? Also nochmal auch für die Nichtwissenden: Da wird ein Naturschutzgebiet im Barnim zerstört um Platz zu machen für Windkrafträder, deren Planung vom Land Berlin veranlasst wurde. Hat das Land Berlin das Geld so nötig, dass man jetzt Naturschutz-und Naherholungsgebiete zerstört ? Will uns das Land Berlin suggerieren, genau an diesem Standort Strom produzieren zu müssen ? Wird der Strom dann nach Frankreich verkauft oder gar nach Bayern ? , die sich dann zu Recht tot lachen über unser Schildbürgertum ... Andere Eigentümer geben ihr Land nicht her für eine immer noch umstrittene Methode Strom zu produzieren, was die Vollauslastung angeht. Wie wollen wir das unseren Kindern und Enkelkindern erklären ? Wie wichtig dieses Naherholungsgebiet für 1000ende von Bürgern ist, muss ich wohl nicht erwähnen. Wir sind u.a. ein Kurgebiet . All das wird zerstört ! es wird Zeit, dass wir uns massiv wehren und uns nicht auf dem Rücken der Bürgerinitiativen ausruhen . Das geht alle an !!! Es ist tatsächlich " FÜNF VOR ZWÖLF" !!!

Andreas Neue 07.02.2018 - 09:49:39

zu Stürmische Zeiten in Bernau

Nichts gegen erneuerbare Energien aber warum hat die Landespolitik den Schutz der Umwelt komplett abgeschrieben. Tröpfenweise, bzw. Windrad für Windrad werden die Anlagen sukzessive in die Landschaft gestellt. Aus unserer „ grünen Lunge“ ein der wertvollsten Waldgebiete am Rand der Hauptstadt, dem Wald zwischen Wandlitz, Lanke und Bernau wird Schritt für Schritt ein hässliches Gewerbegebiet. Wer in Richtung Tempelfelde fährt, sieht wie sich Geldgier gegen jede ökologische Vernunft durchsetzt. Jeder mögliche Platz wird für die Aufstellung von Windkraftanlagen genutzt. Am Himmel sieht man keine Greifvögel mehr und die Insekten und besonders eindrücklich die Bienen sind fast verschwinden. Das nun Klima – und Erholungswald vernichtet wird, macht Angst. Wer die alten Buchen und Eichen im Liepnitzseewald schon bewundert hat, der versteht die Welt nicht mehr. Entlang der Bundesautobahn sehen wir die weitere Verschandelung der Heimat nicht so dramatisch. Aber das die Windkraftlobby nun auch im Liepnitzseewald 200 Jahre alte Bäume zu Fall bringen kann, das zeigt, dass die Rot – Rote Landesregierung am Schutz des Waldes nicht mehr interessiert ist. Es gibt für die Kommunale Politik nicht viel Recht auf Selbstverwaltung aber wenigstens mit Veränderungssperren und mit dem Beschluss von Bebauungsplänen kann der Vernichtung von Natur etwas entgegen gesetzt werden. Man muss dieses Recht aber auch anwenden. Ein Blick vom Ogadeberg einmal rund um Bernau reicht. Wir sind umzingelt von Windkraftanlagen. Und die Gesundheit der Anrainer scheint auch auf kein Interesse mehr bei SPD und Linken zu stoßen. Wenn man nur bei geschlossenem Fenster schlafen kann, weil die Rotoren das Gefühl eines vorüber fahrenden Güterzugs vermitteln, dann ist eine Talsohle in moralischer Hinsicht in der Politik erreicht. Hoffentlich finden sich verantwortungsvoll handelnde Volksvertreter, die mit uns gegen die Zerstörung unserer Wälder kämpfen. Es ist Zeit für nachhaltigem Prostet! Andreas Neue Bündnis für Bernau

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