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Der Betrieb ist aus Berlin nach Werneuchen gezogen

Unternehmen aus der Region
Vom Kellerlabor in alle Welt

Ina Matthes / 20.03.2018, 07:30 Uhr - Aktualisiert 20.03.2018, 09:24
Werneuchen (MOZ) Ein Stück ihrer Arbeit steckt in vielen Alltagsdingen: Im Joghurtbecher, der Kapsel für die Kaffeemaschine, dem Smartphone oder der Zigarette. Die Bach Resistor Ceramics GmbH stellt Heizelemente für Industrieanlagen her. Mit einer Technologie, die einmalig ist.

Der Glaspavillon mit den Gartenstühlen liegt verwaist. Im Teich dahinter steht das Wasser graugrün und still. „Im Frühling ist es schön hier“, sagt Petra Bach. Dann wird das Glashaus zum Pausenraum für die Mitarbeiter mit Ausblick aufs Wasser. „Und an den Brückentagen grillt mein Bruder gerne hier.“ Dann ist auch mal etwas früher Feierabend im Unternehmen.

Petra Bach führt gemeinsam mit ihrem Bruder Jan Paul Bach die Geschäfte der Bach Resistor Ceramics GmbH. Ein Betrieb im Werneuchener Ortsteil Seefeld (Barnim). Drei Produktionshallen im Gewerbegebiet. 45 Mitarbeiter, darunter vier Azubis. Rund fünf Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr. Und eine Chefin, die gerne twittert. Gerade hat sie einem der Azubis zur bestandenen Facharbeiter-Prüfung gratuliert.

Bach Resistor Ceramics ist ein Familienbetrieb. Einer, mit einem besonderen Produkt und einer besonderen Geschichte. Die beginnt mit der Wende und den Eltern von Petra und Jan Paul Bach. Vater Wolfdietrich Bachs Arbeitsstelle verschwindet wie so viele Jobs im Osten. Der Maschinenbauingenieur gründet also 1994 seine eigene Firma, zusammen mit seiner Frau Antje. Da ist er 59 Jahre alt. Das Unternehmen startet in einem Kellerlabor in Berlin – mit einer speziellen Technologie. „Das Besondere ist, dass wir vollkeramische Heizelemente herstellen“, erläutert Sohn Jan Paul Bach. „Was wir machen, das macht kein anderer.“ Denn oft stecken in keramischen Heizstäben, -ringen oder-platten für Industriemaschinen Metalldrähte, die Strom leiten und Hitze erzeugen. Die Firma Bach kommt ohne Draht aus. Sie ersetzt ihn durch eine keramische Schicht, die elektrisch leitfähig ist. Die Heizelemente sind aufgebaut wie ein Sandwich. Leitende und nichtleitende Keramik wechseln sich ab, wobei die obersten und untersten Schichten immer isolierend sind. Wie das genau funktioniert, ist das Geheimnis der Firma.  Der Verzicht auf Metall bringt Vorteile, schildert Jan Paul Bach: eine längere Lebensdauer, weniger Gewicht. „Und es braucht weniger Energie zum Aufheizen.“ Dafür sind die Vollkeramik-Heizungen aber auch aufwändig in der Herstellung und teurer als solche mit Metall. Das macht sie  vor allem für den Einsatz in langlebigen oder besonderen Maschinen interessant.

Die Keramik kann bis zu 1000 Grad heiß werden. Das schaffen zum Beispiel die Glühzünder für Holzpelletöfen, flache Streifen aus Siliziumnitrit. Damit hat  Gründer Wolfdietrich Bach in den 90er Jahren angefangen. In dieser Zeit begannen sich Holzpelletheizungen in Deutschland zu verbreiten. Heute gilt Deutschland als umsatzstärkster Absatzmarkt für solche Anlagen. Außerdem hat der Vater Heizschienen für Zigarettenklebenähte hergestellt. Daran werden lange Zigarettenschlangen entlanggeführt, um die Papiernähte zu verschließen.

Beides gehört immer noch zur Produktpalette – doch die ist erheblich gewachsen, auf über 800 Produkte. Bach Resistor Ceramics produziert Heizplatten für die Chipindustrie, Heizringe, mit denen die Folie auf Kaffee-Kapseln und Joghurtbechern mit dem Kunststoff verschweißt  wird. Sie arbeiten unter anderem für die Autoindustrie, die Medizintechnik und Forschungslabore. Die Firma aus Werneuchen stellt kleine Serien und Unikate her – in einer Mischung aus Handarbeit und Hightech. Per Hand werden zum Beispiel die einzelnen Schichten für die Heizelemente ausgestanzt. Hightech, das sind die modernen Fräs-, Bohr-, und Schleifanlagen. Vor wenigen Jahren kamen noch Laser hinzu, die mit Licht Strukturen in die Keramik schneiden.

„Wir lernen  ständig dazu“, sagt Adrian Rhode, der seit fünf Jahren im Unternehmen beschäftigt ist. Der Zerspanungsmechaniker überwacht eine der Anlagen. Viele neue Kollegen, erzählt Rhode, seinen in den letzten Jahren hinzugekommen. Vergangenes Jahr gab es einen ersten gemeinsamen Betriebsausflug. Rhode findet es gut „so was mal zu machen.“ Das Besondere an dieser Arbeitsstelle, sagt er: „Wir haben ein eigenes Produkt.“

„Kein Standardprodukt“, sagt Jan Paul Bach. Das ist die Strategie. Die Firma stellt Nischenerzeugnisse her und versucht, möglichst vielfältig zu produzieren und global zu verkaufen. Und ein Gespür dafür zuhaben, was die Kunden wollen und brauchen. So stellt Bach Resistor Ceramics  Heizplatten für die Chipindustrie her. Darunter sind raffinierte Konstruktionen, in die Kühlkanäle hineingeschnitten sind. Dadurch können die Platten schnell heizen und schnell wieder abkühlen.

2006 haben die Geschwister das Geschäft übernommen, da war der Vater 70. Er nimmt immer noch Anteil am Unternehmen, auch wenn er die Geschäfte nicht mehr führt, erzählen seine Kinder. Beide haben „mit Bezug auf die Firma studiert“, sagt

Petra Bach. Die Wirtschaftsingenieurin ist mit 44 Jahren die Ältere. Ihr sechs Jahre jüngerer Bruder hat Werkstoffwissenschaften an der Technischen Universität Berlin studiert.

Nach der Übergabe von den Eltern an die Kinder ging es weiter aufwärts: Der Betrieb ist aus Berlin nach Werneuchen gezogen. Wo anfangs eine Produktionshalle stand, sind es jetzt drei. Aus einer Million Euro Umsatz 2006 wurden fünf Millionen Euro, aus zehn Mitarbeitern 45. Das Unternehmen ist auf internationalen Messen präsent.  Es hat inzwischen mehr als Tausend Kunden in Europa, Nordamerika und Asien. Darunter sind Handwerker und Wissenschaftler ebenso wie Konzerne.

Die märkische Firma hat noch einiges vor:  Neben den Hallen samt Pavillon und Teich liegt Land brach. Eine vierte Halle soll gebaut werden. Auf dem Papier entsteht sie schon.

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