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Der Chef des Preußen-Erbes, Hartmut Dorgerloh, soll das Mammutprojekt Humboldt Forum managen

Humboldt Forum
Von Potsdam nach Berlin

Von den alten Preußen-Schlössern in einen Preußen-Schloss-Nachbau: Hartmut Dorgerloh wird als künftiger Humboldt-Intendant Berlins amibitioniertestes Kulturprojekt leiten. Ideen dafür hat er bereits entwickelt.
Von den alten Preußen-Schlössern in einen Preußen-Schloss-Nachbau: Hartmut Dorgerloh wird als künftiger Humboldt-Intendant Berlins amibitioniertestes Kulturprojekt leiten. Ideen dafür hat er bereits entwickelt. © Foto: dpa/Bernd Settnik
Ulrich Thiessen / 22.03.2018, 08:45 Uhr
Berlin (MOZ) Es ist ein Job zwischen Glamour und Schleudersitz: Je mehr sich der Bau des Humboldt Forums dem Ende nähert, desto mehr Streit um Konzepte und Personal gibt es. Vielleicht wurden große internationale Anwärter auf den Intendantenposten so verschreckt. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) setzt jedenfalls auf eine Potsdamer Lösung.

Hartmut Dorgerloh ist als ehrgeizig bekannt, sicher. Aber dass er Ambitionen auf einen der spannendsten und zugleich heikelsten Jobs im deutschen Kulturbetrieb hat? Es gab Hinweise. Vor einem Jahr warb er in der Zeitschrift „Politik  & Kultur“ leidenschaftlich dafür, im künftigen Humboldt Forum in allen Ausstellungsbereichen mit sogenannten Interventionen an die Geschichte des Ortes zu erinnern: An die alte Preußenresidenz, an handelnde Personen, an die mit dem Ort verknüpften Ereignisse und natürlich an den Palast der Republik, der dem jetzigen Neubau weichen musste.

Mit Bild-, Film- und Tondokumenten und mit Kunstwerken und Fragmenten aus den Vorgängerbauten sollte der Besucher immer wieder überrascht werden, schlug Dorgerloh vor. Ein interessanter Ansatz im Kontrast zu den geplanten Ausstellungen der außereuropäischen Sammlungen. Nun könnte er diese Ideen umsetzen.

So überraschend die Personalie Dorgerloh erscheint, so unerwartet war auch sein erster Karriereschritt. 2002 präsentierte die damalige brandenburgische Kulturministerin Johanna Wanka den weitgehend unbekannten 40-jährigen Referatsleiter aus ihrem Haus als neuen Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten.

Dem Neuling schlug große Skepsis entgegen. Schließlich galt es, in die Fußstapfen von Joachim Giersberg zu treten – der bei den Mitarbeitern menschlich wie fachlich als Übervater galt und die Fusion der Westberliner Schlösser mit dem Preußenerbe auf ehemaligem DDR-Gebiet erfolgreich bewältigt hatte.

Auffällig an der Entscheidung für Dorgerloh war, dass kein renommierter westdeutscher Kunsthistoriker das prestigeträchtige Amt übernahm, sondern ein Potsdamer, der schon zu Schulzeiten Gruppen durch die Schlösser geführt hatte und später seine Diplomarbeit und seine Dissertation zu den Bauten der Berliner Museumsinsel schrieb.

Grausamkeiten begeht man zu Beginn der Amtszeit. So handelte auch der neue Schlösserchef, als er Servicebereiche ausgliederte und sich damit den Unwillen weiter Teile der Belegschaft zuzog. Eine Zeit lang sah es so aus, als sei der neue Chef ein Sparkommissar. Heute hat die Stiftung 558 Angestellte, hinzukommen 1200 Saisonkräfte und Mitarbeiter von Servicegesellschaften.

Vielleicht muss einer aber erst Sparsamkeit nachweisen, wenn er viel Geld haben will. Der neue Generaldirektor ließ den Investitionsbedarf für die fast drei Dutzend Schlösser, für die Lusthäuser, Villen und Wirtschaftsgebäude erstellen. Mit der Summe von mehr als einer Milliarde Euro ging Dorgerloh an die Öffentlichkeit und erreichte in zahllosen Gesprächen auf Landes- und Bundesebene ein Bewusstsein dafür, dass man in Berlin nicht das alte Hohenzollern-Schloss für mehr als eine halbe Milliarde Euro als Kopie nachbauen kann, wenn die noch vorhandenen Originale zur gleichen Zeit verfallen.

Der Plan ging auf. Zwei Sonderinvestitionsprogramme wurden inzwischen aufgelegt. Brandenburg, Berlin und der Bund stellten für den Zeitraum bis 2017 rund 155 Millionen Euro zur Verfügung und verlängerten das Projekt dann bis 2030 mit weiteren 400 Millionen.

In den vergangenen Jahren machte sich Dorgerloh in Potsdam eher rar. Er hat es nicht mehr nötig, jeden Baufortschritt zu präsentieren und lässt den Spezialisten und Schlossverwaltern Spielräume, ihre Arbeit zu zeigen. Wenn er zu erleben ist –  ob bei Staatsbesuchen oder in Streitgesprächen mit der Stadt Potsdam –, zeigt sich, dass er die Klaviatur perfekt beherrscht. Er spricht fließend Englisch, kann  auf Knopfdruck seinen Charme spielen lassen und scheut sich nicht, sich unbeliebt zu machen. Beispielsweise als er der Landeshauptstadt mit der Einführung eines Parkeintritts für Sanssouci drohte und sie so zwang, sich an den Pflegekosten für die Parks zu beteiligen.

Natürlich fehlt immer noch Personal, vor allem wenn man die Parks in der alten Pracht präsentieren will. Aber im großen Ganzen hat Dorgerloh seit 2002 mehr erreicht, als man ihm beim Amtsantritt zugetraut hätte. Für Kulturstaatsministerin Monika Grütters und die ehemalige Kulturministerin  und heutige Präsidentin der Humboldt-Universität Sabine Kunst, die ebenfalls mitzureden hat, Grund genug, ihm noch mehr zuzutrauen.

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