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Unterstützungsanfragen
Bereits mehr als 600 Psychiatrie-Opfer

Bereits mehr als 600 Psychiatrie-Opfer haben in Brandenburg Unterstützungen angemeldet.
Bereits mehr als 600 Psychiatrie-Opfer haben in Brandenburg Unterstützungen angemeldet. © Foto: Pixabay
dpa / 22.03.2018, 15:36 Uhr - Aktualisiert 22.03.2018, 16:25
Potsdam (dpa) Neben den Tausenden Kindern und Jugendlichen in den berüchtigten Jugendwerkhöfen der DDR haben auch Behinderte in den stationären Einrichtungen jahrzentelang schweres Leid erfahren. Bis Ende kommenden Jahres können sie noch Hilfe beantragen.

Mehr als 600 Frauen und Männer, die in Psychiatrie- und Behinderteneinrichtungen der DDR schweres Leid erlebten, haben im ersten Jahr bei der Brandenburger Landesstiftung Ansprüche auf Unterstützung angemeldet. Die Betroffenen hätten von schweren Misshandlungen, Demütigungen und der Verabreichung von Medikamenten berichtet, sagte die Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Maria Nooke, am Donnerstag in einer ersten Bilanz. Insgesamt 152 Opfer erhielten bereits eine Geldpauschale in Höhe von 9000 Euro, ein Drittel von ihnen auch eine zusätzliche Rentenleistung für unbezahlte Arbeit.

Viele Kinder und Jugendliche wurden an Betten und Heizkörpern festgebunden, in dunklen Räumen isoliert oder mit Kaltwassertauchen und Schlägen misshandelt, berichtete Nooke. In vielen Fällen wurde ihnen Schulunterricht verwehrt, so dass sie heute noch in Armut lebten. Einige Betroffene erlitten durch hoch dosierte Medikamente gesundheitliche Schäden.

Die Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ verwaltet in Brandenburg wie in den anderen Bundesländern einen Fonds, der im vergangenen Jahr von Bund, Ländern und den Kirchen für Opfer in Psychiatrie- und Behinderteneinrichtungen in der DDR und der Bundesrepublik in Höhe von 288 Millionen Euro eingerichtet wurde. Daraus sollen in Brandenburg rund 2000 Betroffene entschädigt werden.

Die Anmeldefrist für die Zahlungen laufe noch bis Ende kommenden Jahres, sagte Nooke. Bei der Beratung in der Potsdamer Anlaufstelle gehe es aber nicht nur um die finanzielle Hilfe, betonte die Landesbeauftragte: „Die meisten Betroffenen fühlen sich durch die Hilfe erstmalig mit ihren Erfahrungen wahr- und ernstgenommen.“

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