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Mit Akupunktur und Osteopathie Neurodermitis heilen?

Charitè sucht Probanden
„Am schlimmsten ist der Juckreiz“

Lässt die Pharma-Industrie außen vor: Paul Scheuschner hat vor einem Jahr die Deutsche Neurodermitis-Stiftung gegründet. Mit ihr will der Berliner Internet-Unternehmer, der im Baby-Alter an Neurodermitis erkrankte, natürliche Heilmethoden gegen die Hautkrankheit erforschen lassen.
Lässt die Pharma-Industrie außen vor: Paul Scheuschner hat vor einem Jahr die Deutsche Neurodermitis-Stiftung gegründet. Mit ihr will der Berliner Internet-Unternehmer, der im Baby-Alter an Neurodermitis erkrankte, natürliche Heilmethoden gegen die Hautkrankheit erforschen lassen. © Foto: Deutsche Neurodermitis-Stiftung
Maria Neuendorff / 12.04.2018, 07:00 Uhr - Aktualisiert 20.04.2018, 12:09
Berlin (MOZ) Neurodermitis ist eine Volkskrankheit, die sehr belastend sein kann.  Die Charité erforscht nun erstmals, ob und wie natürliche Heilungsmethoden starke Medikamente wie Kortison ersetzen könnten.  Finanziert wird die Studie von dem Internetunternehmer Paul Scheuschner, der selbst betroffen  ist.

Wenn ein Schub kommt, dann ist die Haut wund, offen, blutig. „Am schlimmsten ist der Juckreiz“, sagt Paul Scheuschner. Seit dem Babyalter leidet er an der entzündlichen Hautkrankheit Neurodermitis. Damals umwickelten seine Eltern ihn nachts mit Mullbinden, damit er sich nicht wund kratzte. „In der Pubertät habe ich meine Haut unter dicken Pullis versteckt“, erinnert sich der Internetunternehmer. „Wenn ich darauf angesprochen wurde, habe ich mir Ausreden einfallen lassen, so peinlich war mir die Krankheit.“

Heute hat Scheuschner keine Probleme, darüber zu reden. Im Gegenteil: Er will Transparenz schaffen. „Denn die Therapiemöglichkeiten sind leider sehr undurchsichtig“, weiß er. Gerade die Betroffenen, die keine harten Medikamente nehmen wollen, müssten oft viel Geld und Zeit in Mittel investieren, bei denen die Wirkung ungewiss ist.

Vor einem Jahr hat er deshalb die Deutsche Neurodermitis-Stiftung gegründet.  Mit ihr will der 32-Jährige Projekte fördern, die natürliche Methoden erforschen und in die Öffentlichkeit bringen – und zwar unabhängig von gewinnorientierten Pharma-Unternehmen. „Da sich alternative Behandlungsmethoden nicht patentieren lassen, hat die Industrie sowieso kein Interesse, solche Vorhaben zu unterstützen“, erklärt Scheuschner.

Seit 2012 lebt und arbeitet der Berliner in Malta. Während eines Heimatbesuchs sitzt er nun in der Hochschulambulanz für Naturheilkunde der Charité mit Ärzten zusammen. Es geht um eine von ihm finanzierte Studie, mit der die Wirkung von Osteopathie und Akupunktur bei Neuroder­mitis erforscht werden soll.

„Ich wollte nicht mehr jeden Tag Tabletten nehmen, auch weil ich das Gefühl hatte, dass das meine Haut im Gegenteil immer mehr schädigt“, berichtet Claudia Pflichta, eine der derzeit rund 70 Probanden. Auf der Suche nach Alternativen stieß die 18-jährige Pankowerin im Internet auf das Charité-Pojekt und kommt nun alle zwei Woche zur Osteopathie-Behandlung.

Dabei bearbeitet der Arzt den Körper manuell mit den Händen und löst Verspannungen.  „Dadurch, dass dabei auch das  Lymphsystem behandelt wird und die Organe erreicht werden, wird der natürliche Bewegungsfluss im Körper in Gang gesetzt“, erklärt Gabriele Rotter,  Expertin für Osteopathie. Dadurch sollen unter anderem die Selbstheilungskräfte im Körper aktiviert werden.

„Ich war erst skeptisch, ob das etwas bringt“, gesteht Probandin Claudia Pflichta. „Doch nach der zweiten Behandlung fühlt es sich schon besser an“, berichtet die junge Frau, die an Ekzemen in den Armbeugen leidet.

Die andere Methode, die bis November getestet wird, funktioniert mit Nadeln. „In den letzten Jahren haben wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt, dass die Akupunktur bei Schmerzerkrankungen und Allergien wirksam ist, und es gibt Hinweise, dass sich damit auch der Juckreiz reduzieren lässt“, erklärt Studienleiter Benno Brinkhaus. Er ist einer von bisher nur sechs Professoren für Naturheilkunde in ganz Deutschland.

Die Probanden, die nun für die erste größere naturheilkundliche Neurodermitis-Studie zu ihm kommen, hätten oft einen großen Beutel mit Pflegecremes dabei und wüssten trotzdem nicht, was ihnen hilft. „Viele fühlen sich mit der Krankheit alleine gelassen und hoffen auf eine Erweiterung der Therapie-Möglichkeiten“, sagt Brinkhaus.

Die Odyssee von Arzt zu Arzt hat auch Scheuschner hinter sich. Von Licht-, über Vitamin D- bis hin zu Eigenblut-Therapie hat er alles versucht. Er hat in Chlorbleiche gebadet, Weihrauch-Tabletten geschluckt und Waschnüsse statt Pulver benutzt. Irgendwann kam er dahinter, dass bei ihm die Ernährung eine Rolle spielt. Seitdem er besonders eiweißreiche Produkte meidet, hält er die Krankheit gut in Schach. „Was bei dem einem hilft, wirkt noch lange nicht bei dem anderen“, weiß er heute. Deswegen will er noch weitere Methoden erforschen lassen.

http://www.neurodermitis-stiftung.de

Charité sucht Probanden

Für die klinische Studie, mit der die Charité die Wirksamkeit von Osteopathie und Akupunktur bei Neurodermitis untersucht, werden noch Probanden gesucht. Mitmachen kann, wer zwischen 18 bis 65 Jahre alt ist und seit mindestens sechs Monaten an Atopischer Dermatitis leidet. Die Teilnehmer erhalten an der Charité per Zufallsprinzip kostenlos entweder fünf Osteopathiebehandlungen oder acht Akupunkturbehandlungen. Kontakt unter: Telefon 030 450529262 

http://www.hochschulambulanz-naturheilkunde.de/fileadmin/champ/redakteure/dokumente/Flyer/CAMATOP_Studienaufruf_.pdf

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