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Erfahrungen aus anderen Bundesländern machen Hoffnung auf Neugründungen

Neugründungen
Dorfladen hat Zukunft

Bestens versorgt: Der Dorfladen in Wahlsdorf (Teltow-Fläming) wird von den Bewohnern gut angenommen.
Bestens versorgt: Der Dorfladen in Wahlsdorf (Teltow-Fläming) wird von den Bewohnern gut angenommen. © Foto: dpa/Bernd Settnik
Ulrich Thiessen / 21.04.2018, 07:30 Uhr
Potsdam (MOZ) Seit den 70ern sterben die kleinen Lebensmittelläden. Es gibt aber auch eine gegenteilige Entwicklung. Der Landtag ließ sich am Freitag über Erfahrungen aus anderen Bundesländern informieren.

Die wichtigste Erkenntnis, die die Anhörung in der Enquetekommission des Landtages zur ländlichen Entwicklung zutage förderte, lautet: die Einwohner müssen es wollen und dahinter stehen. Dann hat die Neugründung von Dorfläden auch in Gegenden eine Chance, in denen sich die großen Lebensmittelketten nie angesiedelt haben und wo der alten Dorfkonsum seit Jahrzehnten geschlossen ist.

Günter Lühning von der Bundesvereinigung multifunktionale Dorfläden berichtete, dass in mehr als 200 Dörfern bundesweit Dorfläden gegründet wurden. Mit 160 die meisten davon in Bayern. Im Idealfall ist es kein Lebensmittelmarkt, sondern der Lebensmittelpunkt. Dazu werden mehrere Angebote kombiniert: Cafés, Post oder Paketshop, Kultursaal oder Herberge und zunehmend auch  Möglichkeiten Geld abzuheben. Viele bieten den Senioren sogar ein Mittagessen.

Die Läden können als wirtschaftliche Vereine oder als Genossenschaften geführt werden, Einlagen von 250 Euro pro Mitglied haben in manchen Dörfern ausgereicht. Rendite werfen die Läden nicht in Geldform ab. „Die Rendite ist die Lebensqualität“, sagte Lühning. Ja, räumt er ein, die Waren können auch mal einen Cent teurer sein als beim Discounter. Aber: „Wer das mit 40 nicht zu schätzen weiß, darf sich mit 70 nicht wundern, dass er fünf Kilometer mit dem Rollator zum Einkaufen unterwegs ist.“

Sein Kollege Wolfgang Gröll, berichtete aus Bayern, dass es auch Dorfläden gibt, die sich mit Discountern preislich messen können. Durch Kooperation mit kleinen Fleischern und regionalen Erzeugern beispielsweise. Der kleinste Laden in Bayern befindet sich in einem Dorf mit weniger als 200 Einwohnern. Die Flächenspanne reicht von 40 bis 700 Quadratmeter. Ein Dorfladen von 150 Quadratmetern wurde einschließlich Technik mit einem Startkapital von 30 000 Euro eingerichtet, so Gröll.

Wichtig ist seiner Meinung nach absolute Transparenz, gute Technik, einschließlich Klimaanlage und gutes, freundliches Personal, das auch entsprechend bezahlt werden muss. In Bayern gibt es für Neugründungen kostenlose Beratungen. Nur ein Dorfladen musste dort bislang aufgeben. In Rheinland-Pfalz ist man einen anderen Weg gegangen. Das Innenministerium hat 2010 eine Beratungsfirma beauftragt, bis 2021 Kommunen zu beraten und zu begleiten. Volker Bulitta berichtete, dass bislang 660 Kommunen beraten wurden. 91 Machbarkeitsstudien wurden erstellt, 34 Dorfläden bislang gegründet.

Der Auftrag sei es, wirtschaftlich nicht tragfähige und unsinnige Vorhaben zu verhindern, schildert Bulitta. Es reiche nicht, sich auf ältere Bürger zu verlassen. Junge Familien müssen in den Läden einkaufen, wenn das Vorhaben gelingen soll. In erster Linie gehe es darum ein soziale Funktion zu erfüllen. Verhungern werde auch ohne Dorfladen niemand, fasste er zusammen. Wie Dorfläden in Brandenburg gefördert werden können, wird die Kommission in den nächsten Sitzungen beraten.

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