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Luftfahrt
Viel Land zum Landen

Ina Matthes / 28.04.2018, 06:00 Uhr
Berlin (MOZ) Die Luftfahrtindustrie aus Berlin und Brandenburg präsentiert sich derzeit auf der Luftfahrtschau ILA in Berlin. 130 Firmen gibt es hier in dieser Branche. Doch die Hauptstadtregion schöpft ihr Potenzial nicht aus, sagen Experten.

Brandenburg ist ein Land, in dem es sich vielfältig landen lässt. „Brandenburg hat die größte Flugplatzdichte in Deutschland“, sagt Andreas Timmermann, geschäftsführender Vorstand der Berlin-Brandenburg Aerospace Allianz (BBAA), dem Wirtschaftsverband der Luft- und Raumfahrtindustrie der Hauptstadtregion. Berlin und Brandenburg haben insgesamt 13 genehmigte Flugplätze vorzuweisen: Neben den großen Airports Tegel und Schönefeld gibt es elf kleinere Verkehrslandeplätze, die vor allem von Geschäfts-, Sport-, Privatfliegern genutzt werden. Aber viele  dieser kleinen Flughäfen haben wirtschaftliche Probleme. Ihr Unterhalt sei aufwändig und von den Start- und Landegebühren allein könnten sie nicht existieren, sagt Timmermann. Er fordert mehr staatliche Unterstützung: „Die öffentliche Hand muss sich stärker für den Bereich Luftfahrt interessieren.“

Denn: Die Kleinen werden nach Ansicht des Wirtschaftsverbandes künftig mehr gebraucht. Wird der Flughafen Tegel wie geplant geschlossen und öffnet der Großflughafen BER irgendwann, könnte es eng werden für die Chessnas und Co. Tegel entfällt dann und Großflughäfen mögen die kleinen Flieger nicht. Denn während große Jets innerhalb von weniger als zwei Minuten nacheinander starten können, muss ein kleines Flugzeug mehr Abstand zum großen halten. Andernfalls könnten die Luftwirbel, die die Jets hinter sich herziehen, das kleinere Luftfahrzeug ins Trudeln.bringen  Größere Lücken zwischen den Starts  aber kosten Zeit und Geld.

Da bieten sich Verkehrslandeplätze  als Alternative an. Für einen  größeren Ansturm an Maschinen fehle ihnen aber die nötige Infrastruktur, heißt es beim BBAA. Eine Ausnahme macht der Flugplatz in Schönhagen bei Potsdam. „Ein Paradebeispiel“, lobt Timmermann. Wie so ein Muster-Flughafen aufgebaut und gemanagt wird – das wollen jetzt sogar die Chinesen von Schönhagen lernen. Zwar ist der Luftraum in China noch stark vom Militär reglementiert, aber allmählich geht es dort aufwärts mit der Privatfliegerei. „China hat ein unglaubliches Marktpotenzial“, sagt Andreas Timmermann. Der Wirtschaftsverband BBAA will helfen, dieses für die heimische Luftfahrtindustrie zu erschließen. Einige Firmen sind schon auf dem chinesischen Markt vertreten. Das Wildauer Unternehmen AneCom AeroTest zum Beispiel. Die Firma entwickelt Testumgebungen für  Industrieturbinen und Flugzeugtriebwerke und erzielt einen wichtigen Teil ihres Umsatzes in China Auf der Luftfahrtschau ILA sind auch Partner aus China am Stand des Verbandes BBAA neben britischen, spanischen und natürlich Berliner und Brandenburger Firmen vertreten.

Rund  130 Unternehmen der Luft-und Raumfahrtbranche gibt es in Berlin und Brandenburg. Sie stellen Triebwerke her und Kleinflugzeuge. Es gibt Zulieferer für die Industrie und ingenieurtechnische Dienstleister. Einer davon ist die Firma apus aus Wildau. 15 Mitarbeiter konstruieren sowohl Flugzeuteile als auch Flugzeuge und stellen Protoypen her. Aber auch in der Raumfahrt sind märkische Firmen unterwegs. Die Arquimea Deutschland GmbH aus Frankfurt (Oder) entwirft Elektronik, die der Strahlung im All standhält.

Ein Zukunftsthema für die Industrie sind  Elektroflieger. Die hiesige Luftfahrtbranche hat ein dafür eine Initiative gestartet: IBEFA – Innovationsbündnis für emmissionsarme Flugzeugantriebe. Es geht darum, Technologien für elektrische Antriebe und Hybrid-Maschinen zu entwickeln. Das können zum Beispiel Kombinationen aus Brennstoffzelle und Batterie  sein. Sie sind vor allem für kleinere Flugzeuge geeignet. Die Initiative sucht nun Unternehmen, die sich beteiligen. Bis zum Herbst soll ein Konzept stehen, mit dem sich das Bündnis an einem Wettbewerb um eine Millionen-Förderung des Bundes bewirbt.

Flugzeuge mit Elektroantrieb könnten auch kleinen Flugplätzen Auftrieb geben. Denn ein Trend im Flugwesen heißt: von Tür zur Tür. Passagiere sollen möglichst dicht an ihrem Ziel ankommen, ohne langes Abfertigungsprozedere auf Großflughäfen. Das könnte heißen: Wer von Barcelona nach Schwedt reisen will, landet nicht in Berlin, sondern in Eberswalde/Finow (Barnim). Wenn dann leise Elektroflieger auf kleinen Flugplätzen niedergehen, gibt es hoffentlich auch keinen Ärger mit den Nachbarn.

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Uwe Hädicke 30.04.2018 - 10:21:16

Der BER wird so gut sein, wie er mit seinen nachbar kooperiert

Der neue Flughafen BER kann und wird nur so gut sein, wie er es schafft, seine Defizite hinsichtlich Kapazität und Nachtflugbeschränkungen durch Kooperationen mit seinen Nachbarlandeplätzen zu kompensieren. Diesem Ziel müßte sich nunmehr gewidmet werden, um nach der Eröffnung und jahrelanger Verspätung nicht die nächste Blamage zu kassieren. BBAA und Flughafenverband flyBB haben dies erkannt und artikulliert. Nun sollten die Verantwortlichen auf die relevanten Verkehrs- und Sonderlandplätze zugehen. Dazu zählen Strausberg, Schönhagen, Neuhardenberg und Finow. Alle stehen bereit. Neuhardenberg wird leider auch in der MOZ allzuoft vergessen, jedoch gibt es dort neben Schönefeld eine der letzten 2.400 Merter Start- und Landebahnen und keine Nachtflugbeschränkung. Startet man jetzt intensiv, kann es eine Win-Win-Situation für die gesamte Hauptstadtregion und die hier lebenden Menschen werden. Verkehre werden verteilt, die Wettbewerbsfähigkeit für das Produkt BER und Luftfahrt ind Berlin-Brandenburg steigt.

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