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Laptop aufklappen und los - im Oderbruch öffnet Brandenburgs erster Co-Working Space auf dem Lande

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Arbeitszimmer für alle

Arbeitsplatz Alte Schule: Katrin Zabel ist eine der ersten Nutzerinnen.
Arbeitsplatz Alte Schule: Katrin Zabel ist eine der ersten Nutzerinnen. © Foto: MOZ/Ina Matthes
Ina Matthes / 05.05.2018, 10:00 Uhr
Letschin (MOZ) Die Idee kommt aus den großen Städten. Co-Working. Kann das auch auf dem Dorf funktionieren? Letschin wagt den Versuch.

Was in der Alten Schule in Letschin (Märkisch-Oderland) passiert, dass lässt manchen Oderbrücher ratlos zurück. „Wat macht ihr da für’n Scheiß, so wat Englisches“, bekam Andreas Jonas zu hören. „Co-Working Space“ nennt sich das, was Wirtschaftsförderer Jonas am Freitag mitten in Letschin eröffnet hat – im Erdgeschoss der schön sanierten Alten Schule.

Wer jenen Co-Working Space betritt, kommt sich vor wie in einem gemütlichen Café.  Vier Tische stehen im Raum mit Stühlen drumherum. An der Stirnseite ein Sofa. Gegenüber den großen Fenstern ein Tresen mit Kaffeemaschine.

An einem der Tische sitzt eine Frau und hat ihren Laptop aufgeklappt. Katrin  Zabel ist Statikerin und will heute hier nicht wirklich arbeiten, sondern zur Eröffnung des Co-Working Space ein bisschen zeigen, wie das so geht – Co-Working. Ein Co-Working Space ist nichts anders als  ein großes Büro, dass sich viele Leute teilen. Bevorzugt Menschen, die zum Arbeiten nicht viel mehr brauchen als einen Laptop. Die Idee kommt aus großen Städten wie Berlin, wo es schon viele solcher Gemeinschafts-Büros gibt. Sie greift um sich: Auch in Frankfurt (Oder) und in Eberswalde sind solche Räume zum vernetzten Arbeiten  bereits  am Start. Ihre Nutzer mieten kein festes Büro, sondern kommen zum Arbeiten her, wann es ihnen passt. „Ich habe danach gesucht“, sagt Katrin Zabel. Die studierte Bauingenieurin ist aus Berlin nach Eichwerder bei Wriezen gezogen. Sie arbeitet viel für Berliner, die auf dem Land ein Haus sanieren, aber auch für Eigenheimbauer. Ihr Büro hat sie bisher zu Hause. „Ich wollte Wohnen und Arbeiten wieder trennen“, sagt sie. Zu Hause gebe es oft zu viel Ablenkung – da ist noch der Rasen zu mähen, die Wäsche zu waschen. In Letschin kann Katrin Zabel sich an einen der Tische setzen und arbeiten, wann sie möchte. Ein Tagesticket kostet zehn Euro. Billiger wird es im Paket: Ein Ticket-Block für 20 Tage, der zwei Monate lang gilt, ist für 100 Euro zu haben. Ausbaufähiges WLAN mit derzeit 16 Mbit/s, Drucker und eine Kaffee-Flatrate inklusive. Platz ist hier für mehr als ein Dutzend Co-Worker. Doch gibt es die auf dem Lande? Kann im Oderbruch funktionieren, was in der Hauptstadt läuft?

„Es ist ein Experiment. Es kann sein, dass der Raum nicht angenommen wird“, sagt Andreas Jonas, der für die STIC Wirtschaftsfördergesellschaft Märkisch-Oderland arbeitet. Doch er glaubt, dass es eine Klientel dafür gibt. Vor allem aus der sogenannten Kreativszene. Das sind Grafiker, Architekten, Werbeleute, Designer, die oft aus Berlin aufs Land gezogen sind. Und denen im heimischen Büro mit der Zeit die Decke auf den Kopf fällt. Denn  öffentliche Treffpunkte gibt es in vielen Orten kaum noch, keine Kneipe, keinen Laden. In der Alten Schule sollen sie die Möglichkeit haben, sich zu treffen, gemeinsam Projekte auszuloten. Vielleicht zieht es dann auch das ein oder andere Startup hierher.

Letschin bietet gute Voraussetzungen, meint Jonas: Ein saniertes Gebäude mitten im Dorf, Läden, Gaststätten um die Ecke, eine Kita, eine Sparkasse. „Wir sind von der Gemeinde mit offenen Armen empfangen worden.“ Sie ist die Vermieterin des Raumes. Für das Projekt gab es 100  000 Euro Förderung  vom Bundeslandwirtschaftsministerium, ein kleinerer Teil floss in die Einrichtung, das Gros sind Personalkosten. „Man braucht jemanden, der so ein Projekt vor Ort betreibt, jemanden, der ein Netzwerk hat.“ Das hat Andreas Jonas von einem ähnlichen Projekt auf dem Dorf in Niedersachsen gelernt. Diesen Netzwerker hat die STIC in Torsten Kohn gefunden. Einen Berliner, der 2004 ins Bruch zog und hier lange Zeit ein Café betrieben hat. Kohn ist der Projektleiter im Co-Working Space, Ansprechpartner für die Nutzer, Organisator für Veranstaltungen und Projekte, Öffentlichkeitsarbeiter – und auch der Betreiber der Kaffeemaschine.

Bis zum Jahresende ist das Arbeitszimmer mitten im Dorf finanziert. Wenn es angenommen wird, will die Wirtschaftsfödergesellschaft es weiter betreiben – notfalls fehlende Gelder aufbringen. Das soll am Jahresende entschieden werden, sagt Andreas Jonas. Erst einmal müssen sich nun mehr Menschen finden, die ihren Laptop in der Alten Schule aufklappen, so wie Katrin Zabel. Eine zweite Nutzerin gibt es schon, die Herausgeberin eines Magazins. Katrin Zabel hofft auf Gesellschaft beim Arbeiten. „Es ist schön, zwischendurch auch mal mit jemandem reden zu können.“

Der Co-Working-Raum in der Alten Schule Letschin, Karl-Marx-Straße 5, ist montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Kontakt über Projektleiter Torsten Kohn, Tel.: 033475 57 94 33, E-Mail: t.kohn@stic.de

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