Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Die schwierige Räumung in der Kyritz-Ruppiner Heide bei Gadow wird weit über 2020 hinaus andauern.

Bombodrom
Frist zerschellt in der Heide

Fundmunition in der Ruppiner Heide
Fundmunition in der Ruppiner Heide © Foto: MOZ
Christian Schönberg / 17.05.2018, 07:10 Uhr
Gadow/Berlin (MOZ) Weil in der Kyritz-Ruppiner Heide im Norden Brandenburgs noch massenhaft Streubomben lagern, erreicht Deutschland womöglich nicht die Vertragsziele einer internationalen Konvention zur Beseitigung der gefährlichen Munition. Das Bundesaußenministerium muss nun eine Fristverlängerung bei den Vereinten Nationen beantragen.

Das auch Oslo-Abkommen genannte Übereinkommen aus dem Jahr 2010 sieht vor, dass innerhalb von zehn Jahren alle Streubomben-Rückstände auf Truppen-Übungsflächen zu beseitigen sind. Doch bereits jetzt ist abzusehen, dass die schwierige Räumung in der Kyritz-Ruppiner Heide bei Gadow (Prignitz) weit über 2020 hinaus andauern wird. Selbst die inzwischen erfolgte Ausweitung der Baustellen wird daran wohl nichts mehr ändern können, sind sich Experten einig.

Im Frühjahr 2016 hatte eine einzelne Firma mit der Räumung begonnen. Sie sondiert den Boden und gräbt die Blindgänger-Streubomben aus, die dann gemäß der internationalen Konvention vernichtet werden müssen. Weil aber anderer bei der Arbeit gefundener Munitionsschrott nicht im Boden liegen bleiben darf, muss gleichzeitig auch dieser entsorgt werden. „Teilweise sind in einem Quadrat von nur 50 mal 50 Metern anderthalb Tonnen Schrott gefunden worden“, berichtet Rainer Entrup von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), der das 12 000 Hektar große, gesperrte Schießplatz-Gelände gehört.

Deshalb sind seit Anfang dieses Jahres zwei weitere Firmen mit ihren Mitarbeitern auf dem Gelände unterwegs, das als „Bombodrom“ bundesweit Bekanntheit erlangt hat. Die insgesamt nun rund 100 Facharbeiter sollen dafür sorgen, die Sache schneller voranzubringen – und vielleicht wenigstens bis 2022 fertig zu werden. Aber auch dieses Zieljahr ist sehr vage.

Das Auswärtige Amt­ in Berlin hat sich nach Entrups Angaben  in Gesprächen bereits davon unterrichten lassen, dass der per Oslo-Abkommen deklamierte Zeitplan kaum zu halten sein wird.  Es muss nun in Genf bei der zuständigen UN-Behörde eine Fristverlängerung beantragen.

Dabei hatte das Ministerium die Streubomben-Vernichtung in den eigenen Bundeswehr-Reihen, für die nur bis 2018 Zeit war, schon 2015 – also drei Jahre früher – erledigen können. Im Falle des Bombodroms hatte sich bei der Streubombenbeseitigung allerdings die Tatsache als Problem entpuppt, dass es nach der Wende keinerlei Aktenmaterial darüber gab, was die sowjetische Armee in vier Jahrzehnten Besatzerzeit auf dem Übungsgelände verschossen hat.

Das Auswärtige Amt will jetzt einen Beschluss der Vertragsstaaten-Konferenz der Konvention erwirken, wie Sprecher Julius Calaminus am Mittwoch sagte. „Die Liegenschaft nahe Wittstock ist die einzige, auf der Streumunitionskontaminierung bekannt ist.“ Die „fristgerechte Fertigstellung bis 2020“ bleibe derzeit das Ziel. Aber wenn es absehbar sei, dass sich das nicht umsetzen lässt, müsse sich die Bundesrepublik nicht vor der Welt wegen Vertragsbruchs verantworten: „Für den Fall, dass es aus technischen Gründen Verzögerungen geben sollte, sieht die Konvention die Möglichkeit einer Verlängerung vor“, sagt Calaminus. Dies müsste allerdings durch einen entsprechenden Beschluss abgesegnet werden.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG