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Wegen Gleisarbeiten verkehren die Züge von Berlin nach Warschau zwar über Frankfurt, halten dort aber nicht an

Wegen Geisarbeiten
Eurocity fährt am Bahnhof Frankfurt vorbei

Blick durch die Fenster der Frankfurter Bahnhofshalle: Der Eurocity Berlin–Warschau fährt auf einem Nebengleis vorbei.
Blick durch die Fenster der Frankfurter Bahnhofshalle: Der Eurocity Berlin–Warschau fährt auf einem Nebengleis vorbei. © Foto: Dietrich Schröder
Dietrich Schröder / 25.05.2018, 06:30 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Dass ein ICE der Bahn auf einer Station zu halten vergisst, ist man im niedersächsischen Wolfsburg fast gewohnt. In Frankfurt (Oder) gibt es derzeit ein anderes Phänomen: Die Züge von und nach Polen fahren am Bahnhof vorbei.

Die Szenerie wirkt absonderlich: Um 10.42 Uhr, wenn normalerweise der Eurocity aus Berlin nach Warschau auf Gleis 11 des Frankfurter Hauptbahnhofs einfährt, ist der Bahnsteig menschenleer. Der Zug nähert sich  zwar, rollt dann aber auf einem grasüberwucherten Nebengleis an der Halle vorbei.

Das Gleiche spielt sich seit Beginn dieser Woche mehrfach am Tage ab: Auch die Züge nach und aus Warschau beziehungsweise Gdynia und Zielona Góra in Polen sowie der Nachtzug von Paris nach Moskau, der zwei Mal in der Woche fährt, scheinen die Oderstadt einfach zu ignorieren.

Noch verwunderlicher sind die Zug-Auskünfte im Internet: „Dort erfährt man zwar, dass die Züge über Frankfurt fahren, aber es sind keine Haltezeiten angegeben“, hat Iwona Pazurkiewicz festgestellt. Die Studentin von der Frankfurter Europa-Universität fährt regelmäßig mit dem Zug in ihre Heimatstadt Posen (Poznan). „In dieser Woche musste ich schon bei der letzten polnischen Station in Rzepin aussteigen und am Sonnabend fahre ich für die Rückfahrt wieder dort mit dem Bus hin“, sagt die 22-Jährige.

„Der Grund dafür sind Gleisarbeiten und die Erneuerung von Weichen auf der Strecke in Richtung Eisenhüttenstadt“, erklärt ein Servicemitarbeiter der Bahn. Aus dem gleichen Grund werde bis zum übernächsten Wochenende für den Regionalexpress zwischen Frankfurt und Eisenhüttenstadt Schienenersatzverkehr mit Bussen eingesetzt.

Freilich fragt man sich, weshalb die grenzüberschreitenden Züge dann doch bis zur Oderbrücke südlich von Frankfurt fahren können, denn die Strecke dorthin verläuft auch nach Süden. Und es gibt sogar einen Zug, der um 9.31 Uhr ganz normal vom Frankfurter Bahnhof nach Rzepin fährt. Auf diesen wird auch in der Internet-Auskunft verwiesen, wenn man den EC erreichen will, der um 10.42 Uhr ohne Halt durch Frankfurt rollt. Das Problem daran ist, dass man auf der nur 20 Kilometer entfernten polnischen Station dann über eine Stunde Aufenthalt hat, um auf den EC zu warten.

„Es wurden sorgfältig alle Möglichkeiten geprüft, doch aufgrund der Weichenarbeiten sind die Halteausfälle leider unvermeidbar“, versichert ein Sprecher von DB Fernverkehre in Berlin. Über einen Schienenersatzverkehr zwischen der polnischen Kleinstadt und Frankfurt hat man aber offenbar gar nicht erst nachgedacht. „Die Fahrt dorthin muss man selbst organisieren, ich lasse jetzt mein Auto dort den ganzen Tag am Bahnhof stehen“, meint der Frankfurter Dieter Meinel, der beruflich in Polen zu tun hat.

Unabhängig von den aktuellen Bauarbeiten gibt es schon seit Jahren internationale „Geisterzüge“, die zwar in Frankfurt (Oder) anhalten, in die man hier aber rein theoretisch nicht ein- oder aussteigen darf, weil es sich um einen Betriebshalt an der Grenze handelt. Traf dies früher auf Fernzüge nach Kiew oder Amsterdam zu, die inzwischen aber wieder eingestellt wurden, ist es derzeit nahezu unmöglich, Fahrkarten von Frankfurt für den Nachtzug zwischen Paris und Moskau zu kaufen.

Wer von der Brandenburger Grenzstadt aus mit dem Zug in die russische Hauptstadt fahren will, wird stattdessen von der Internet-Auskunft der Bahn über Werbig (Märkisch-Oderland) und Küstrin auf die ehemalige Ostbahn nach Gorzów umgeleitet und soll sich von dort aus weiter quer durch Polen schlagen. Dies ist de facto unmöglich, weil schon der Kauf von Fahrkarten von Deutschland nach Polen in jüngster Zeit wieder deutlich komplizierter geworden ist.

Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) hat übrigens für den 11. Juni zum nächsten deutsch-polnischen Bahngipfel eingeladen. Themen dafür gibt es zur Genüge.

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