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Gemächlichkeit
Kamele leben auf Brandenburger Bauernhof

01.06.2018, Brandenburg, Nassenheide: Züchterin Gabi Heidicke steht auf einer Koppel neben dem Kamel "Dörges". Elf Trampeltierstuten und ein Hengst leben auf dem Bauernhof. (zu dpa-KORR «Die mit Kamelen leben: Gemächlichkeit auf Brandenburger Bauernhof» vom 07.06.2018) Foto: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/ZB - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes ZB-Funkregio Ost +++ ZB-FUNKREGIO OST +++
01.06.2018, Brandenburg, Nassenheide: Züchterin Gabi Heidicke steht auf einer Koppel neben dem Kamel "Dörges". Elf Trampeltierstuten und ein Hengst leben auf dem Bauernhof. (zu dpa-KORR «Die mit Kamelen leben: Gemächlichkeit auf Brandenburger Bauernhof» vom 07.06.2018) Foto: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/ZB - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes ZB-Funkregio Ost +++ ZB-FUNKREGIO OST +++ © Foto: Bernd Settnik
dpa / 07.06.2018, 09:15 Uhr - Aktualisiert 07.06.2018, 09:34
Nassenheide (dpa) Statt durch Wüstensand geht es durch die märkische Heide: Majestätisch schreitet die Kamelgruppe über den Acker. Sie lässt sich durch fast nichts aus der Ruhe bringen - ein Anblick wie aus einer anderen Welt.

Dörges schnuppert am Haar der Besucherin, die dicken warmen Lippen streichen sanft über das Gesicht, dann kommt plötzlich ein warmer Hauch. Die drei Jahre alte Kamelstute hat ihren Gast herzlich begrüßt. „Das muss sein, sonst geht hier gar nichts“, sagt Gabi Heidicke, die mit ihren Mann Jörg den Kamelhof in Nassenheide (Oberhavel) etwa 40 Kilometer nördlich von Berlin führt.

Auf dem alten Vierseitenhof leben seit 2004 Trampeltiere, sie haben zwei Höcker. Zur Familie der Kamele gehören auch Dromedare, die nur einen Höcker tragen.

Bei der Brandenburger Landpartie am kommenden Wochenende, wenn landesweit 250 Höfe für Besucher öffnen, ist auch Familie Heidicke dabei. „Wir wollen Wissen über diese außergewöhnlichen Nutztiere vermitteln“, sagen die Eheleute. Trampeltiere werden vor allem in Asien seit tausenden Jahren gehalten. Sie liefern Fleisch, Wolle und Milch.

All diese Aufgaben kamen für Heidickes Wüstentiere nicht in Frage. „Wie unsere beiden Hunde, die zwei Ziegen, fünf Katzen und das alte Schwein gehören sie zu unserem Haushalt“, sagt die Inhaberin des Hofes. Die behäbigen und ruhigen Exoten sind nun wichtige Gefährten und „Coaches“ bei Seminaren oder für Hofbesucher. Gäste verbringen mit den sehr intelligenten Tieren dann ein paar Stunden.

In Brandenburg gibt es immer mehr Angebote, die vor allem Städter nutzen, um wieder Landleben kennenzulernen und in Kontakt mit Tieren zu kommen. Laut Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH gibt es Wanderungen mit Eseln und Ziegen, Begegnungen mit Alpakas, Fahrten mit Huskies und Übernachtungen im Schäferwagen mit Schafen.

Derzeit gehören zur kleinen Kamelherde in Nassenheide elf Stuten und der Hengst Batu, der regelmäßig für Nachwuchs sorgt. Das älteste Tier ist 20 Jahre alt. Küken heißt ein zwölf Wochen altes Fohlen mit hellem Fell. Es wird noch von der Mutter gesäugt, reißt sich aber schon wie die Großen trockenes Gras von der etwa zwei Hektar großen Koppel.

„Wir sind immer erstaunt, wie die Kamele auf die Besucher wirken“, sagt Heidicke. Die Freundlichkeit der Tiere, ohne eine Spur von Aggressivität, verzaubere alle. Das Paar bringt den Tieren bei, einen Sattel zu tragen, sich auf ein Signal hinzulegen oder in die gewünschte Richtung zu laufen. Nach zaghaften Berührungen können Mutige das Fell bürsten - ausgiebige Streichel- und Kuscheleinheiten inklusive.

„Wir zeigen aber auch: Es sind Individuen mit starkem eigenen Willen, die nicht immer alles machen, was wir gerade wollen“, sagt Jörg Heidicke. Für die Ausbildung der Tiere sei seine Frau verantwortlich. Wie kommt man auf die Idee, Kamele in Brandenburg zu halten? Eigentlich wollten sie Tiere züchten und verkaufen, sagt der Halter. Doch die Tiere faszinierten sie.

Die heute in Deutschland lebenden Trampeltiere stammen nach Heideckes Angaben zumeist von Exemplaren ab, die zur Sowjetzeit vor allem aus Kasachstan in die DDR kamen. Nachkommen wurden von den Zoos dann für Devisen vor allem in den Westen verkauft.

Der Verein Altweltkamel hat nun aufgrund der mittlerweile engen genetischen Verwandtschaft den Aufbau eines Zuchtbuches in Angriff genommen. Etwa 50 Tiere sind bereits erfasst. Damit können Stammbäume für die in Deutschland, Österreich und der Schweiz lebenden Exemplare erarbeitet werden. Im Verband sind knapp 50 Halter aus dem deutschsprachigen Raum Mitglied. Sie tauschen sich auch über Haltung und Behandlung von Krankheiten aus, da es wenig Literatur dazu gibt. „Welche Medikamente helfen bei Durchfall oder Würmern?“, fragen sie beispielsweise.

Im Berliner Tierpark leben 45 Exemplare aus der Familie der Kamele auf einem großzügigen Areal, dass bereits Mitte der 1950-er Jahre angelegt wurde. Die Haltung bedeute keine besondere Herausforderung, sagte ein Tierparksprecher. „Trampeltiere fungieren bei uns als Botschafter für das vom Aussterben bedrohte Wildkamel.“ Mit den Haustieren Alpaka, und Lama werden die wichtigsten Nutztiere in Südamerika vorgestellt. Lamas gehen zudem an Wochenenden als Attraktion im Tierpark spazieren - allerdings geführt von Tierpflegern. Dann kommt das Publikum mit den Tieren in Kontakt.

Kamele sind Wüstenbewohner und genügsam. „Sie haben gelernt, mit wenig auszukommen. Sie überlegen sich jede Bewegung und machen keinen Schritt zuviel“, sagt Heidicke. Man müsse deshalb das Futter auch begrenzen, sie würden sonst ungeniert fressen. In der Regel sind es etwa fünf Kilogramm Trockenfutter am Tag. Bei einigen Damen aus der Herde hängen die Höcker schlapp zur Seite: sie mussten abnehmen und das ist die überschüssige Haut.

Die Tiere sehen gerade etwas gerupft aus, verlieren die letzten Reste des Winterfells. Der Tagesablauf der Herde ist sehr geregelt: langsam aufstehen, gemächlich fressen, drei Stunden Mittagsruhe, bei Hitze gern im Schatten und immer wiederkäuen, bis zu 40 Mal.

Oft wird Gabi Heidicke gefragt, ob sie von dem Hof und den Kamelen leben kann. Sie versuche es, sagt die Kamelliebhaberin dann stoisch.

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